Verkehrschaos

Stau nervt Centro-Anwohner: Selbst der Pizzabote kapituliert

Die Straßen rund ums Centro sind regelmäßig voll. Das Bild zeigt die Kreuzung Osterfelder./Ripshorster Straße.

Foto: Dahlke

Die Straßen rund ums Centro sind regelmäßig voll. Das Bild zeigt die Kreuzung Osterfelder./Ripshorster Straße. Foto: Dahlke

Oberhausen.   Auch außerhalb der Weihnachtszeit geht auf den Straßen in der Neuen Mitte oft nichts mehr. Nun hat die Stadt ein Verkehrsgutachten angekündigt.

Heike Hansen ist sauer. „Gerade mal halb elf ist es und schon geht es los!“, schimpft sie und schüttelt den Kopf. Schon früh reiht sich an diesem Montag, einem Brückentag, vor ihrem Zuhause in der Riwetho-Siedlung ein Auto an das nächste. Stau auf der Ripshorster Straße, Stau auf der Osterfelder Straße, Stau eigentlich überall rund um das Centro, das ist inzwischen fast schon der Normalzustand in Oberhausens Neuer Mitte. „Wir können eigentlich kaum noch das Haus verlassen“, ärgert sich Heike Hansen, die Bezirksvertreterin der Linken in Alt-Oberhausen ist, hier aber ausdrücklich privat und als Anwohnerin der Ripshorster Straße zu Wort kommen möchte.

Ein Blick aus Hansens Wohnzimmerfenster genügt, um zu verstehen, worüber sie sich so ärgert. Schon jetzt hat sich ein deutlicher Rückstau von der Osterfelder auf die Ripshorster Straße gebildet, am Nachmittag dürfte er wohl etwa bis zum Haus Ripshorst reichen, befürchtet auch Hansens Nachbar Peter Lichterfeld, der an der Werkstraße wohnt. „Im Berufsverkehr oder zur Weihnachtszeit ist es natürlich besonders schlimm“, sagt er. „Aber eigentlich geht das hier den ganzen Tag so.“

Auch der Bus steht im Stau

Heike Hansen nickt. „Wenn wir nach Osterfeld wollen, dann brauchen wir an vielen Tagen über eine halbe Stunde“, klagt sie. Auf den Bus auszuweichen ist für sie leider nicht immer eine Alternative, auch wenn sie sich eine Stärkung des ÖPNV in der Neuen Mitte ausdrücklich wünscht und aus eigener Überzeugung so oft es geht zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs ist. „Aber meine Tochter sitzt im Rollstuhl“, sagt Heike Hansen, „Da sind wir häufig einfach auf das Auto angewiesen.“ Und Peter Lichterfeld fügt hinzu: „Außerdem steht ja der Bus genauso im Stau.“

Unzählige Anekdoten könnten die beiden noch erzählen, von Besuchern, die zu spät kommen oder solchen, die den letzten Kilometer zu Fuß gehen, weil sie anders einfach nicht durchkommen. Ganz alltägliche Dinge werden durch den Stau in der Neuen Mitte für die Anwohner der Ripshorster Straße zum Problem: „Wir können uns noch nicht mal mehr eine Pizza nach Hause bestellen“, sagt Heike Hansen und man möchte lachen, so absurd klingt das. Aber Hansen meint es ernst. „Wissen Sie, was der Pizzabote sagt, wenn er unsere Adresse hört? Ripshorster Straße, dahin kommen wir nicht! Bis wir da sind, ist Ihre Pizza kalt.“

Feinstaubwerte an der Osterfelder Straße

Auch Andrea Rupprath, die wie Peter Lichterfeld an der Werkstraße wohnt, nimmt die Verkehrssituation rund um ihr Zuhause als große Einschränkung wahr. „Man muss für jeden Weg unheimlich viel Zeit einplanen“, klagt auch sie und sorgt sich zudem um die Luftqualität in der Neuen Mitte: „Mich würden mal die Feinstaubwerte auf der Kreuzung Osterfelder Straße/ Ripshorster Straße interessieren.“

Es sind übrigens nicht nur die vielen privaten Autos der Besucher von Arena, Centro und den anderen umliegenden Freizeitangeboten, die den Stau in der Neuen Mitte verursachen. Die neuen Unternehmensansiedlungen am Brammenring haben laut Hansen und Lichterfeld schon jetzt verstärkten Lieferverkehr durch Lkw zur Folge. „Was uns so ärgert“, erklärt Heike Hansen, „ist, dass die Stadt immer weiteren Unternehmensansiedlungen auf dem ehemaligen Stahlwerksgelände zugestimmt hat, obwohl die untragbare Verkehrssituation in der Neuen Mitte ja seit Jahren bekannt ist.“

Auf eine Lösung für ihr Stauproblem hofft Heike Hansen dagegen seit Jahren vergeblich, während die Autoschlange vor ihrem Wohnzimmerfenster mit jeder Neueröffnung am Brammenring ein wenig länger wird.

>>> Stadt plant Verkehrsgutachten

Das Stauproblem am Centro ist auch bei der Stadt hinreichend bekannt. Seit Jahren schon arbeiten Stadt und Centro-Management gemeinsam daran, die Verkehrsführung so effektiv wie möglich zu gestalten. An verschiedenen Stellen wurde die Verkehrsführung geändert, das Parkhaus P3 wurde bereits mit einem neuen Parkleitsystem ausgestattet und immer wieder setzt das Centro auch eigene Verkehrshelfer ein. Zudem werben sowohl Centro als auch die Stadt Oberhausen immer wieder für die Anreise mit dem ÖPNV. Eine Verbesserung der Situation scheinen Bemühungen wie diese bislang allerdings nicht zur Folge zu haben.

Hinzu kommt, dass das Verkehrsaufkommen in der Neuen Mitte mit den neuen Unternehmensansiedlungen auf dem ehemaligen Stahlwerksgelände in Zukunft wohl noch wachsen dürfte. Gerade hat hier der Möbeldiscounter Poco seine erste Oberhausener Filiale eröffnet, im Oktober 2016 öffnete Engelbert Strauss, ein Anbieter für Sport- und Arbeitskleidung. 2018 soll die lange umstrittene Decathlon-Filiale folgen, auf der anderen Seite des Centro, an der Alten Walz, will McFit einen riesigen Fitness-Tempel schaffen. Alles Unternehmen, deren Kunden wohl meist mit dem Auto anreisen werden, 450 Parkplätze für die Kundschaft plant allein Decathlon.

Im Zuge der Vorstellung des Decathlon-Bebauungsplans hat die Stadt nun immerhin ein Gutachten zur Verkehrssituation in der Neuen Mitte angekündigt. Unklar ist, ob hier auch konkrete Vorschläge enthalten sein werden, wie sich der Verkehr in Oberhausens Neuer Mitte besser steuern ließe.

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