Rück- und Ausblick

Pfarrer Vinzent Graw blickt auf die „Baustelle Innenstadt“

Herz Jesu-Pfarrer Vinzent Graw vor der Jobcenter-Baustelle am Altmarkt. Im Hintergrund ist die eingerüstete Kirche zu sehen. 

Foto: Christoph Wojtyczka

Herz Jesu-Pfarrer Vinzent Graw vor der Jobcenter-Baustelle am Altmarkt. Im Hintergrund ist die eingerüstete Kirche zu sehen.  Foto: Christoph Wojtyczka

Alt-Oberhausen.   Der 37-Jährige ist seit Juli Pfarrer an Herz Jesu. In 2018 werde sich viel tun, ist er überzeugt – in der City wie in seiner Pfarrei.

Im Hintergrund rangieren mehrere Laster mit Transportbeton. Es herrscht Betriebsamkeit rund um die stattliche Jobcenter-Baugrube schräg gegenüber der Herz Jesu-Kirche. Auch das Gotteshaus ist derzeit teilweise eingerüstet. Weil Schäden am Turm zutage getreten sind, die dringend behoben werden müssen, laufen dort Sanierungsarbeiten.

Dabei kommen immer wieder neue Schwachstellen zum Vorschein, so dass wohl nicht vor Ostern mit der Fertigstellung zu rechnen ist. Vinzent Graw, seit 2. Juli Pfarrer der Innenstadtpfarrei Herz Jesu, hat die Baustelle Innenstadt täglich im Blick: „Ich kenn’ das hier gar nicht anders“, sagt er.

Die jahrelang vor sich hingammelnde Markthalle hat der gebürtige Bochumer nicht mehr kennengelernt, ist aber froh, dass an dieser Stelle etwas Neues entsteht: „Denn nichts ist so schädlich für eine Innenstadt wie eine Schrottimmobile an zentraler Stelle.“ Zusammen mit dem „Neu-Alt-Oberhausener“ werfen wir zum Jahreswechsel einen Blick auf die „Baustellen“ in seiner direkten Umgebung.

Hohe Fluktuation, geringe Kaufkraft

„Ich bin noch weit davon entfernt, ein Spezialist für Alt-Oberhausen zu sein. Ich lerne die Gemeinden und die Menschen erst nach und nach kennen. Man braucht dafür bestimmt ein Jahr“, sagt der 37-Jährige. Dass die untere Marktstraße und ihr Umfeld als „schwierige Wohngegend“ mit hoher Fluktuation und geringer Kaufkraft gelten, hat er aber natürlich längst erfahren: „Aber es kommt ja immer drauf an, was man unter schwierig versteht“, meint er.

Vom neuen Jobcenter am Altmarkt verspricht sich der Geistliche eine Belebung: „Das wird auf jeden Fall ein Gewinn sein. Es ist gut, wenn eine Innenstadt belebt ist. Auch, wenn viele, die dort ein- und ausgehen, keine große Kaufkraft in die City bringen: Das Jobcenter bringt schließlich auch Beschäftigte mit sich, die ihre Mittagspause in der Stadt verbringen und ihre Einkäufe erledigen. Das macht schon was aus.“

Menschen aus sechs Nationen kamen zusammen

Auch mit Blick auf die Gemeinde Herz Jesu empfindet er das multikulturelle Umfeld und das bunte Gemisch der Nationen nicht als übermäßig problematisch: „Es sind viele ausländische Christen aus Polen, Asien und Afrika darunter, die unsere Gottesdienste bereichern. Sie bringen häufig eine große Glaubenstiefe mit, die wir als großen Schatz begreifen können.“ Er habe deshalb in der Gemeinde eine Art „Ausländerbeirat“ ins Leben gerufen, um die Christen mit ausländischen Wurzeln stärker zu aktivieren und die gesamte Gemeinde davon profitieren zu lassen.

„Ich hab mal sonntags in der Messe zu einem zwanglosen Treff eingeladen. Beim ersten Mal kamen Menschen aus sechs verschiedenen Nationen“, berichtet er von ersten Überlegungen, im nächsten Jahr auch mal einen internationalen Gottesdienst zu feiern. „Das Ganze steckt noch sehr in den Kinderschuhen, könnte aber erfolgversprechend sein. Es wäre schön, wenn ausländische Christen nicht nur den Gottesdienst, sondern auch das Gemeindeleben mit neuen Impulsen bereichern würden.“

Spezielles Pfarr-Angebot in der City

In der neuerlichen Spar- und Strukturdebatte im Bistum ist auch immer wieder die Rede davon, für die Innenstadt-Kirche Herz Jesu müsse ein „City-Pastoral“-Konzept entwickelt werden: „Das kann natürlich alles und gar nichts bedeuten“, sagt Graw. „Aber es stimmt schon: Hier in der City wird ein anderes Angebot gebraucht als in gewachsenen Gemeinden. Die Menschen kommen und gehen, wollen vielleicht nur mal eine Kerze anzünden oder ein kurzes Gebet sprechen. Eine offene Kirche haben wir in Herz Jesu schon. Aber wir werden in 2018 einen Arbeitskreis ins Leben rufen, um das noch weiter zu entwickeln. Denkbar wäre, im hinteren Bereich der Kirche einen kleinen Rückzugsraum zu schaffen. Einen Raum, in dem sich die jeweilige Kirchenaufsicht als Ansprechpartner anbietet, wo vielleicht Devotionalien oder Karten angeboten werden können.“

Armut in der Innenstadt ist eine Herausforderung

Alles in allem werde 2018 ein Jahr neuer Weichenstellungen: „Neben dem Projekt City-Pastoral haben wir noch viel auf der Agenda. Das Gelände um die St. Peter-Kirchen in Alstaden muss gemeinsam mit einem Investor entwickelt werden, dasselbe gilt für das Kolping-Haus in der Innenstadt. Und wir planen auch ein diakonisch-karitatives Projekt“, zählt der neue Pfarrer von Herz Jesu auf und erklärt: „Es gibt viel Armut in der Innenstadt. Das ist für uns als Kirche eine große Herausforderung.

Vielfach sind es die Pfarrcaritas-Gruppen, die sich darum kümmern, aber die sind inzwischen meist überaltert. Rein ehrenamtlich ist das nicht mehr zu stemmen. Wir brauchen da professionelle Unterstützung. Über den Innovationsfonds des Bistums können wir vielleicht eine Stelle für einen Sozialarbeiter schaffen. Noch sind das nur erste Überlegungen – aber 2018 werden wir weiter daran arbeiten.“

Pfarrei wird Immobilien aufgeben müssen

Die Großpfarrei Herz Jesu umfasst die Gemeinden Herz Jesu, St. Antonius in Alstaden mit der Filialkirche St. Peter sowie die Styrumer Gemeinde St. Joseph.

Aktuell ist in Herz Jesu im Rahmen des Pfarrentwicklungsprozesses Vieles in Bewegung geraten. Der Zwang, Kirchensteuermittel einsparen zu müssen, führt unter anderem dazu, dass Immobilien aufgegeben werden müssen.

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