Pilzzucht

Oberhausener lernen, wie die Pilzzucht funktioniert

Unter der Anleitung von Julia Krayer (rechts) beimpften die Teilnehmer Birkenstämme mit Austernseitlingen, Shiitake und anderen Pilzsorten. Hobby-Gärtnerin Ulrike Rittmann hat einen Gemeinschaftsgarten und will dort künftig Pilze züchten.

Unter der Anleitung von Julia Krayer (rechts) beimpften die Teilnehmer Birkenstämme mit Austernseitlingen, Shiitake und anderen Pilzsorten. Hobby-Gärtnerin Ulrike Rittmann hat einen Gemeinschaftsgarten und will dort künftig Pilze züchten.

Foto: Kerstin Bögeholz

Beim Workshop an Haus Ripshorst lernten die Teilnehmer alles über die Grundlagen der Pilzzucht. Bis geerntet werden kann, dauert es aber noch.

Pilze aus eigener Zucht – geht das? Das wollten die 15 Teilnehmer beim Workshop „Edelpilzstämme“ am RVR-Informationszentrum Haus Ripshorst herausfinden. Unter fachkundiger Anleitung lernten die Interessierten drei Stunden lang alles über die Grundlagen der Outdoor-Pilzzucht. Die meisten hatten vorher kaum Erfahrung damit – und wenn, war das Experiment schief gegangen. „Bei mir im Garten ist gar nichts gewachsen, ich muss etwas falsch gemacht haben und deswegen bin ich hier“, erzählte ein Teilnehmer. Wer Pilze nicht nur gerne auf dem Teller hat, sondern mehr über sie erfahren wollte, war bei dem Workshop also genau richtig.

Drei Experten waren vor Ort, die nicht nur praktisches, sondern auch viel theoretisches Wissen vermittelten. Julia Krayer vom Fraunhofer-Institut Umsicht, das gemeinsam mit dem Wissenschaftsladen Bonn und Bürgern auch den Pilzgarten am Haus Ripshorst betreibt, betonte zunächst, wie wichtig die Grundlagen seien. „Pilze lieben es schattig und feucht“, so die Expertin. Deswegen sei es wichtig, im eigenen Garten oder auf dem Balkon ein geeignetes Plätzchen für sie zu finden.

Bis zur ersten Ernte dauert es noch

Um beispielsweise Shiitake- oder Austernpilze anzubauen, brauche es gesunde, noch feuchte Holzstämme mit Rinde. „Birke eignet sich besonders gut“, erklärte Krayer. „Die Stämme, die wir mitgebracht haben, liegen seit Tagen in Wasser und sind schön nass.“ Für die Teilnehmer ging es mit diesen Infos und einem Stamm ausgestattet dann an die Arbeit: Mit einer Bohrmaschine bohrten sie 15 etwa fünf Zentimeter tiefe Löcher über den ganzen Stamm verteilt hinein. Dann schlugen sie die mit Myzel, also dem Zellkern, durchwachsenen Holzdübel in die Löcher. „Wichtig ist es, nur Dübel einer Pilzsorte pro Stamm zu impfen“, sagte Krayer. „Die Arten können sich sonst verdrängen und der Ertrag sinkt.“

Nachdem alle Dübel mit Austernseitlingen oder Shiitake eingeschlagen waren, wurde flüssiges Wachs, das mit Kokosöl verfeinert wurde, zum Versiegeln über die Löcher verteilt. Damit war die wichtigste Arbeit – zumindest im Workshop – erledigt. Ihren präparierten Stamm konnten die Teilnehmer mit nach Hause nehmen und später möglicherweise ihre erste Pilzernte erleben. „Dafür braucht man aber bis zu eineinhalb Jahre Geduld“, warnte die Expertin.

Myzel muss ins Holz einwachsen

Das Myzel muss nun erst einmal ins Holz einwachsen. Bei Austernpilzen dauert dieser Vorgang sechs Monate, bei Shiitake-Pilzen sogar ein Jahr, bis sich die ersten Fruchtkörper ausbilden können. Am besten, so erklärten die Experten im Workshop, könne man die Stämme mit Jutesäcken abdecken, und diese ständig feucht halten.

Wächst an den Stämmen ein dichtes, weißes Myzel oder bilden sich die ersten Fruchtkörper, so sind die Stämme soweit durchwachsen, dass sie im Garten aufgestellt werden können. Dann können die Kulturen sogar über mehrere Jahre immer wieder frische Pilze bringen. „Wir treffen uns im nächsten Jahr wieder, um herauszufinden, bei wem die Pilzzucht geglückt ist“, meinte eine Teilnehmerin schmunzelnd.

Pilzbeet an Haus Ripshorst braucht noch Zeit

Für das Pilzbeet, das im vergangenen Oktober am Haus Ripshorst angelegt wurde, sieht es derzeit noch nicht so gut aus. Das Fraunhofer-Institut erforscht hier, wie künftige Lebensmittel-Kleinproduktionen am besten funktionieren und welchen Beitrag so genannte Stadtfarmer für eine nachhaltige Nahrungsmittelproduktion leisten könnten. Seitlinge, Shiitake und Igel-Stachelbart sollten an der Ripshorster Straße eigentlich wachsen. „Es war zu trocken, deswegen ist noch nichts gewachsen“, erklärte Krayer. „Das Beet ist aber trotzdem aktiv, so dass es durchaus sein kann, dass wir hier noch etwas ernten werden.“

>>> Zusammenarbeit zwischen Bürgern und Wissenschaft

Der Pilzgarten, neben dem auch der Workshop stattfand, ist Teil des Sain-Projekts (Städtische Agrikultur – gemeinsam innovativ entwickeln). Er gehört zu insgesamt 13 Projekten in der Bundesrepublik, die bis Ende des Jahres die Zusammenarbeit von Bürgern und Wissenschaftlern voranbringen sollen.

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