Traumberuf

Oberhausener Rollstuhlfahrerin ist jetzt Kinderpflegerin

Jennifer Oppers hat viel Freude am Umgang mit Kindern. Um Kinderpflegerin zu werden, hat sie viele Anstrengungen auf sich genommen.

Jennifer Oppers hat viel Freude am Umgang mit Kindern. Um Kinderpflegerin zu werden, hat sie viele Anstrengungen auf sich genommen.

Foto: Daniel Elke

Oberhausen.   Jennifer Oppers ist ausgebildete Kinderpflegerin. Nun arbeitet sie in einer Kita, aber der Weg war für die Rollstuhlfahrerin nicht leicht.

Das nennt man wohl „sich durchbeißen“: Für Jennifer Oppers hätte es weit weniger mühevolle Wege ins Arbeitsleben gegeben – aber die hätten am Ende nicht zu ihrem Wunschberuf geführt. Die junge Frau, die durch eine Halbseitenlähmung in ihrer Bewegungsfähigkeit eingeschränkt ist, hat vor Jahren für sich beschlossen, dass sie nicht in einer Werkstatt für behinderte Menschen arbeiten möchte: „Für viele ist das gut und ich habe auch Freunde, die da glücklich sind. Aber für mich ist das nichts.“ Auch eine Bürotätigkeit sei nichts für sie. Ihr Ziel war es, in einer Kindertagesstätte zu arbeiten.

Dafür hat sich die 32-Jährige mächtig ins Zeug gelegt. Mit Erfolg. Ihre Ausbildung zur Kinderpflegerin hat sie geschafft und gehört nun zum Team der Kita Alsbachtal: „Die Anstrengung hat sich gelohnt. Ich würd’s wieder machen und rate auch jedem, nicht so schnell aufzugeben“, sagt sie und klingt dabei sehr überzeugend.

Mittlere Reife an der VHS

Wenn sie im Kreise der Kleinen auf dem Boden sitzt, mit ihnen lacht oder etwas vorliest, sind die Mühen, Hürden und Rückschläge der zurückliegenden Jahre weit weg. Aber es hat sie gegeben. Und nicht zu knapp. Im Jahr 2004 habe sie zunächst in Duisburg an der Christy-Brown-Förderschule einen Abschluss gemacht, erzählt die junge Frau. Danach habe sie – um einen regulären Hauptschulabschluss draufzusatteln – noch eine entsprechende Internatsschule besucht: „Aber da habe ich mich gar nicht wohl gefühlt und schon nach kurzer Zeit wieder abgebrochen.“ Dann ein neuer Anlauf. An der Volkshochschule Oberhausen machte sie nicht nur ihren Hauptschulabschluss, sondern auch noch die Mittlere Reife.

Vermittelt durchs Arbeitsamt schnupperte Jennifer Oppers 2012 ins Familienzentrum Alsbachtal hinein, die sie selbst als Kind besucht hatte. Jetzt kam sie zurück, als ungelernte pädagogische Hilfskraft: „Ab da wollte ich unbedingt in diesen Beruf. Danach konnte mir auch niemand mehr sagen: Das funktioniert nicht als Rollstuhlfahrerin. Das wusste ich dann besser.“

Chefin war früher ihre Erzieherin

In Barbara Steinings, der Leiterin der Kita, hatte sie eine Unterstützerin gefunden. Die erfahrene Pädagogin kannte Jennifer Oppers von Kindesbeinen an. „Frau Steinings war früher schon meine Erzieherin“, erzählt Oppers davon, wie sie selbst als Kind die Einrichtung im Alsbachtal besuchte. „Ich hab damals schon immer anderen Kindern beim Aus- und Anziehen der Jacken geholfen und sowas.“

Barbara Steinings stellt allerdings klar: „Wir hätten uns nicht für Frau Oppers entschieden, wenn wir nicht davon überzeugt wären, dass sie Talent für diesen Beruf hat.“ Mit dem Wunsch, eine Ausbildung zur Kinderpflegerin zu machen, begannen die nächsten Probleme: Die zuständige Berufsfachschule war nicht barrierefrei... „Aber ich hab sehr viel Unterstützung bekommen, um mein Vorhaben umzusetzen“, erzählt die 32-Jährige. Im Käthe-Kollwitz-Kolleg wurde ein Aufzug eingebaut, Küche und Toiletten behindertengerecht umgebaut. „Außerdem hatten wir als einzige Klasse einen festen Klassenraum und mussten nicht immer wechseln. Die Lehrer und auch meine Mitschüler haben ganz toll mitgezogen.“

Vor der Abschlussprüfung habe es viele kurze Nächte gegeben, berichtet die junge Frau, die von allen in ihrem Umfeld kurz „Jenny“ gerufen wird: Denn sie habe großen Ehrgeiz gehabt, immer möglichst zu den Besten zu gehören. Da sei auch manche Träne geflossen. „Die Lehrer haben mir dann gesagt: Du musst nicht immer perfekt sein.“ Aber versucht hat sie’s doch. Und die Mühen haben sich am Ende gelohnt. „Ich möchte ganz normal leben, deshalb muss ich auch Hürden nehmen wie jeder andere auch.“

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