Oberbürgermeister-Wahl

Oberhausener OB-Wahlkampf eskaliert noch auf der Zielgeraden

Sie stehen am Sonntag, 27. September 2020, zur Wahl in Oberhausen: Oberbürgermeister Daniel Schranz (CDU) und SPD-OB-Kandidat Thorsten Berg auf ihren aktuellen Großplakaten mit Stichwahl-Aufrufen.

Sie stehen am Sonntag, 27. September 2020, zur Wahl in Oberhausen: Oberbürgermeister Daniel Schranz (CDU) und SPD-OB-Kandidat Thorsten Berg auf ihren aktuellen Großplakaten mit Stichwahl-Aufrufen.

Foto: mape / Funke-Mediengruppe

Oberhausen.  Die Debatte um die mögliche Verlagerung der Oberhausener Bordelle von der City an den Stadtrand wird immer emotionaler – mit schweren Vorwürfen.

Der wochenlange, eher ruhig dahinplätschernde Oberhausener Kommunalwahlkampf endet wenige Stunden vor der entscheidenden Stichwahl um das mächtigste Amt der Stadt am Sonntag, 27. September, mit gegenseitigen Vorwürfen und Anschuldigungen.

In einem Facebook-Video wirft Oberbürgermeister Daniel Schranz (CDU) seinem Herausforderer Thorsten Berg (SPD) am Freitag vor, frühere Vereinbarungen zwischen den demokratischen Parteien, einen sachlich-harten, aber fairen Wahlkampf zu führen, nicht eingehalten zu haben. Berg verteilt seit Donnerstag ein Flugblatt, in dem er angibt, die „Schranz-Pläne der Bordellverlagerung“ würden „zu einer massiven Verschlechterung des Wohnumfeldes in den betroffenen Stadtteilen“ führen.

CDU: SPD führt die Menschen hinters Licht

Schranz dazu: „Der SPD-Kandidat will den Menschen weismachen, dass bei ihnen im Garten ein Bordell entstehen könnte. Sie werden hinters Licht geführt. Das ist purer Populismus und falsch. Genau diese Art von Populismus ist es, die den rechten Rand stärkt und für Politikverdrossenheit sorgt. Hier werden Ängste geschürt und Fake News verteilt.“ Realität sei, dass nach Auftrag des Rates mit Zustimmung der SPD neue Bordell-Standorte ausschließlich in Gewerbegebieten fern von Wohnbebauung gesucht würden.

Auf die empörten Reaktionen der CDU von Donnerstag reagierten am Freitag der Oberhausener SPD-Chef Dirk Vöpel sowie Thorsten Berg selbst. CDU-Chef Wilhelm Hausmann hatte gesagt: „Das ist Wahlkampf wie Trump und AfD, das ist populistisch. Sollte sich die SPD-Spitze davon nicht distanzieren, dann wird es mit der CDU im Rat keine Koalitionsverhandlungen geben.“

Vöpel und Berg sehen diese Vorwürfe als völlige Entgleisung an. Die CDU laufe Amok. „Keine andere Partei hat in diesem Wahlkampf so leidenschaftlich, konsequent und unübersehbar gegen Hass und Hetze von Rechts gekämpft wie die SPD. Und darauf bin ich sehr stolz“, sagt Vöpel.

SPD: Fünf Jahre ist für die Rotlichtviertel-Verlagerung nichts passiert

Schranz habe sich die Suppe mit dem Versprechen einer Bordellverlagerung vor vielen Jahren selbst eingebrockt. „Fünf Jahre ist nichts passiert. Dann taucht plötzlich eine bisher unter Verschluss gehaltene Liste möglicher neuer Standorte auf. Und das sollen wir in der Öffentlichkeit nicht thematisieren dürfen? Mit dem Thema haben wir offensichtlich einen wunden Punkt getroffen. Denn was trifft, trifft in der Regel auch zu.“

Mit Blick auf die Ankündigung von Hausmann, unter Umständen keine Koalitionsverhandlungen mit der SPD aufzunehmen, bemerkt der SPD-Chef lapidar: „Ich bin schon schlimmer bedroht worden.“

Berg: Bitte keine persönlichen Auseinandersetzungen

Thorsten Berg kontert ebenfalls – und wirft der CDU vor, ihn mit den Vorwürfen persönlich zu beleidigen und mit ihrer Aufregung negative Folgen auszulösen. „Als Oberbürgermeisterkandidat, der nicht aus der aktiven Parteipolitik kommt, glaube ich, dass die Menschen keine persönlichen Auseinandersetzungen im Wahlkampf wollen, sondern Kontroversen in der Sache. Alles andere fördert nur extremistische Positionen und Politikmüdigkeit. Und davon haben wir schon viel zu viel.“

Inhaltlich wolle er eben keine geschätzten 50 Millionen Euro für eine Bordellverlagerung ausgeben, sondern sie lieber in Schulen und Kitas investieren. Man müsse die Bürger über die von einer möglichen Verlagerung betroffenen Stadtteile offen und transparent informieren.

Hier finden Sie grundlegende Informationen zur Stichwahl: https://www.waz.de/staedte/oberhausen/stichwahl-in-oberhausen-wichtige-fragen-und-antworten-id230434918.html

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