Fahrrad-Infrastruktur

Oberhausener Radfahrer fordern: Marktstraße früher öffnen

Hier muss das Fahrrad tagsüber geschoben werden: Die Marktstraße auf Höhe der Paul-Reusch-Straße.

Hier muss das Fahrrad tagsüber geschoben werden: Die Marktstraße auf Höhe der Paul-Reusch-Straße.

Foto: Gerd Wallhorn

OBERHAUSEN.   Ergebnisse des Fahrradklima-Tests bringen einige Vorschläge für die Oberhausener Rad-Infrastruktur. Zahlreiche Knöllchen für Trödel-Falschparker.

Radwege taugten nur für die Freizeit und seien ohnehin oft zugeparkt: Über die berichteten Kritikpunkte, auf die der diesjährige „Fahrradklima-Test“ des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) aufmerksam gemacht hat, äußerten sich auch unsere Leser der NRZ-Facebookseite.

So moniert etwa Günter Schlipper, dass nicht einmal die Mülheimer Straße komplett mit einem Radweg ausgestattet sei: „Andere Städte bauen in der Zwischenzeit eigene Radschnellwege.“ Burkhard Schmidt vom Vorstand des ADFC Oberhausen/Mülheim erwidert: „Die Mülheimer Straße kann man nicht mit einem Radschnellweg vergleichen. Wenn aber über eine Umweltspur diskutiert werden sollte, würden wir dies unterstützen.“ Gleichwohl sei es nicht möglich, eine solche Straße für Radfahrer umzuwandeln, sagt Schmidt. Außerdem sei selbst bei der Verbindung Mülheim-Essen noch nicht viel passiert.

Ab 20 Uhr freie Fahrt

Schlipper ergänzt: „Ich finde es zudem auch lächerlich, dass Fahrradfahren in der leer gefegten Marktstraße erst ab 20 Uhr legal ist, obwohl da um 17 Uhr schon die Bordsteine hochgeklappt werden.“

Der ADFC unterstützt die Meinung, die Marktstraße früher für Radfahrer zu öffnen. Bislang ist freie Fahrt an Werktagen zwischen 20 und 9 Uhr möglich. „Allerdings gibt es starke Bedenken“, räumt Schmidt ein, „Radfahrer würden zu rüpelhaft fahren und die Fußgänger als Slalomstangen ansehen.“ An diesem Image hätten die Radfahrer teils selbst Schuld.

Daher steht für ihn fest: „Das geht nur mit Disziplin und Schritttempo.“ Generell würde sich die Strecke als Ost-West-Verbindung anbieten, da die parallel verlaufenden Straßen nicht sonderlich gut für Radfahrer ausgebaut seien.

Für Leserin Bine Känder taugen die meisten Radwege nur für Freizeitaktivitäten. „Für die täglichen Wege zur Arbeit und für Besorgungen nicht“, findet sie, die nach eigener Aussage täglich mit dem Rad in der Stadt unterwegs ist.

Burkhard Schmidt gibt ihr in diesem Punkt zum Teil Recht: „Oberhausen ist sehr stark im Bereich Freizeitwege, die aber teils nicht asphaltiert sind. Daher kann ich verstehen, wenn jemand wegen möglicher dreckiger Kleidung nicht darauf zur Arbeit fahren möchte.“ Ein großes Problem sei weiterhin der unzureichende Winterdienst sowie mangelhafte Beleuchtung. Dezernentin Sabine Lauxen kündigte bereits Gespräche mit den Wirtschaftsbetrieben an.

Zu einem der größten Ärgernisse gehören die von Autos zugeparkten Radwege. Darüber regt sich auch Demo Gurda auf: „Jedes Mal, wenn am Bero-Zentrum Trödelmarkt ist, wird die Bebelstraße zwischen Concordiastraße und Am Förderturm zugeparkt.“

Was das Parken auf Radwegen angeht, sind große Veranstaltungen ruhrgebietsweit ein Problem, meint Schmidt, der die Beobachtungen am Bero-Zentrum aber bestätigt. Stadtsprecher Frank Helling teilt auf Nachfrage mit, dass die zahlreichen Falschparker am Bero dem Ordnungsamt hinreichend bekannt seien. „An Trödelmarkttagen wird das gesamte Umfeld überwacht. Je nach Wetterlage und Besucheranzahl werden circa 50 bis 70 Verwarnungen erteilt.“

Monatliche Trödelmärkte seien jedoch laut Schmidt weniger das Problem als tägliches Parken vor beispielsweise Bäckereien oder Imbissbuden. „Längere und häufigere Kontrollen würden bei größeren Veranstaltungen helfen.“

>>> LEIHRADANGEBOT IST GUT AUSGEBAUT

Die Stadt Oberhausen erhielt in der Befragung die Schulnote 3,9 - ein Minus von 0,2 gegenüber 2016.

In NRW liegt die Stadt mit der Note in der Größenklasse 200.000 bis 500.000 Einwohner auf Platz zwei von elf. Bundesweit ist es Platz acht von 25.

Als positive Aspekte wurden wenige Fahrraddiebstähle, das gute Angebot von Leihrädern sowie Radfahren als Spaßfaktor genannt.

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