Rückkehr zu G9

Oberhausener Gymnasien brauchen mehr Platz für Schüler

Das Sophie-Scholl-Gymnasium braucht zehn zusätzliche Klassenräume und eine neue Verwaltung.

Das Sophie-Scholl-Gymnasium braucht zehn zusätzliche Klassenräume und eine neue Verwaltung.

Foto: Morris Willner

Schon lange warten die Gymnasien auf zusätzliche Klassenräume. Die Rückkehr zu G9 wird den Platzmangel noch verschärfen, befürchten die Schulen.

518 Millionen Euro will das Land an die Kommunen verteilen, um die Gymnasien baulich fit zu machen für die Rückkehr zum G9-Abitur. Wie viel Oberhausen in neue Räume und Umbauten an den fünf Gymnasien investieren muss, ermittelt die Schulverwaltung derzeit. Mitarbeiter des Schulamtes haben sich mit den Schulbauleitlinien in der Hand die Gymnasien angesehen, diese haben ihre Bedarfe angemeldet.

Die Informationen werden nun ausgewertet, erklärt Schulamtsleiterin Ute Jordan-Ecker. Von Seiten der Bezirksregierung oder des Schulministeriums gebe es aktuell keine offiziellen Angaben zum Förderprogramm „Bau- und Ausstattungskosten bei der Umstellung zu G9“. In einer ersten Schätzung im April 2018 hatte die Schulverwaltung die notwendigen Baukosten für zusätzliche Räume auf rund sechs Millionen Euro taxiert.

„Schule wird heute anders gelebt“

Aus Sicht der Gymnasien drängt die Zeit, ist die räumliche Situation schon heute schwierig bis untragbar. „Es gibt ein Raumproblem an den Gymnasien, das durch die Rückkehr zu G9 noch verschärft wird“, sagt Sascha Reuen, Leiter des Bertha-von-Suttner-Gymnasiums. „Bei einer Fünfzügigkeit ergibt sich rein rechnerisch der Bedarf von fünf zusätzlichen Klassenräumen plus Differenzierungsräumen“, erklärt Holger Schmenk, Leiter des Sophie-Scholl-Gymnasiums. Man könne eben nicht einfach die Situation vor der Einführung von G8 wieder herstellen. Nach dem Motto: Wenn vorher neun Jahrgänge in die Schulen gepasst haben, muss der Platz doch jetzt auch reichen.

„Schule wird heute anders gelebt als noch vor zehn oder zwanzig Jahren“, sagt Alice Bienk, Leiterin des Elsa-Brändström-Gymnasiums und Sprecherin der Oberhausener Gymnasien. Das betrifft zum Beispiel den Aspekt Ganztag, ein Angebot, das Eltern aufgrund ihrer Berufstätigkeit zunehmend nachfragten. „Dafür muss die Schule als Lebensraum gestaltet werden“, sagt Bienk. Für das Ganztagsangebot, das am „Elsa“ in der G8-Zeit eingeführt wurde, mussten Räume zur Verfügung gestellt werden, „die kann ich nicht einfach in Klassenräume zurückverwandeln“.

Raum ist der dritte Pädagoge

Dass Schule heute anders gelebt wird, betrifft auch die Aspekte Lernmethoden, Digitalisierung oder Schulprofile wie Bläserklassen oder Mint-Schwerpunkte (Mathe, Informatik, Naturwissenschaft, Technik). „Dafür brauchen wir Raum“, sagt Sascha Reuen und erzählt, dass ein Referendar an seiner Schule bei einer Unterrichtsprobe auf moderne Gruppenarbeit und Methoden verzichtet habe, weil in dem kleinen Klassenraum mit rund 30 Schülern das einfach nicht möglich gewesen wäre.

„Individuelle Förderung ist das Schlüsselwort“, sagt Sasche Reuen, „wir müssen eine Lernumgebung schaffen, um der heterogenen Schülerschaft gerecht zu werden.“ Schließlich heißt es im Vorwort der 2018 verabschiedeten Schulbauleitlinien der Stadt Oberhausen: „Der Raum ist der dritte Pädagoge.“ Die Oberhausener Gymnasialleiter appellieren an die Verantwortlichen im Stadtrat, das umzusetzen.

Vorerst kein Anbau für das Bertha

Der Frust bei den Schulgemeinden sitzt auch deshalb so tief, weil das Raumproblem an den Oberhausener Gymnasien „ein historisches ist“ (Reuen). Zum Beispiel am Bertha-von-Suttner-Gymnasium, wo die Enttäuschung riesig war, als sich 2017 der Stadtrat mehrheitlich dazu entschloss, den so dringend benötigten Anbau zurückzustellen und erst einmal nicht in die vom Landesprogramm „Gute Schule 2020“ finanzierten Maßnahmen aufzunehmen.

Die Schulverwaltung hatte vorgeschlagen, für 3,5 Millionen Euro neue Klassenräume für das Gymnasium im Bismarckviertel zu schaffen, die Politik stellte das Vorhaben zurück. Dabei war schon damals klar, dass der Schule mindestens zehn Klassenräume fehlen und die für die Unterstufe zu klein sind. Durch einen notwendigen Umzug der Verwaltung und des Lehrerzimmers vom fünften Stock ins Erdgeschoss 2009 fielen weitere Räume weg.

Auch das Sophie-Scholl-Gymnasium wartet seit Jahren auf An- und Umbauten, zusätzliche Klassen- und Differenzierungsräume. Zudem ist das Lehrerzimmer mit rund 45 Sitzplätzen für über 90 Lehrer vollkommen überfüllt. „Die Verwaltung muss dringend umgebaut werden und entspricht in keiner Weise den aktuellen Anforderungen“, erklärt Holger Schmenk. Dadurch ergebe sich insgesamt ein Gesamtbedarf von rund zehn zusätzlichen Klassenräumen. „Es hat konstruktive Gespräche mit dem Schulträger gegeben, eine Umsetzung ist bislang nicht erfolgt.“

>>> Vollständiges Angebot erst 2026/27

Das Belastungsausgleichgesetz G9 der Landesregierung soll im August in Kraft treten.

„Das vollständige, erweiterte Angebot an Schulräumen muss erst zu Beginn des Schuljahres 2026/27 zur Verfügung stehen, wenn der erste neue G9-Jahrgang in die Jahrgangsstufe 13 kommt“, heißt es auf der Seite des NRW-Landtagspräsidenten.

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