Schmerzvoller Sparkurs

Oberhausener Christen bedauern geplantes Aus vieler Kirchen

Schmerzlicher Einschnitt auch an der Kempkenstraße: Am 7. April wurde die evangelische Kirche als Gottesdienststätte verabschiedet.

Schmerzlicher Einschnitt auch an der Kempkenstraße: Am 7. April wurde die evangelische Kirche als Gottesdienststätte verabschiedet.

Foto: Kerstin Bögeholz

Oberhausen.   In ihrem Ostergrußwort beklagen die obersten Kirchenvertreter in Oberhausen die Folgen des Sparkurses – doch sie sehen keine Alternative dazu.

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Mit Blick auf die Zerstörungen der Pariser Kathedrale Notre-Dame durch das verheerende Feuer widmen sich die beiden obersten Oberhausener Kirchenvertreter in ihrem traditionellen Ostergrußwort der Bedeutung von Kirchengebäuden für gläubige Menschen.

Gotteshäuser beider christlicher Konfessionen werden in den nächsten Jahren im Ruhrgebiet entwidmet und zum Teil dem Erdboden gleich gemacht. Auch in Oberhausen sieht man zur Aufgabe von teuren Immobilien keine Alternative – wegen der sinkenden Zahl an Christen und des künftig drohenden massiven Geldmangels im Ruhrbistum und in evangelischen Kirchengemeinden. „Unser Glaube hängt an einer Person, nicht an einem Gebäude. Und dennoch tut es weh“, schreiben Superintendent Joachim Deterding und Stadtdechant Peter Fabritz.

„Der Schock sitzt tief“

Hier ihr Grußwort im Wortlaut:

„Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, unsere Gedanken gehen an diesem Osterfest nach Paris – noch sind die Bilder von dem verheerenden Brand in der Kathedrale Notre-Dame frisch, sitzt der Schock tief.

Eine Welle der Hilfsbereitschaft geht seitdem durch Europa; viele Menschen sind bereit, zum Wiederaufbau dieses großartigen Kirchengebäudes beizutragen.

Da, wo Hoffnung in die Welt kommt, da geschieht Ostern. Und da, wo Ostern geschieht, kommt Hoffnung in die Welt.

Sicher, vereinzelt sind auch die Stimmen zu hören, die diese Hilfsbereitschaft kritisieren – oft mit dem Hinweis darauf, dass die vielen Spenden besser für Menschen gesammelt worden wären.

Die, die jetzt Geld geben, tun es von Herzen für eine gute Sache. Gute Sachen aber lassen sich nicht gegenseitig aufrechnen. Es ist gut, Menschen in Not zu helfen. Und es ist gut, wenn Menschen bereit sind, von ihrem Wohlstand etwas abzugeben für ein gemeinsames Projekt – und die Kathedrale Notre-Dame ist ein gemeinsames Projekt, dient sie doch nicht nur seit Jahrhunderten als Gotteshaus, sondern auch als Symbol für die Einheit unseres Nachbarlandes. Gerade die Spenden aus Deutschland sind auch ein Stück Versöhnungs- und Friedensarbeit angesichts unserer oft so kriegerischen Geschichte.

Was sind uns Kirchen wert? Wir als Christinnen und Christen sind bereit, uns von Gebäuden zu trennen – und müssen das ja auch immer wieder tun. Unser Glaube hängt an einer Person, nicht an einem Gebäude. Und dennoch tut es weh. Vielleicht weil es sich wie ein Zeichen anfühlt: weniger Kirchenmitglieder bedeutet weniger Kirchen, bedeutet einen Schrumpfungsprozess, der schmerzt.

Ganz sicher aber tut es auch weh, weil mit jedem Kirchengebäude und jedem Gemeindezentrum ja ein Stück Heimat aufgegeben wird. Wenn sich dann engagierte Menschen finden, die bereit sind, für den Erhalt eines solchen Gebäudes Zeit und Kraft und auch Geld einzusetzen, dann ist das ein ähnliches Hoffnungszeichen wie die Spendenbereitschaft angesichts des Brandes in Paris.

Unsere Kirchen, unsere Gemeinden und übrigens auch unsere Gesellschaft lebt von diesen vielen oft namenlosen Menschen, die bereit sind, etwas zu tun. Davon gibt es in Oberhausen viele. Gott sei Dank.

Christ ist erstanden, er ist wahrhaftig auferstanden! Mit diesem alten hoffnungsvollen Osterruf grüßen wir Sie zum Osterfest 2019. Christ ist erstanden – Gott, der das Leben für uns will, hat den Tod besiegt. Es ist Hoffnung in der Welt.“

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