Lehrfahrzeug

Oberhausener Kfz-Azubis lernen bald an einem Mercedes

Azubi Jonas Preiss (Mitte) macht sich mit dem neuen Lehrfahrzeug vertraut. Außerdem im Bild (v.l.): Geschäftsführer Klaus-Peter Köster und Dirk Köster, Kfz-Abteilungsleiter Jan Kappenberg und Schulleiter Marc Bücker.

Foto: Kerstin Bögeholz

Azubi Jonas Preiss (Mitte) macht sich mit dem neuen Lehrfahrzeug vertraut. Außerdem im Bild (v.l.): Geschäftsführer Klaus-Peter Köster und Dirk Köster, Kfz-Abteilungsleiter Jan Kappenberg und Schulleiter Marc Bücker.

oberhausen.   Hans-Sachs-Berufskolleg hat ein neues Lehrfahrzeug, einen Mercedes S-Klasse. Wert: 140 000 Euro. Aber in fünf Jahren wird das Auto verschrottet.

Jonas Preiss lächelt die Mercedes S-Klasse an. Zu gerne würde der Auszubildende eine kleine Spritztour mit dem Wagen drehen. Aber das Auto ist nicht für die Straße zugelassen, hat keinen Fahrzeugbrief.

Es wird die nächsten Jahre in der Werkstatt des Hans-Sachs-Berufskollegs stehen und den Auszubildenden als Lehrfahrzeug dienen. „Hoffentlich“, sagt der angehende Kfz-Mechatroniker Jonas Preiss, wird auch er daran herumschrauben können. Schulleiter Marc Bücker und Jan Kappenberg, Abteilungsleiter Kraftfahrzeuge am Hans-Sachs-Berufskolleg, haben die Mercedes S-Klasse beim Autohaus Köster abgeholt. „Es es wichtig, dass wir hier einen lokalen Händler haben, der uns unterstützt“, sagt der Schulleiter. Die Daimler AG hat den Neuwagen – Wert: etwa 140 000 Euro – gesponsort, das Autohaus Köster hat die Transportkosten übernommen.

Aber warum ein so teures Auto? „Der Wagen hat über 200 Steuergeräte“, erklärt Jan Kappenberg. Motor, Licht, Assistenzsysteme. Bei so vielen Ausstattungsvarianten können die Lehrer besonders viele Fehler einbauen, die die Schüler dann im Unterricht oder in Prüfungen finden und beheben müssen.

Ausbildung hat sich stark gewandelt

Die Ausbildung der Kfz-Mechatroniker hat sich stark gewandelt: „Weg vom Schraubenschlüssel, hin zum Messgerät“, erklärt Marc Bücker. „Es ist einfacher ein Auto zu bekommen, als jemanden, der das unterrichten kann.“ So kompliziert sei die Technik inzwischen geworden. Für einfache mechanische Aufgaben hat das Hans-Sachs-Berufskolleg übrigens günstigere und ältere Autos.

Bevor die Schüler allerdings mit dem neuen Auto arbeiten können, müssen Jan Kappenberg und seine Kollegen noch einige Arbeit hinein stecken. „Es ist sehr aufwendig, das Auto zu manipulieren“, erklärt der Lehrer. Etwa 100 Stunden wird er benötigen, um die Fehler einzubauen und die Aufgabenstellungen dafür zu formulieren. „Das darf nicht zu offensichtlich sein, die Schüler sollen zielgerichtet arbeiten“, sagt Jan Kappenberg. Die Massagesitze könnte er beispielsweise manipulieren oder die Abstandsregelung.

Auffahrunfall zu Schulungszwecken

Marc Bücker hatte am Montag die Ehre, den Neuwagen vom Autohaus zum Berufskolleg zu fahren. Fünf bis sechs Jahre werden die Schüler am Hans-Sachs-Berufskolleg an der Mercedes S-Klasse herumschrauben. Dann wird das Auto verschrottet – zu Schulungszwecken, versteht sich.

„Wir simulieren einen Auffahrunfall“, erklärt Schulleiter Marc Bücker. Was passiert, wenn ich mit 50 km/h oder mehr irgendwo gegen fahre?“, das sollen die Schüler aus nächster Entfernung mit ansehen. Das Ganze wird gefilmt und die Aufnahmen dann später im Unterricht verwendet. Erst letztens ereilte das letzte Schulungsauto, einen BMW, dieses Schicksal. Das macht Autohaus-Geschäftsführer Klaus-Peter Köster schon etwas traurig: „Wenn man sieht, dass man so etwas verschrotten muss...“

>>>>>>>> 250 Kfz-Azubis lernen am Berufskolleg

Die Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker dauert 3,5 Jahre. Am Hans-Sachs-Berufskolleg werden acht Klassen (zwei pro Jahrgang) mit jeweils etwa 32 Schülern unterrichtet. „Das sind eigentlich zu viele pro Klasse. Aber es fehlen Räume und Lehrer“, beklagt Jan Kappenberg. An den Autos arbeiten die Schüler aber in kleineren Gruppen. „Das müssen wir so organisieren, dass jeder mal drankommt.“

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