Gewerkschaft

Oberhausener IG Metall-Jubilare sorgen sich um Thyssen

Aufmerksam folgten die Jubilare im „Albert’s“ den Reden von Oberbürgermeister Daniel Schranz und Jörg Schlüter, 1. Bevollmächtigter der IG Metall in Oberhausen.

Foto: Kerstin Bögeholz

Aufmerksam folgten die Jubilare im „Albert’s“ den Reden von Oberbürgermeister Daniel Schranz und Jörg Schlüter, 1. Bevollmächtigter der IG Metall in Oberhausen. Foto: Kerstin Bögeholz

Oberhausen.   Die IG Metall ehrte langjährige Oberhausener Mitglieder. Neben Rückblicken bewegt auch Aktuelles wie die Thyssen-Krupp-Fusionierung die Gemüter.

Die meisten Gäste dieser IG Metall-Veranstaltung haben ihre aktive Zeit im Berufsleben längst hinter sich. Schließlich ist das hier eine Jubilarfeier und die 45 anwesenden Männer sind mit ihren Frauen, Kindern oder Enkeln ins Restaurant „Albert’s“ an der Düppelstraße gekommen, um sich für 60- oder sogar 70-jährige Mitgliedschaft ehren zu lassen. Spricht man sie jedoch auf aktuelle Ereignisse wie die geplante Fusion der Stahlbranche von Thyssen-Krupp mit der indischen Firma Tata an, dann lodern auch bei den Senioren die Zornesflammen.

„Man ist immer noch dabei“, sagt Friedhelm Richter kurz bevor die Reden beginnen. 75 Jahre alt ist der gelernte Elektriker, von 1960 bis 1995 war auch er ein Mitarbeiter bei Thyssen-Krupp. Damals Betriebsrat, ist er heute im Vorstand der Seniorengruppe. „Es ist erschreckend, wenn wieder 2000 Stellen abgebaut werden“, sagt er. Seine zweite große Sorge: dass die Montan-Mitbestimmung ausgehebelt wird, wenn der Sitz der neuen fusionierten Stahl-Sparte wie geplant in die Niederlande verlegt werden sollte.

Friedhelm Richter meint ein 1951 verabschiedetes Gesetz, welches Arbeitnehmern ein großes Maß an Mitbestimmung ermöglicht durch ihre paritätische Beteiligung an Aufsichtsräten. Erstritten wurde es von Gewerkschaften, auch dem Vorläufer der IG Metall. Die Ausweitung auf die gesamte Wirtschaft scheiterte damals, doch in Bergbau-, Stahl- und Eisenindustrie kommt es zur Anwendung – in Deutschland. Weshalb auch Jürgen Grefermann hofft, dass der Firmensitz von Thyssen-Krupp Steel nicht verlegt wird. „Ohne Montanmitbestimmung hat man viel weniger Macht als Arbeitnehmer“, sagt der Rentner.

„Fusion“, sagt Günter Klein, „das ist, wenn aus zwei Büros eins gemacht wird.“ Der Arbeitsplatzabbau werde viel mehr die Verwaltung als die Produktion treffen, ist der Vorstand der Seniorengruppe überzeugt. „Das erinnert mich alles an das Krupp-Problem in Rheinhausen“, sinniert der 71-Jährige einstige Chemielaborant bei MAN. Die großen Arbeiter-Demos von damals, es könnte sie bald wieder geben, sagt er. Denn eins sei sicher: „Es wird den Kollegen nach der Fusionierung nicht besser gehen als vorher.“ Über die bevorstehenden Verhandlungen sagt der Gewerkschafter: „Krawall wollen wir nicht. Aber wenn die Kollegen der Meinung sind, wieder einmal eine Brücke sperren zu müssen...“ Dann wäre auch Günter Klein mit dabei, soviel steht fest.

Jörg Schlüter, 1. Bevollmächtigter in Oberhausen, der in seiner Rede die alten IG-Metaller bittet „Bringt euch ein!“, muss sich wohl keine Sorgen machen. „Eure Erfahrung, euer Rat und eure Unterstützung sind uns wichtig“, sagt er am Schluss seiner Rede. Zuvor fand er drastischere Worte: „Riesen-Sauerei“ nennt er das, was sich bei Thyssen-Krupp gerade abzeichnet. Und auch wenn Oberhausen nicht betroffen sei, mache er sich Sorgen um die kleinen Standorte in den Nachbarstädten. Für die Region sei der Arbeitsplatzabbau „Teufelswerk“.

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