SCHUL-AKTION

Junge Trommler bauen ihre Instrumente selbst

Die Schülerinnen und Schüler erhielten auch ein offizielles Zertifikat, das ihre erfolgreiche Teilnahme am Trommelworkshop belegt.

Die Schülerinnen und Schüler erhielten auch ein offizielles Zertifikat, das ihre erfolgreiche Teilnahme am Trommelworkshop belegt.

Foto: Gerd Wallhorn

OBERHAUSEN.  An der Wunderschule in Lirich ging es jetzt um Rhythmus und Handwerkskunst – beim Trommelworkshop hatten die jungen Teilnehmer viel Spaß.

Wenn Flori, Miran und ihre Mitschüler im Gleichklang auf ihren Cajonitos (spanisch Holzkistchen) loslegen, braucht es keinen Verstärker mehr, der Trommelrhythmus ist durchdringend. Dabei haben sie bis jetzt ja nur probehalber mal getrommelt. In ihrer Projektgruppe an der Wunderschule stand bisher das Bauen der Cajonitos im Vordergrund. Ab sofort bilden die 14 Mädchen und Jungen der Gruppe das Cajonito-Orchester der Schule, es wird für einen musikalischen Auftritt zum Ende des Schuljahres eifrig geprobt.

Mit Teilnahme-Zertifikat

An diesem Tag aber legen die zwölf Kinder, die gekommen sind, im Werkraum letzte Hand an ihre Rhythmusinstrumente. Außerdem bekommen sie das Teilnahme-Zertifikat an dem von der Berliner „Ich-kann-was“-Initiative geförderten Projekt.

Der Trommelkorpus ist noch nicht bei allen Instrumenten gut genug geölt. „Das Leinöl schützt vor Schmutz und gibt dem Holz eine Oberfläche“, sagt Ingo Stanelle (43). Der Instrumentenbauer und Musiker aus Duisburg leitet das Projekt.

Eine Box mit der Öldose und Zubehör wird auf den Tisch gestellt. Stanelle öffnet die Dose vorsichtig. Die Kinder ziehen Einmalhandschuhe an und nehmen kleine Schwämmchen in die Hand.

Handwerkliche Tipps

„Nehmt weniger Öl als beim ersten Mal. Und mit der Maserung streichen, nicht dagegen. Der gute Schreiner beginnt an den Kanten und dann an der Fläche“, belehrt sie Stanelle.

Dann macht er es ihnen vor. Die Kinder sind konzentriert bei der Sache. Die Korpusteile hatte Stanelle in seiner Werkstatt vorbereitet. Aber die Schalllöcher haben die Kinder selbst angelegt. „Wir mussten erst das Muster aufzeichnen, bevor wir es ausgesägt haben“, berichtet die Drittklässlerin Jackie. „Wir haben es zum Trocknen nach dem Leimen festgespannt“, erzählt Aaron (9) vom Zusammenbau des Holzkörpers.

Mit perfektem Klang

Alexander hat zuviel Öl aufgetragen und muss es jetzt auf die Seiten seiner Cajonito verteilen. Dann ist er es, der die Tischauflage forträumt, während Miran die Ölschalen mit einem Lappen auswischt.

Zwei technische Feinheiten sind es, die die kleine Schwester der großen Cajon, auf die man sich sogar setzen kann, hochwertig machen: Ein ausgesuchtes Edelholzfurnier auf der Schlagseite gibt ihnen nicht nur ein professionelles Aussehen. Innen drin verleiht eine Schnarrmechanik den Instrumenten auch den perfekten Klang. Mit solchen Instrumenten haben schwarzafrikanische Sklaven in Amerika ihre Musikalität ausgelebt, nachdem ihre Sklavenhalter ihnen die Felltrommel verboten hatten.

Teil der Ganztagsbetreuung

Etwas mit den eigenen Händen zu entwickeln und dabei mit Werkzeugen zu arbeiten, das sei heute besonders wichtig, betonen Ingo Stanelle und Benedikt Jochheim, der Pädagogische Leiter des Offenen Ganztags an der Wunderschule. Denn das Trommelprojekt fand nicht während des normalen Un­terrichts statt, sondern in der Ganztagsbetreuung.

Ab sofort wird damit gemeinsam musiziert. Auch das ist pädagogisch wertvoll. „Es geht darum, sich als Teil eines Ganzen zu empfinden“, sagt Ingo Stanelle. Außerdem werde so ein Gespür für musikalischen Gleichklang entwickelt, und natürlich würden auch Konzentration und Ausdauer gefördert. Rektorin Sabine Mentgen jedenfalls ist zufrieden mit dem Projekt, schaut kurz vorbei – und trommelt sogar auch einmal mit.

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