Kneipe

Oberhausener Kultkneipe Gdanska feiert 17. Geburtstag

Der polnische Konsul Andrzej Dudzinski, Gdanska-Wirt Czeslaw Golebiewski, Künstlerin Anna Mrzyglod und Bürgermeister Klaus Dieter Broß enthüllen den Neptun-Brunnen (v.l.).

Foto: Gerd Wallhorn

Der polnische Konsul Andrzej Dudzinski, Gdanska-Wirt Czeslaw Golebiewski, Künstlerin Anna Mrzyglod und Bürgermeister Klaus Dieter Broß enthüllen den Neptun-Brunnen (v.l.). Foto: Gerd Wallhorn

Oberhausen.  Goldene Neptune werden verliehen, ein neues Wahrezeichen eingeweiht und originelle Sounds zum Besten gegeben. Eine gelungene Party am Altmarkt.

Was Queen Elisabeth II. kann, nämlich ihre königliche Geburtstagsparty aus dem April auf einen sonnigeren Termin zu verschieben, das können Maria und Czeslaw Golebiewski vom Gdanska locker auch: Feierliches Gedöns zum 17. Geburtstag gab es am Samstagabend vor dem inoffiziellen polnischen Kulturinstitut am Oberhausener Altmarkt in einiger Opulenz. Schließlich waren nicht nur goldene Neptune zu verleihen (wir berichteten), sondern es galt auch ein neues Wahrzeichen einzuweihen.

Schnödes Kraneberger

Die Rede ist von der frei neu interpretierten Replik des berühmten Danziger Neptunbrunnens, der selbst bei seiner Premiere leider kein Danziger Goldwasser spie – nur schnödes heimisches Kraneberger. Dazu noch hinter eisernen Gittern, was jedoch nicht deutschen Hygienevorschriften geschuldet ist, sondern dem Original von 1634 am Langen Markt zu Gdansk. So genoss man bei lauschigem Wetter halt lecker Polski Piwo der uralten Tichauer Fürstlichen Brauereien – besser bekannt als Tyskie und seit 2016 fest in japanischer Hand.

Wer die Sprache unserer östlichen Nachbarn beherrschte, war beim Party-Smalltalk jedenfalls klar im Vorteil. Der übertönte – man kann auch sagen: ignorierte – bei aller Dezenz locker die freigiebig servierte Musik.

Dabei standen im Trio „Spiel-Art“ mit Winfried Baar und Hans-Jürgen Mrak zwei Veteranen der legendären Folkrock-Band „Reifrock“ auf der Bühne, die in den späten 70ern der heutigen Mittelalter-Szene die musikalischen Wurzeln einpflanzte. Mit werweißwo ausgebuddelten alten deutschen Volksliedern, die auch vor dem Gdanska fröhlich und unverzagt zu Gitarre, Mandoline und Blockflöten erklangen.

Pierogi und originelle Sounds

Beiläufiger Beifall der angesichts des Gratis-Programms gar nicht mal so zahlreichen Gäste, bei dem man nicht genau wusste, ob er nun der Musik galt oder doch eher den von netten jungen Damen offerierten Pierogi. Lecker wie auch die originellen Sounds der nahe Krakau von dem britischen Multi-Instrumentalisten Michael Jones gegründeten Combo „Naked Mind“.

Über gelassen pulsenden Kontrabass’n’Drum-Lines formte Jones’ Barock-Viola im Dialog zur indischen Sitar von Michal P. Augustyniak vel Limboski, der immer wieder auch mit sonorem mongolischen Oberton-Gesang beeindruckte, eigentümlich flirrende, zwischen Folk-Jazz und Avant-Pop oszillierende Klangbilder. Starke Kost, die offene Ohren und konzentrierte Aufmerksamkeit verdient hätte – auf dem Altmarkt aber leider im Rauschen der fröhlichen Feier unterging. Da bekam der eine oder andere Zuhörer doch glatt den „Polski Blues“.

Der grundsolide Rock von „Communa“, der (natürlich) aus lauter Polen bestehenden Band um den Solinger Gitarristen Krzysztof „Ptak“ Wróbel, war danach als lässige Hintergrund-Bespaßung klar die geeignetere Party-Musik zum 17. Geburtstag des Gdanska, dem man nur ein mindestens ebensolanges Leben wie das von Queen Elisabeth II. wünschen kann: Gratulujemy i długie życie!

Musik im Hinterhof

Die Band „Spiel-Art“ tritt bald erneut im Gdanska auf. Winfried Baar (Winni), Jürgen Mrak (Lumpi) und Rainer Langenbrinck-Dovergne sorgen am 10. August für „Musik im Hinterhof“.

Das Konzert beginnt um 19 Uhr, der Eintritt kostet zwölf Euro. Die Musik spielt im Gdanska-Innenhof, bei schlechtem Wetter im Saal. Weitere Infos auf www.gdanska.de.

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