Oberbürgermeister-Wahlkampf

Oberhausen: Wie die Kandidaten die Stichwahl gewinnen wollen

Die Wahlplakate sind aktualisiert: Am 27. September 2020 findet zwischen 8 und 18 Uhr die Stichwahl zum künftigen Oberhausener Oberbürgermeister statt: Amtsinhaber Daniel Schranz (CDU) und Thorsten Berg (SPD) stehen zur Wahl.

Die Wahlplakate sind aktualisiert: Am 27. September 2020 findet zwischen 8 und 18 Uhr die Stichwahl zum künftigen Oberhausener Oberbürgermeister statt: Amtsinhaber Daniel Schranz (CDU) und Thorsten Berg (SPD) stehen zur Wahl.

Foto: Michael Dahlke / FUNKE Foto Services

Oberhausen.  Bei der letzten Wahl sind die Würfel noch nicht gefallen: Am 27. September entscheidet sich erst, wer Oberbürgermeister von Oberhausen wird.

Nach der Wahl ist vor der Wahl: Die beiden Kandidaten für das Amt des Oberhausener Oberbürgermeisters, Amtsinhaber Daniel Schranz (CDU) und SPD-Herausforderer Thorsten Berg, haben mit ihren Teams nach dem Wahlsonntag einmal kurz durchgepustet – und sind seit Tagen wieder mit ihren Teams auf Wahlkampftour quer durch Oberhausen. Denn beide müssen in die entscheidende Stichwahl am 27. September 2020 der bestplatzierten OB-Kandidaten.

Sie hatten es am 13. September nicht geschafft, die notwendige absolute Mehrheitsgrenze, die Hürde von 50 Prozent, zu überspringen. Schranz erreichte nach fünf Jahren Arbeit als Stadtoberhaupt 45,5 Prozent, Thorsten Berg 29,7 Prozent. 30.150 Wähler entschieden sich zwar für den Christdemokraten, er konnte also deutlich mehr Wähler gewinnen als seine eigene Partei bei der Ratswahl (21.472) und rund die Hälfte mehr Stimmen als Berg (19.699) ergattern – doch das Rennen ist längst nicht gelaufen. Jede Wahl muss für sich gewonnen werden, keiner kann irgendeine Stimme in die Stichwahl mitnehmen.

Wer kann die meisten Wähler zur Stichwahl mobilisieren?

So unterschiedlich die beiden Konkurrenten Schranz und Berg auch auftreten, eine Einschätzung teilen beide: Bei der Stichwahl kommt es entscheidend darauf an, wie sehr es gelingt, seine eigenen Wähler erneut zu mobilisieren und wieder zu motivieren, an der Briefwahl, Sofortwahl oder dem Urnengang am Sonntag teilzunehmen. In diesen Zeiten der Info-Überflutung und der Abkehr eines Teils der Bürgerschaft vom allgemeinen Stadtgeschehen, ist sich Schranz noch nicht einmal sicher, ob alle wahlberechtigten Oberhausener überhaupt wissen, dass eine Stichwahl ansteht.

Berg hat mit dem Einzug in die Stichwahl als unbekannter politischer Neuling bereits einen Achtungserfolg und sein erstes Wahlziel erreicht, muss aber nun unglaublich aufholen, um am Ende tatsächlich Oberbürgermeister zu werden. „Es kommt jetzt auf jede Stimme an. Wir sind hochmotiviert, denn derzeit steht es wieder 0 zu 0 – und die Mehrheiten in den Wahlbezirken sind für die Ratskandidaten oft sehr knapp ausgefallen, da ging es um eine Handvoll Stimmen.“

Berg befürchtet allerdings eine äußerst niedrige Wahlbeteiligung. „Die langen Schlangen vor den Wahllokalen haben nicht gerade ermuntert, nun wieder zur Wahl zu gehen. Das hätte man besser lösen müssen.“ Bei der letzten Oberhausener OB-Wahl im September 2015 lag die Wahlbeteiligung bei 36,7 Prozent.

Neue Videos für die sozialen Medien

Und so drehen Berg und Schranz wieder ihre Runden an den Wahlständen in den Stadtbezirks-Innenstädten, hängen neue oder mehr Wahlplakate von sich oder von ihren Fans auf, fabrizieren kleine Videos mit Statements für Facebook&Co. und klingeln an so mancher Tür der Oberhausener. Was einige Wahlkämpfer eher fürchten, begeistert Daniel Schranz regelrecht: „Ich habe da nur gute Erfahrungen gemacht, die meisten sagten, das ist ja nett, dass Sie hier mal vorbeischauen.“ 100.000 Mal wird auch noch die CDU-Werbung „Klartext“ gedruckt und in jeden Briefkasten gesteckt – mit den schönsten Bildern von Schranz.

Die CDU sei jedenfalls auf die Stichwahl vorbereitet. „Die CDU-Wahlkampfmaschinerie hat ja gut funktioniert, das läuft jetzt weiter – wir haben eine Stichwahl bei so vielen Kandidaten einkalkuliert.“ Schranz setzt seine „Erfolgstour“ fort, besucht das „ANA-Hotel“ im alten Kaufhof-Gebäude, den Revierpark Vonderort oder stellt die Pläne für ein Gründerzentrum im Osterfelder Gartendom vor. „Wir haben ja eine extrem gute Ausgangslage, aber wenn man glaubt, die Wahl wäre schon gelaufen und man würde sich zurücklehnen, dann könnte es ein böses Erwachen geben.“

Gibt es ein böses Erwachen für Daniel Schranz?

SPD-Politiker Berg will genau dieses böse Erwachen bei Schranz auslösen – und im verlängerten Wahlkampf immer wieder auf die Probleme Oberhausens und seine Lösungsvorschläge hinweisen. „Ich bleibe an meinen Themen dran, alles andere wäre ja nicht glaubwürdig. Wir brauchen eine bessere Wirtschaftsförderung, wir müssen um jeden Arbeitsplatz kämpfen, wir benötigen digitalisierte Schulen und eine digitalisierte Stadtverwaltung.“

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