WEIHNACHTSAKTION

Bescherung mit Cheeseburger, Currywurst und Pommes

Eine Aktion mit viel Herz: Restaurant-Chef Stefan Schulze freute sich mit Ehefrau Sandra und Mitarbeiterin Alena über den großen Zuspruch.

Eine Aktion mit viel Herz: Restaurant-Chef Stefan Schulze freute sich mit Ehefrau Sandra und Mitarbeiterin Alena über den großen Zuspruch.

Foto: Frank Oppitz

Oberhausen.   „Devils Burger“ an der Mülheimer Straße startete eine Aktion, die das Herz wärmt – und den Magen füllt: ein Gratisessen für bedürftige Menschen.

Drangvolle Enge herrscht an diesem Samstagnachmittag vor Weihnachten im Schnellrestaurant Devils Burger an der Mülheimer Straße. 55 Sitzplätze hat das Bistro. Aber gegen 16 Uhr sind rund 80 Menschen erschienen. Zum zweiten Mal nach 2016 hat Inhaber Stefan Schulze Bedürftige eingeladen, um sie kostenlos zu bewirten.

Das siebenköpfige Team hat alle Hände voll zu tun, um die Gäste zu bedienen. Drei Speisen stehen zur Auswahl: Currywurst mit Pommes, Cheeseburger oder Putenschnitzel mit Pommes, dazu freie Getränke. Wer drinnen zunächst keinen Platz gefunden hat, muss sich draußen eine halbe Stunde gedulden. Eine Mitarbeiterin der Oberhausener Tafel regelt den Einlass.

„Meine Frau und ich, wir hatten 2016 die Idee dazu“, erzählt der 43-jährige nebenamtliche Gastronom. Im Hauptberuf ist Schulze Berufsfeuerwehrmann. An seinen freien Tagen widmet er sich seiner Gaststätte. „Uns selbst geht es gut. Da kann man mal teilen“, sagt der Rheinberger. Auch seine vier Angestellten machen ehrenamtlich mit.

Über die „Tafel“ und das Obdachlosen-Café wurde die Aktion bekanntgemacht, außerdem im Internet. Normale Gäste sind an diesem Tag nicht zugelassen. Um die Kosten der Aktion nicht allein tragen zu müssen, hat er seine Lieferanten gebeten, mitzumachen. Sie haben Fleisch, Wurst und Backwaren kostenlos beigesteuert.

Schon 2016 ein voller Erfolg

2016 war die Aktion bereits ein voller Erfolg. 200 Menschen machten damals davon Gebrauch. Mit einer solchen Anzahl haben die Schulzes auch diesmal gerechnet. Eine gleichmäßige Auslastung wäre ihnen recht. Aber das lässt sich nicht realisieren. „Viele Gäste glauben, sie würden nichts mehr bekommen, wenn sie später erscheinen“, sagt der Bistro-Betreiber. Gegen 17.30 Uhr verlassen eine Mutter mit zwei kleinen Kindern und ein älterer Herr als letzte Gäste das Lokal. Der Mann bedankt sich freundlich für die Einladung. Danach sind alle Tische frei. Die Mitarbeiter pausieren. Klaus Gillen, der normalerweise Bestellungen ausliefert, hat heute nicht viel zu tun. „Ich finde die Aktion klasse“, sagt er. Draußen setzt Regen ein.

Für 18 Uhr liegen dem Wirt 22 weitere Anmeldungen vor. „Bei dem Wetter geht niemand mehr vor die Tür“, befürchtet er schon überlegt, was er mit den überzähligen Gerichten macht. Ein Kinderheim stünde als dankbarer Abnehmer bereit.

Dann betreten doch noch zwei Gäste das Devils Burger, ein Mann und eine ältere Frau. Der Mann hilft der Frau, ihren Rollator über die Stufen herein zu heben. Die beiden nehmen im Restaurant Platz und machen sich miteinander bekannt. Christel (64) aus der Innenstadt und Michael (52) aus Styrum bestellen bei der Bedienung einen Burger.

Zwei Gäste erzählen ihre Geschichte

„Ich habe mich den ganzen Tag auf dieses Essen gefreut“, sagt Michael. Normalerweise nimmt er bei der Diakonie an der Grenzstraße ein preiswertes Mittagessen ein, wenn er nicht selbst kocht. Dort ist er auf die Aktion aufmerksam geworden.

„Das hier ist eine gute Sache“, sagt er. Dann erzählt er seine Geschichte. Michael ist Vater von drei erwachsenen Kindern. Vor 19 Jahren war er Leiter eines Jugendheims. Privat war er zu einer Hochzeit eingeladen. „Ich bin dort spazieren gegangen“, erinnert er sich. Dann sei er in einem Krankenhaus aufgewacht. Was in der Zwischenzeit geschah, weiß er nicht. „Ich muss von Jugendlichen zusammengeschlagen worden sein“, sagt er. Neun Monate habe er mit schwersten Kopfverletzungen im Krankenhaus gelegen. Er hat OP-Narben am Kopf, ist Epileptiker.

Offiziell war es ein „Unfall“. Die Täter wurden nie gefasst. Michael hat es aus der Bahn geworfen. Die Stelle als Jugendleiter verlor er. „Ich war nicht mehr der, der ich vorher war“, sagt er. Aus seinem Traum, seine Ausbildung als Maurer und die als Erzieher in die Leitung einer Behindertenwerkstatt einzubringen, wurde nichts. Stattdessen ist er nun schwerbehindert. Seine Hoffnung ist es, noch einmal eine Umschulung zu machen und eine neue Aufgabe zu bekommen.

Christel stammt aus der Ex-DDR, lebt seit 2000 im Westen. Sie ist Mutter von vier Kindern. 2003 erlitt sie einen Herzstillstand, musste zurück ins Leben geholt werden. Viele Fertigkeiten musste sie neu erlernen. Mittlerweile ist sie chronisch krank. Ihre Rente ist bescheiden. Lebensmittel bekommt sie bei der „Tafel“.

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