Thema Stadtklima

Steinwüste an der Arbeitsagentur ist jetzt grün eingerahmt

Die Schotterflächen an der Agentur für Arbeit an der Mülheimer Straße sind jetzt mit kleinen Nadelbäumchen eingefriedet. Vom fahrenden Auto aus ist der Schotter dadurch kaum noch zu erkennen.

Die Schotterflächen an der Agentur für Arbeit an der Mülheimer Straße sind jetzt mit kleinen Nadelbäumchen eingefriedet. Vom fahrenden Auto aus ist der Schotter dadurch kaum noch zu erkennen.

Foto: Christoph Wojtyczka

Stadtmitte.  Kleine Nadelbäume frieden die umstrittenen Schotterflächen an der Agentur für Arbeit in Oberhausen ein. Naturschützer bleiben bei ihrer Kritik.

Sie sind zum Sinnbild für eine wenig umweltbewusste Gestaltung von Außenanlagen an Gebäuden geworden, die Schotterflächen rund um das Gebäude der Agentur für Arbeit an der Mülheimer Straße. Auf Nachfrage betont die Pressestelle der Agentur in Essen, man stelle sich gern im Frühjahr der Diskussion, wenn die dort gesetzten Pflanzen auch blühen würden.

Schon im Sommer, als Stadtverordnete Andrea-Cora Walther (Bürgerliste) darauf aufmerksam machte, hatte die Behörde mit dem Hinweis reagiert, die Flächen würde noch begrünt. Das sollte im Oktober abgeschlossen sein. Die Behörde möchte den Pflanzplan aber nicht öffentlich machen.

Grüne wollen Steingärten verbieten

Geschotterte Gärten vor allem von Wohngebäuden stehen zur Zeit in vielen Städten im Ruhrgebiet in der Kritik. Es geht darum, dass sie Insekten und damit Vögeln den Lebensraum nehmen und auch noch Hitze speichern, statt die Verdunstung zu fördern. In Oberhausen haben die Grünen für Anfang des Jahres einen Vorstoß im Rat der Stadt angekündigt.

Die Redaktion bat Susann Findorff vom Verein Naturgarten e.V. um eine Bewertung. An der Mülheimer Straße ist der Schotter neuerdings durch kleine Nadelbäume umgeben. Vom fahrenden Auto aus fällt er kaum noch auf. Dahinter wachsen vereinzelte Grasbüschel.

Eiben in Form schneiden

„Die Umrandung scheint aus Eiben zu bestehen, eine heimische immergrüne Heckenpflanze“, schreibt Findorff. Wahrscheinlich würden sie später in Form geschnitten und dadurch sehr dicht wachsen. Das diene hauptsächlich dazu, den Schotter nicht auf den Fußweg gelangen zu lassen.

„Für Insekten und andere Tiere bietet die Fläche nach wie vor nicht viel Attraktives, da jegliche Blühpflanzen fehlen, die Nektar und Pollen bieten“, fährt die Naturkundlerin fort. Bei den vereinzelten Büschen, die zur Zeit kein Laub tragen, könnte es sich um die Felsenbirne handeln. Sie könnten im Frühjahr Blüten und im Sommer einige Beeren bieten.

„Das Positivste an den Flächen sind die großen Bäume, die Schatten bieten, die Luft befeuchten und Sauerstoff spenden“, sagt Susann Findorff. Sie waren aber bereits vorhanden. Auch würden die Eiben, Gräser und Sträucher Etliches an Feinstaub filtern und auch Feuchtigkeit verdunsten. „Ob das die negativen Folgen des dunklen Schotters für das Stadtklima, Aufheizung am Tag und Wärmeabgabe in der Nacht, ausgleicht, wage ich zu bezweifeln.“

Laubbläser und Herbizide

Nach Einschätzung der Naturgärtnerin stellen sie künftig das größte Problem bei der Pflege dar. Die Agentur für Arbeit hatte die Anlage mit niedrigen Pflegekosten begründet. „Die Bäume werden aber im Herbst viel Laub verlieren, das im Schotter nur mit Laubbläsern oder -saugern und dem damit verbundenen Lärm und der Abgasbelästigung beseitigt werden kann“, gibt Findorff zu bedenken.

Laubreste würden immer in den Zwischenräumen der Steine hängen bleiben und zur Humusbildung führen. „Auf die Dauer wird sich deshalb im Schotter ,Unkraut’ ansiedeln, das wiederum nur schwer entfernt werden kann. Im Schotter könne man ja nicht einfach mit der Harke arbeiten. Meistens werde dann noch ein Herbizid verwendet, das die unerwünschten Pflanzen abtötet.

>>> Kann die Stadt Vorgaben machen?

Die Landesbauordnung gibt den Städten die Möglichkeit, per Satzung Gestaltungsvorgaben auch für Außenanlagen von Gebäuden zu machen. Solche Festsetzungen können auch in Bebauungsplänen getroffen werden. Die meisten Flächen liegen aber in Gebieten, für die keine Bebauungspläne existieren.

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