Gesundheitsversorgung

Oberhausener Praxisärzte schreiben Brandbrief an KKO-Chefs

Wird das Katholische Klinikum Oberhausen (KKO) zu einem rein wirtschaftlich orientierten Gesundheitsanbieter in der Stadt? Die Oberhausener Praxisärzte befürchten eine schlechte Entwicklung, wenn ethische und medizinische Werte in Zukunft weniger beachtet werden.

Wird das Katholische Klinikum Oberhausen (KKO) zu einem rein wirtschaftlich orientierten Gesundheitsanbieter in der Stadt? Die Oberhausener Praxisärzte befürchten eine schlechte Entwicklung, wenn ethische und medizinische Werte in Zukunft weniger beachtet werden.

Foto: Kerstin Bögeholz / FUNKE FotoServices

Oberhausen.  Die Oberhausener Praxisärzte sehen eine anständige klinische Gesundheitsversorgung der Bürger in Gefahr – und schreiben einen Brandbrief.

Kurz vor dem Verkauf des finanziell angeschlagenen Katholischen Klinikums Oberhausen (KKO) an einen neuen Träger schlagen die Oberhausener Haus- und Facharztpraxen Alarm – mit einem Brandbrief an die neue KKO-Geschäftsführung.

In seinem zweiseitigen Schreiben warnt der Vorstand des „Quali-Net O.“, ein Zusammenschluss von 50 örtlichen Arztpraxen, davor, dass allein finanzielle Gründe den Ausschlag für den neuen Träger geben. „Wir fordern die – meist rein betriebswirtschaftlich qualifizierten – Verantwortlichen des Insolvenzverfahrens auf, die Fortführung einer patienten- und mitarbeiterorientierten Medizin zu ermöglichen“, schreiben die Quali-Net-Vorsitzenden Dr. Tilmann Kornadt und Mahmoud Maysami. „Auf keinen Fall darf ein kommerziell ausgerichteter Gesundheitskonzern entstehen.“ Bisher gehört das KKO drei katholischen Kirchengemeinden und dem Bistum Essen.

Die Praxisärzte befürchten, dass die klinische Gesundheitsversorgung der Oberhausener künftig nicht mehr ausreichend gesichert ist. Nachteilig sei bereits die Übernahme des früher konfessionellen Oberhausener Elisabeth-Krankenhauses durch die Helios-Gruppe gewesen. „Dadurch entstand ein wirtschaftsoptimiertes und für viele niedergelassene Ärzte problematisches Verhalten. Die aktuelle Insolvenz des KKO bedeutet einen weiteren Rückschritt in der Patientenversorgung.“

Wichtige medizinische Abteilungen fallen weg

Denn mit der geplanten Schließung des St.-Josef-Hospitals fielen wichtige medizinische Abteilungen in der Stadtmitte weg, beispielsweise die hepatologische Klinik (Leber und Gallenwege), die neurologische Klinik und die Psychiatrie. „Für die KKO-Standorte Sterkrade und -Osterfeld werden die geplanten Eingliederungen dieser Kliniken viele Probleme mit sich bringen. Unklar für uns Ärzte ist, ob und in welcher Form dies möglich sein wird.“

Gläubigerausschuss des KKO entscheidet

Tatsächlich entscheidet in einem Insolvenzverfahren formal der Gläubigerausschuss, wie es mit dem Katholischen Klinikum weitergeht. Der Gläubigerausschuss besteht aus Bankenvertretern, Gewerkschaftern und Vertretern der Bundesarbeitsgentur. Bei Beschlüssen zur Zukunft des insolventen Unternehmens muss sich der Gläubigerausschuss in erster Linie daran orientieren, wie am besten die ausstehenden Geldforderungen befriedigt werden. Das Oberhausener Quali-Net befürchtet: „Bei einem Verkauf der KKO-Häuser treten medizinische und ethische Gesichtspunkte in den Hintergrund.“

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