Insolvenzverfahren

Oberhausener Babcock darf erst einmal weiter produzieren

Anfang des Jahres 2019 schien die Welt wieder in Ordnung zu sein: Ein deutsch-vietnamesisches Konsortium übernahm das Babcock-Fertigungszentrum. Klaus Teichmüller und Betriebsleiter Andreas Kraft (von links) stehen an einem Ventilgehäuse in den Werkshallen an der Duisburger Straße.

Anfang des Jahres 2019 schien die Welt wieder in Ordnung zu sein: Ein deutsch-vietnamesisches Konsortium übernahm das Babcock-Fertigungszentrum. Klaus Teichmüller und Betriebsleiter Andreas Kraft (von links) stehen an einem Ventilgehäuse in den Werkshallen an der Duisburger Straße.

Foto: Gerd Wallhorn / FUNKE Foto Services

Oberhausen.  Der Duisburger Insolvenzverwalter konnte am Dienstagmittag den Babcock-Beschäftigten zumindest eine gute Kunde unterbreiten: Es geht weiter.

In dem finanziell angeschlagenen Liricher Industrieunternehmen „Babcock Production Solutions AG“ hat nun der Insolvenzverwalter das Ruder übernommen.

Auf der Betriebsversammlung am Dienstagmittag konnte der Duisburger Insolvenzfachmann Dirk Hammes der Belegschaft in ihrer düsteren Lage nach dem überraschenden Insolvenzantrag allerdings Erfreuliches berichten: Die Geschäfte des Maschinenbau-Unternehmens mit 85 Beschäftigten laufen erst einmal unvermindert weiter. Damit ist die Existenz des Unternehmens, das zuvor jahrelang als „Babcock Fertigungszentrum GmbH“ firmierte, mindestens bis Ende 2019 gesichert. Die Auftragslage soll mit 80 Prozent der Auslastung sehr gut sein.

„Hier geht es weiter wie bisher“

In drei Werkshallen mitten im neu getauften „Quartier 231“ an der Duisburger Straße, dem ehemaligen Babcock-Gelände in Lirich, erstellen die erfahrenen Oberhausener Maschinen- und Apparatebauer im Auftrag der Industrie Konstruktionen von bis zu 50 Tonnen – ob Dampfkessel oder Kohlemühle. Der Insolvenzverwalter rief nach Darstellung der Gewerkschaft gerade auch die Kundenbetreuer auf, ihren Kunden deutlich zu machen: „Hier geht es weiter wie bisher.“

Nach Angaben der IG Metall erhalten die Mitarbeiter nun Insolvenzgeld aus den Kassen der Bundesarbeitsagentur nach geltendem Tarifvertrag. Die bereits beschlossenen und vereinbarten erheblichen Lohnkürzungen aus dem Standortsicherungsvertrag (kein Urlaubs-/Weihnachtsgeld, keine Lohnerhöhung) mit den deutsch-vietnamesischen Eigentümern von „Babcock Production Solutions“ sind Geschichte: Der Vertrag wird gekündigt.

Alles hängt vom Insolvenzverwalter ab

Wie es weiter geht, hängt nach Auffassung der IG Metall vom Geschick des Insolvenzverwalters ab. „Es kommt darauf an, wie mutig er voranschreitet und gegebenenfalls für die weitere Produktion auch einen Massekredit aufnimmt“, sagt IG-Metall-Betriebsbetreuer Kai Lamparter. Während der Versammlung habe er den erst seit Mai amtierenden Vorstand Dario Skoro aufgefordert, künftig den Betriebsrat und die Belegschaft engmaschig zu informieren. Bisher sei das nicht der Fall gewesen. So habe der Betriebsrat wenig von den Vorgängen und Schwierigkeiten im Unternehmen erfahren.

Übernahme des Babcock Fertigungszentrum

Ende vergangenen Jahres hatte eine deutsch-vietnamesische Investorengruppe die insolvente Babcock Fertigungszentrum GmbH übernommen und dann in „Babcock Production Solutions AG“ umbenannt. Hauptinvestor Manh Bui hat nach Darstellung der Gewerkschaft offenbar kurzfristig die weitere Finanzierung des Unternehmens eingestellt. Bui war vor Skoro Vorstand der „Babcock Production Solutions AG“ und ist jetzt noch offiziell Mitglied des Aufsichtsrates. Solche einschneidenden Personalwechsel habe die Belegschaft allerdings hauptsächlich nur aus Änderungen in der E-Mail-Signatur erfahren, heißt es.

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