Protest

Oberhausener Busfahrer schwer verärgert über Stoag-Chef

Vertreter des Stoag-Betriebsrates und der Gewerkschaft Verdi übergaben Oberbürgermeister Daniel Schranz (links vorne) ein symbolisches Protest-Plakat.

Vertreter des Stoag-Betriebsrates und der Gewerkschaft Verdi übergaben Oberbürgermeister Daniel Schranz (links vorne) ein symbolisches Protest-Plakat.

Foto: Kerstin Bögeholz / FUNKE FotoServices

Oberhausen.  Oberhausener Busfahrer klagen über eine hohe Arbeitsbelastung und mangelnde Wertschätzung durch ihren Chef. Nun soll es ein Krisengespräch geben.

Seit Jahren beklagen Busfahrer des Oberhausener Verkehrsbetriebes Stoag die in ihren Augen schlechten Arbeitsbedingungen: Lange Schichten, extreme Arbeitsbelastung, unfaire Pausenregel, mangelnde Wertschätzung durch die Geschäftsführung um den Vorsitzenden Werner Overkamp. In einem offenen Brief des Betriebsrates ist sogar von Angst die Rede – vor möglichen Repressalien, sollten sich die Mitglieder zu laut beschweren. Nun sollen die Missstände auf den Tisch kommen; noch vor der Kommunalwahl am 13. September wollen sich alle Beteiligten zu einem Krisengespräch treffen – mit Unterstützung eines Moderators.

Darauf haben sich Betriebsrat, Verdi und Ratsfraktionen am Dienstag mit Oberbürgermeister Daniel Schranz verständigt. Im Rathaus hatten die Stoag-Mitarbeiter dem Stadtoberhaupt ein symbolisches Protest-Plakat übergeben und ihre Vorwürfe gegen Stoag-Geschäftsführer Werner Overkamp bekräftigt.

Zu wenig Zeit für Fahrzeugkontrolle

An konkreten Beispielen legten sie dar, warum sie sich schlecht behandelt fühlen. Da sind etwa die Schichtdienst- und Pausenregeln. Danach hat ein Busfahrer zwischen Dienstbeginn und Fahrtantritt sechs Minuten zur Vorbereitung: In dieser Zeit muss er nach Darstellung des Betriebsrates die Fahrerkarte für den Tag abholen, Aushänge lesen, Umleitungen studieren und das Fahrzeug auf Schäden prüfen.

„Wie soll man das schaffen?“, fragte Verdi-Gewerkschaftssekretär Rainer Sauer am Dienstag im Rathaus. Früher habe diese Vorbereitungszeit einmal acht Minuten betragen. Nach einer Beschwerde über die zu knappe Zeit habe die Stoag die Vorbereitung dann sogar noch einmal um zwei Minuten verkürzt.

Zudem hätten die Fahrer „Pausen“, die ihren Namen nicht verdienten. Denn auf Touren werden die Wendezeiten, also die Zeit zwischen Ankunft an der Endstation und der Abfahrt, als unbezahlte Pause mit einer Länge von jeweils elf Minuten angerechnet. So kommen bei den Routen und Schichten 45 Minuten zusammen, die der Fahrer zudem im Bus verbringen muss. „Das ist nicht akzeptabel“, meinte CDU-Ratsherr Werner Nakot dazu. „Man benötigt doch auch mal eine zusammenhängende Pause, um wenigstens ein Butterbrot essen zu können.“

SPD fordert Kommunikation auf Augenhöhe

SPD-Fraktionsvize Kirsten Oberste-Kleinbeck mahnte dringend zu einer „Kommunikation auf Augenhöhe“, die bislang offenbar nicht stattgefunden habe. So berichteten Verdi und Stoag-Betriebsrat von einer Belegschaftsversammlung, zu der 200 Mitarbeiter gekommen waren, um die Probleme im Betrieb anzusprechen.

Auch Werner Overkamp sei zunächst anwesend gewesen, „hat den Mitarbeitern dann aber einfach den Rücken zugekehrt und die Versammlung verlassen“, berichtete Rainer Sauer. Dies belege die grundlegende Haltung des Geschäftsführers seinen Mitarbeitern gegenüber: „Wertschätzung sieht anders aus.“

Wehren konnte sich Werner Overkamp am Dienstag nicht, der Stoag-Geschäftsführer ist im Urlaub, seine Sprecherin war telefonisch zunächst nicht zu erreichen. Auch deshalb soll es auf Vorschlag von Daniel Schranz nun einen weiteren Termin geben. „Wir müssen jetzt einen Diskurs starten.“

Das Ziel hat der Oberbürgermeister auch gesteckt: Die Stoag müsse es schaffen, trotz knapper finanzieller Mittel die strengen Vorgaben mindestens genau so gut umzusetzen wie andere Verkehrsbetriebe der Region, die ihren Mitarbeitern beispielsweise Wegegeld zahlen und keine 45-minütige „Zwangspause“ aufbrummen.

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