Angelsport

Oberhausener angelt lieber Zander als im Stau zu stehen

Auch bei Kälte kann geangelt werden. Die freie Natur, hier an der Ruhr, hat es David Konietzny angetan.

Foto: Alexandra Roth

Auch bei Kälte kann geangelt werden. Die freie Natur, hier an der Ruhr, hat es David Konietzny angetan. Foto: Alexandra Roth

Oberhausen.   David Konietzny ist Angler aus Leidenschaft. Wer die Natur schützen will, der habe nur eine Wahl: ab in den nächsten Angelverein.

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„Wir Angler sind Naturschützer“, sagt David Konietzny und schaut dabei auf die andere Uferseite. Ein Schwarm Kanadagänse ist gerade auf Futtersuche in den Ruhrauen. Über seinem Kopf fliegt ein Kormoran. Solche Tage liebe er, denn: „Das ist ein Anblick, den man nie vergisst.“ Dass dieser Anblick überhaupt möglich ist und bleibt, „dafür bedarf es vor allem der Vereinsarbeit“, sagt er.

Ein kalter spätherbstlicher Tag am ruhigen Ruhrarm in Styrum hat gerade erst begonnen. Die Sonne hat die Wolken zwar beiseite geschoben, dennoch sind es nur knapp vier Grad über Null. Raureif liegt auf dem blassen Grün. Konietzny trägt dazu die farblich passenden Gummistiefel. Marke: Dunlop. Die braucht er auch, auf dem Trampelpfad direkt am Ruhrufer ist es ganz schön rutschig. Naturschutzgebiet, nebenan der Schifffahrtskanal des Flusses.

Nur Vereine haben eine öffentliche Stimme

Seine zwei Angeln und den Kescher hält er fest in der rechten Hand. Konietzny ist Mitte 30 und Mitglied im Sportanglerverein Oberhausen-Lirich (SAV). Seine Vorsitzende Eva Rohmann bezeichnet ihn liebevoll als „positiv Verrückten“. Seit vier Jahren ist Konietzny im Verein, „dabei war das Vereinsleben nie meins“. Von Kindesbeinen an angelt er, immer allein. „Ich dachte mir, im Verein geht es nur ums Trophäenfischen.“ Eines Abends beim Nachtangeln trifft er auf einen anderen Angler, der ist Mitglied im SAV. Die beiden kommen ins Gespräch, am nächsten Morgen ist er überzeugt. „Von da an wurde mir erst so richtig klar: Nur Angelvereine haben eine öffentliche Stimme – einzelne Angler finden einfach kein Gehör.“

Das Motto des SAV ist simpel: „Schutz durch Nutzen“. Der Verein spricht mit der Stadt oder dem Land, falls irgendetwas nicht stimmt, etwa zu viel Müll herumliegt oder die Ufer ausgebessert werden sollten. Was das konkret heißt, könne jeder im Ergebnis sehen. Bei der Aktion „Saubere Ruhr“ sei der Verein schon lange dabei, „letztes Jahr haben wir einen ganzen Laster voll Müll gesammelt.“ Orte wie die Wiesen an der Raffelbergbrücke in Styrum seien ideal zum Fischen. „Das Parken ist top, es sind nur ein paar Schritte zum Wasser, und wenn man hier morgens ankommt, sieht man Füchse, Wiesel oder Reiher. Wo gibt es das sonst im Ruhrgebiet?“

Der Winter macht Fische lethargisch

Der Winter indes sorgt bei den Fischen eher für lethargisches Verhalten: Fische sind wechselwarm, im Sommer aktiv, im Winter eher passiv. „Deswegen wäre es bei dem Kälteeinbruch schon eine Kunst, etwas zu fangen.“ Generell gibt es allerdings keine Zeit, in der nicht geangelt werden kann. „Das Wichtigste für einen Angler ist, mit offenen Augen durch die Welt zu gehen.“ Zum Schutz vor Räubern etwa hielten sich viele Fische gern im Schatten auf. „Das sind oft nur Kleinigkeiten, die aber alle das Angeln so spannend machen.“

Angeln unter der Autobahnbrücke

Sein Hobby sei der richtige Ausgleich für ihn: Konietzny ist Angestellter im öffentlichen Dienst in Duisburg. Büro statt Fluss. Wenn er von der Arbeit nach Hause fährt, macht er im Stau auch mal einen Zwischenstopp am Rhein-Herne-Kanal. „Dann rufe ich meine Frau an und frage, ob das in Ordnung ist. Die findet es besser, ich bringe einen Zander mit, als dass ich im Auto sitze und total gestresst nach Hause komme.“ Oft wirft er seine Angel dann direkt unter der Autobahnbrücke aus. Stichwort: Schatten. Das sei zwar kein guter Ort für den Angler, „weil es sehr laut ist, aber die Fische stört das nicht“.

Den Vorwurf von Tierschützern, das Angeln Tierquälerei sei, kann auch er nicht entkräften, weil „Fische nun mal nicht schreien“. Grundsätzlich hält er das Angeln allerdings für die „ehrlichere Art“, im Gegensatz zum Industrie-Fischfang. „Ich wurde mal von einer Dame darauf angesprochen, dass ich doch kein Lebewesen einfach töten darf.“ Die gleiche Frau habe er später an der Fischtheke im Laden wiedergetroffen. „Mein Fisch wird sofort getötet und gegessen. Der Fisch in der Kühltheke im Supermarkt wird präsentiert und am Ende vielleicht weggeschmissen.“

Deshalb messe er seinen Erfolg eben nicht in Kilo oder Zentimetern. „Wenn ich mit dem gleichen Köder und derselben Angel am gleichen Ort bei den gleichen Bedingungen wieder etwas am Haken habe – das ist für mich Erfolg!“

Das müssen Angler in Oberhausen wissen

Angel kaufen, Wurm kaufen und ab ans Wasser: So einfach ist das Fischen in Oberhausen und Umgebung nicht. Wer seine Angel auswerfen möchte, muss einige Dinge beachten. Denn: Ohne einen gültigen Fischereischein darf niemand angeln. Doch vor dem Schein steht die Prüfung, erst Theorie, dann Praxis – ganz so wie beim Führerschein. Mit dem bestandenen Prüfungszeugnis kann der stolze Jung-Angler dann zum Technischen Rathaus und seinen Fischereischein beantragen. Dabei hat er die Wahl: entweder für ein oder gleich fünf Jahre eine gültige Lizenz zu kaufen.

„Das wichtigste Dokument eines Anglers ist sein Prüfungszeugnis“, betont Eva Rohmann, Vorsitzende des Sportanglervereins Oberhausen-Lirich (SAV). „Das behält ein Leben lang Gültigkeit.“ Der Fischereischein allein berechtigt aber nicht direkt zum Angeln: Der Gewässerschein ist ebenso Pflicht, denn damit bezahlt jeder Angler seine Gebühr fürs Fischen. Wird man ohne diese Papiere am Wasser angetroffen, ist ein Bußgeld fällig. Ordnungsamt, Polizei oder vom Verband ausgebildete Angler kontrollieren regelmäßig, wer sich an den bekannten Stellen aufhält.

Vereinsmitglieder haben beim Fischen Vorteile: Sie sparen bei Jahreskarten und können dauerhaft an Ruhr oder Rhein-Herne-Kanal ihre Angelroute auswerfen. Zudem ist jeder Angler über seinen Verein versichert. Wer das Vereinsleben scheut, muss sich stets ein Tagesticket für sieben Euro kaufen.

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