Verkehrswende

Oberhausener Politik blickt besorgt auf steigende Auto-Zahl

Neue Ladesäulen für Elektroautos sind im Sommer 2019 am Centro eingerichtet worden. Doch den Grünen reicht der bisherige Bestand an Lademöglichkeiten nicht aus – sie fordern mehr Einsatz von der Energieversorgung Oberhausen.

Neue Ladesäulen für Elektroautos sind im Sommer 2019 am Centro eingerichtet worden. Doch den Grünen reicht der bisherige Bestand an Lademöglichkeiten nicht aus – sie fordern mehr Einsatz von der Energieversorgung Oberhausen.

Foto: Gerd Wallhorn / FUNKE Foto Services

Oberhausen.  Die Zahl der Kraftfahrzeuge hat in Oberhausen einen Höchststand erreicht: Fast 112.000 Autos fahren auf den Straßen. Die Politik will handeln.

Trotz aller Klimadiskussionen hat die Zahl der zugelassenen Autos in Oberhausen in den vergangenen zehn Jahren stark zugenommen. Ende 2019 waren über 111.700 Pkw angemeldet – ein Rekord. Das sind über 13.000 Fahrzeuge mehr als noch im Jahre 2009 – ein Anstieg um über 13,2 Prozent. SPD, CDU, Grüne und Linke sehen diesen Trend kritisch, da er Umwelt, Gesundheit und Klima belastet – und wollen handeln.

Die meisten Autofahrer merken die zunehmende Verkehrsdichte auf den Straßen, die Parkplatzsuche wird immer mühsamer. Insgesamt über alle Fahrzeugarten hinweg waren nach Daten der Stadtverwaltung 137.411 Kraftfahrzeuge (inklusive Anhänger) im Stadtgebiet angemeldet, neben Pkw über 5600 Lastwagen, 9200 Motorräder und 170 Busse. Ein Lichtblick: Die Zahl der angemeldeten reinen Elektroautos hat sich im vergangenen Jahr um über 70 Prozent von 106 auf 190 erhöht; zudem fahren 1009 Hybridfahrzeuge auf Oberhausener Straßen, angetrieben von Strom und Benzin.

Ratsfraktionen wollen Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs erreichen

SPD, CDU, Grüne und Linke im Oberhausener Rat halten es für erforderlich, die Zahl der Kraftfahrzeuge auf den Straßen zu senken. Das soll vor allem durch den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs und von Radwegen erreicht werden.

„Steigende Anmeldezahlen von Fahrzeugen sollte die Politik als Ansporn begreifen, gute, preiswerte und pünktliche Alternativen zur Verfügung zu stellen, so dass immer mehr Menschen ihre Fahrzeuge immer häufiger stehen lassen“, meint die SPD-Ratsvorsitzende Sonja Bongers. „Bisher sehen viele Menschen im öffentlichen Nahverkehr oder in der Nutzung von Fahrrädern noch keine wirklich attraktiven Alternativen zum eigenen Auto.“

Ins gleiche Horn stößt auch CDU-Ratsfraktionsvorsitzende Simone-Tatjana Stehr. „Fakt ist, dass sich die Menschen heute beruflich wie privat flexibel und schnell bewegen müssen und wollen. Wir brauchen attraktive Alternativen zu Kraftfahrzeugen für die Mobilität.“

Grüne wollen mehr Strom-Autos, Linke zeigen sich skeptisch

Für Alternativen setzen sich auch alle anderen befragten Fraktionen ein. Wie SPD und CDU wollen auch die Grünen und Linken einen besseren, schnelleren und effizienteren öffentlichen Nahverkehr im Stadtgebiet erreichen sowie eine bessere Infrastruktur für Radfahrer schaffen.

Die Grünen setzten sich besonders für E-Mobilität ein, kennen aber auch die Nachteile von E-Autos, die bisher Bürger zögern lassen, sich ein Elektromobil zu kaufen – eine noch zu geringe Reichweite, zu wenig Ladesäulen zum Stromtanken. „Die Anschaffung eines verbrennungsfreien Fahrzeugs für die Bürger geht immer noch nicht ohne Bedenken vonstatten: Reichweite und Lademöglichkeiten stehen dabei im Fokus.“

Deshalb fordern die Grünen die Energieversorgung Oberhausen (EVO) auf, sich engagierter für mehr Elektroauto-Ladesäulen einzusetzen, um eine verlässliche Ladeinfrastruktur im Stadtgebiet aufzubauen. „Nicht einmal ein Drittel aller Ladestationen werden direkt von der EVO betrieben“, kritisieren die Grünen.

Für die Linke Liste ist der Umstieg auf Elektroautos nicht die Lösung, um in Zukunft in Oberhausen zügig voranzukommen. „Ob Autos mit Verbrennungsmotor oder Elektrofahrzeuge die Straßen verstopfen, ist letztendlich egal“, meint Linken-Planungspolitiker Michael Hake. Mit mehr Radwegen und einem besseren Stoag-Netz kann man nach seiner Auffassung erreichen, die Zahl an Kraftfahrzeugen in Zukunft zu reduzieren.

Kostenloses Parken von E-Autos auf öffentlichen Parkplätzen

Die Stadt Oberhausen hat erste Schritte zum Ausbau der E-Mobilität umgesetzt. So gibt es zum Beispiel wie in Bottrop eine Reihe von Parkplätzen, auf denen Autofahrer ihre E-Autos kostenlos für vier Stunden parken dürfen – mit Parkscheibe. „Die E-Mobilität ist in Oberhausen zwar angekommen, aber hier ist noch Luft nach oben“, sagte Umwelt- und Mobilitätsdezernentin Sabine Lauxen. „Deshalb informieren wir zum Beispiel Handwerksbetriebe, Pflegedienste und Taxiunternehmen über die Fördertöpfe des Bundes und unterstützen sie beim Fördergeld-Antrag.“ Bürger, die sich für elektrisch betriebene Räder, Roller oder Autos interessieren, können sich zudem auf dem jährlichen Tag der E-Mobilität in Oberhausen informieren.

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