Arzneimittel

Oberhausener Apotheker mischen mehr Cannabismittel selbst

Eine Apothekerin bei der Herstellung einer Hautsalbe. Hunderttausende Salben und Kapseln werden von den Apotheken selbst hergestellt.

Eine Apothekerin bei der Herstellung einer Hautsalbe. Hunderttausende Salben und Kapseln werden von den Apotheken selbst hergestellt.

Foto: STEFAN AREND / FUNKE Foto Services

Oberhausen.  Arzneien werden vor Ort in Apotheken in Oberhausen gar nicht so selten selbst fabriziert. Zunehmend müssen Apotheker Cannabis-Arzneien anrühren.

Jeder kennt industriell produzierte Marken-Arzneimittel. Fü̈r eine ausreichende Medizinversorgung notwendig sind aber nach wie vor Pillen, Salben und Tropfen, die die Apotheker selbst anrühren – sogenannte Rezepturarzneimittel. „Sie sind in vielen Fällen lebenswichtig – zum Beispiel, wenn ein Kind ein Medikament in einer Dosierung benötig̈t, die es nicht als industriell hergestelltes Arzneimittel gibt“, sag̈t Ulf Brenne, Pressesprecher der Oberhausener Apotheker.

Auch in Königshardt gehöre diese Arbeit für Apotheker zum Alltagsgeschäft, meint der langjährige Königshardter Apotheker Klaus Beck: „Wir verwenden dazu manchmal auch industriell hergestellte Arzneimittel als Ausgangsprodukt. Das wird dann auf die verschriebene Stärke reduziert.“

Gerade in den vergangenen Jahren müssen Apotheker in einem für sie recht neuen Gebiet zur Eigenherstellung greifen: „In letzter Zeit werden Cannabis-Rezepturen verstärkt angefordert.“ Die Grundsubstanz werde bestellt, dann aber individuell an den einzelnen Patienten angepasst. Cannabis-Arzneien werden eingesetzt, um chronische Schmerzen zu lindern, Übelkeit nach Chemotherapien zu bekämpfen oder epileptischen Anfällen vorzubeugen.

Arzneimittelherstellung ist Bestandteil der Apotheker-Ausbildung

Wie man Arzneimittel fabriziert, das lernen Azubis immer noch in ihrer Ausbildung zum Apotheker und zur Pharmazeutisch-Technischen Assistentin. „Dazu gehört auch die Prüfung aller Grundsubstanzen, die uns geliefert werden“, erklärt Beck. Vor allem bei aufwändigeren Rezepturen gelte das Vier-Augen-Prinzip, um eine sichere Produktion der Arzneien zu gewährleisten: „Außerdem sind unsere Waagen an den Computer angeschlossen. Jede Rezeptur wird dokumentiert.“

Selbst zu mischende Arzneimittel werden früher wie heute vielfach von Hautärzten angefordert, auch Hals-Nasen-Ohren-Ärzte verschreiben solche Medizin – zum Beispiel als Nasensalben. Auf Rezepturarzneimittel kann man nach Ansicht der Oberhausener Apothekër auch in Zukunft nicht verzichten. „Zeitnah auf den einzelnen Patienten individuell abgestimmte Salben, Kapseln, Zäpfchen oder Säfte anfertigen – das geht nur in der Apotheke vor Ort“, wirbt Brenne. „Der Prozess ist sehr aufwändig, zeitintensiv und bedarf hoher Sachkenntnis. Leider wird der hohe Zeitaufwand nicht angemessen honoriërt.“ Die Rezepturherstellung gehöre für die wohnortnahen Apotheken zu den so genannten „Gemeinwohlpflichten“ wie ebenso der Nacht- und Notdiensẗ.

In NRW wurden im Jahr 2018 insgesamt 1,6 Millionen Arzneimittel in Apotheken selbst hergestellt, davon in nordrheinischen Apotheken 900.000.

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