Nikolaus

Oberhausener Pfarrer ist als Nikolaus auf Kita-Tournee

Pfarrer Vinzent Graw im Katholischen Pfarramt Herz-Jesu.

Pfarrer Vinzent Graw im Katholischen Pfarramt Herz-Jesu.

Foto: Tamara Ramos

Oberhausen.   Vinzent Graw schlüpft am 6. Dezember regelmäßig in die Rolle des Heiligen. Der Pfarrer nutzt den Tag, um mit Kindern ins Gespräch zu kommen.  

Vinzent Graw zieht sich im Katholischen Pfarramt Herz-Jesu an der Paul-Reusch-Straße 66 in sein Büro zurück. „Ich bin gleich wieder da“, sagt der 38-Jährige mit einem freundlichen Schmunzeln.

Kurz darauf präsentiert sich Graw in seinem Nikolaus-Gewand: Über sein Hemd und die schwarze Anzughose hat er einen weinroten Chormantel und eine weiße Albe angezogen, die bis zu den Füßen reicht. Um die Schultern trägt der Pfarrer der Herz-Jesu-Kirche eine goldene Stola, auf dem Kopf die Mitra. Auch Bischofsstab und Rauschebart dürfen natürlich nicht fehlen.

Bereits seit mehreren Jahren verkleidet sich Graw am 6. Dezember als Nikolaus und besucht verschiedene Kindertagesstätten. In diesem Jahr ist der Pfarrer nach einem Zwischenstopp in der Kita St. Joseph in Styrum erst am Katholischen Kindergarten an der Wörthstraße und dann gegen 11 Uhr an der Paul-Reusch-Straße. „Das gehört für mich einfach mit dazu“, erklärt Graw.

Der Besuch sei eine gute Möglichkeit, um in den Einrichtungen selbst vor Ort zu sein und Kontakt mit den Kindern aufzunehmen. „Außerdem versuchen wir in Absprache mit den Erziehern, den Kindern das vorbildliche Leben des heiligen Nikolaus’ näher zu bringen.“

Weihnachtsmann ist frei erfunden

Dieser ist nämlich, im Gegensatz zum Weihnachtsmann, keinesfalls eine rein fiktive Person: „Mir ist bei meiner Arbeit schon wichtig zu verdeutlichen, dass der heilige Nikolaus wirklich gelebt hat“, betont Graw. Darüber hinaus gebe es zwischen den beiden Charakteren auch optisch kaum Gemeinsamkeiten.

Und tatsächlich: Bei genauerer Betrachtung fällt auf, dass sich die religiöse Kopfbedeckung, der Bischofsstab und die goldene Mitra erkennbar von der rot-weißen Zipfelmütze und der flauschigen Winterkleidung des Weihnachtsmanns unterscheiden.

Dass der Weihnachtsmann trotz des fehlenden religiösen Bezugs in vielen christlichen Familien dennoch eine wichtige Rolle spielt, sieht der Pfarrer gelassen: „Die moderne Konsumindustrie ist natürlich viel mächtiger als wir“, erklärt Graw.

In der Werbung und in Supermärkten werde der Verbraucher täglich mit der Figur des Weihnachtsmanns konfrontiert. „Und trotzdem ist der Nikolaus bis heute erhalten geblieben“, betont er. Zudem gebe es eine wachsende Bewegung, die das Leben des Heiligen von Myra wieder stärker im Bewusstsein der Menschen verankern will.

Der Pfarrer legt die liturgischen Gewänder wieder ab, stellt den Bischofsstab zur Seite und nimmt auf seinem Bürostuhl Platz. „Die Arbeit mit den Kindern lässt sich mit einer Predigt nicht vergleichen“, erklärt Graw. Stattdessen stehe der gemeinsame Dialog im Mittelpunkt.

Die Kinder sitzen im Kreis, singen Lieder, sagen Gedichte auf und überreichen dem Nikolaus selbstgemalte Bilder. Anschließend erzählt Graw Geschichten und verteilt Geschenke: „Es geht darum, den Kindern zu erklären, was der heilige Nikolaus gemacht hat und dass es doch schön wäre, wenn sie sich auch so verhalten würden.“

Nikolaus kann „Brücke bauen“

Dabei gebe es Heilige, die im katholischen Glauben viel bedeutender seien. Weil der Nikolaus als gutmütiger Gabenbringer jedoch im Volksbewusstsein sehr präsent sei, „wird er auch von uns hochgehalten“, so Graw. Zudem biete der heilige Nikolaus – ähnlich wie St. Martin – eine Gelegenheit, um sich mit den Heiligen der Kirche auseinanderzusetzen: „Um die Bedeutung des Nikolaus-Brauchtums zu verstehen, braucht man keinen großen Glauben“, sagt der Pfarrer. „Insofern ist er ein Heiliger, der eine Brücke zu Nicht-Gläubigen bauen kann.“

>>> PFARRER VINZENT GRAW IM KURZPORTRAIT

Vinzent Graw ist in Bochum in einem traditionell katholischen Elternhaus aufgewachsen. Im letzten Jahr am Gymnasium reifte in ihm der Wunsch, auch sein berufliches Leben dem Glauben zu widmen. 2006 wurde Graw zum Priester geweiht.

Nach mehreren Stationen wechselte Graw im Juli 2017 als bisheriger Pastor von St. Franziskus Osterfeld nach Stadtmitte und ist seitdem Pfarrer von Herz-Jesu. Sein Vorgänger, Peter Fabritz, ging als Propst nach Sterkrade.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben