Workshop

Oberhausener Schüler werden zu „Zweitzeugen“ der Shoah

Spannende Spurensuche: Emily Morawa und Noel Brakaj beim jüngsten Workshop des Vereins Heimatsucher e.V. am Elsa-Brändström-Gymnasium.

Spannende Spurensuche: Emily Morawa und Noel Brakaj beim jüngsten Workshop des Vereins Heimatsucher e.V. am Elsa-Brändström-Gymnasium.

Foto: Elsa-Brändström-Gymnasium

Oberhausen.   Einen spannenden und zugleich bewegenden Workshop erlebten Schüler des Elsa-Brändström-Gymnasiums. Möglich machte das der Verein Heimatsucher.

Heimatsucher e.V. – dieser Verein ist in Bünde (Westfalen) ansässig – arbeitet mit großem ehrenamtlichen Engagement an vielen Orten und ermutigt Schülerinnen und Schüler ab der 4. Klasse, sich mit der Shoah und den Überlebensgeschichten jüdischer Menschen auseinanderzusetzen.

Die Schülervertretung der Jahrgänge 10 und 11 am Elsa-Bränd­ström-Gymnasium nutzte jetzt den jüngsten internationalen Tag gegen Rassismus, um an einem besonderen Workshop des Vereins Heimatsucher e.V, teilzunehmen.

Die Historikerin Vanessa Eisenhardt engagiert sich für Heimatsucher e.V. und kam eigens an das „Elsa“, um diesen Workshop zu begleiten. Ab 10 Uhr trafen sich die Stufensprecherinnen und Stufensprecher im C-Gebäude und lernten dort die Geschichtswissenschaftlerin kennen, die mit zwei weiteren Helfern aus den Reihen des Vereins das Workshop-Programm leitete.

Geschichte von zwei Überlebenden

„Es fing damit an, dass wir unseren typischen Tagesablauf auf einer Tafel notiert haben“, erklärt das „Elsa“-Team in einer aktuellen Mitteilung. Im Anschluss wurden die Gesetze gegen jüdische Menschen, die das NS-Regime in den 1930er Jahren in Kraft setzte, vorgestellt.

Die Machtergreifung der NSDAP und ihre Folgen wurden persönlich spürbar. Es ging darum, die Auswirkungen der Verfolgung auf den individuellen Tagesablauf der Menschen darzustellen. So wurde im Tagesplan jeder Punkt gestrichen, der laut dieser NS-Gesetze nicht mehr erlaubt gewesen wäre. Fazit der Schüler: „Am Ende blieben außer ,Schlafen’ kaum noch Punkte auf der Tafel stehen.“

Nach einer kurzen Pause stellte Vanessa Eisenhardt dann die Lebensgeschichte von zwei Überlebenden des Holocaust vor. Noel Brakaj aus der Q1 berichtet: „Die vielen Menschen, über die wir zuvor in Geschichtsbüchern gelesen hatten, bekamen so ein Gesicht.“

Einstündige Arbeitsphase

In einer einstündigen Arbeitsphase hatten die Schüler anschließend die Aufgabe, die Lebensgeschichte von Erna de Vries im Detail aufzuarbeiten, die im Jahr 1923 in Kaiserslautern geboren wurde und das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau überlebte.

Mit Hilfe eines detailreich gestalteten Informationsheftes mit der Lebensgeschichte von Erna de Vries, dazu passenden Fragen und Erklärungen sowie zahlreichen Fotos und Illustrationen, konnten die Schülerinnen und Schüler in kurzer Zeit so viel über das Leben von Erna de Vries erfahren, dass sie ihre Geschichte nun als sogenannte „Zweitzeuginnen und -zeugen“ weitertragen können.

Der Verein zitiert dazu den Holocaust-Überlebenden und weltbekannten Publizisten Elie Wiesel (1928 bis 2016): „Jeder, der heute einem Zeugen zuhört, wird selbst zum Zeugen werden.“

>>> Verein überreicht Briefe auch an die Nachfahren

Als besonderes Highlight des Workshops hatten die Schüler die Möglichkeit, einen persönlichen Brief an einen der drei Überlebenden zu verfassen. Diese Briefe werden von Heimatsucher e.V. persönlich an die Überlebenden oder ihre Nachfahren übergeben.

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