Baustelle

Bäume gefällt – Schächte in Alstaden müssen saniert werden

Baumstumpf vor dem eingezäunten Bereich des früheren Schachts 2 der Zeche Alstaden. Er soll neu mit Beton verfüllt und damit vor einem Einsturz gesichert werden.

Baumstumpf vor dem eingezäunten Bereich des früheren Schachts 2 der Zeche Alstaden. Er soll neu mit Beton verfüllt und damit vor einem Einsturz gesichert werden.

Foto: Gerd Wallhorn

Alstaden.  Im Park an der Behrensstraße kreiste schon im Februar die Kettensäge. Jetzt wissen auch die Bezirkspolitiker warum.

Größere Bauarbeiten im Park an der Behrensstraße warfen in der Bezirksvertretung Alt-Oberhausen ihre Schatten voraus. Dort müssen in den kommenden Wochen die beiden Schächte 2 und 3 der früheren Zeche Alstaden saniert werden. Und dafür wurden, ohne dass die Bezirksvertretung vorher eingeschaltet war, noch vor Beginn der Vogelschonzeit, also noch im Februar, 25 Bäume und Sträucher abgeholzt.

Bezirksbürgermeisterin Dorothee Radtke (SPD) und CDU-Bezirksvertreterin Renate Glombitza hatten es so entschieden und sich dabei auf einen sogenannten Dring­lichkeitsentscheid gestützt. Ihn darf die Bezirksbürgermeisterin in bestimmten Fällen zusammen mit einem weiteren Mitglied der Be­zirksvertretung an Stelle des Gremiums treffen. Er muss aber nachträglich von der Bezirksvertretung genehmigt werden.

Das stand jetzt zur Diskussion. Und weil auch die Baumkommission der Bezirksvertretung nicht mit der Sache befasst war, waren zwei Vertreter der Firma RAG Montan Immobilien GmbH eingeladen, um das Projekt zu erläutern. Zu den Fällarbeiten selbst und ihrer vermeintlichen Dringlichkeit konnten sie aber nicht viel sagen. Dafür stellten sie die nötigen Bauarbeiten selbst vor.

Ihrem Vortrag nach wäre in Zukunft zu befürchten, dass die beiden Schächte, die mit einer Betonplatte abgedeckt sind, einmal einstürzen könnten. Deshalb sollen beide Betonplatten aufgebrochen werden, das bisherige Füllmaterial ausgekoffert und die Schächte mit Beton neu verfüllt werden. Der Umfang der Arbeiten richtet sich dabei nach dem Ergebnis von Bohrungen, die Ende April/Anfang Mai durchgeführt werden sollen. Für die Arbeiten muss zu beiden Schächten eine Baustraße durch den Park angelegt werden. Baubeginn wäre demnach Mitte des Jahres. Die Bauzeit soll pro Schacht drei bis vier Monate dauern. Folglich würden sich die Arbeiten bis Frühjahr 2020 hinziehen.

„Da findet dann schon Lkw-Verkehr statt, vor allem am Schacht 2“, erklärte einer der beiden RAG-Mitarbeiter. Im Vorfeld hätten Betroffene, mit denen man offenbar über Gestattungsverträge verhandelt hat, Verständnis gezeigt. Lärm sei nur beim Abbruch der alten Abdeckungen zu erwarten, hieß es. Das finde aber zu normalen Tageszeiten statt und dauere drei Tage.

Baumkommission nicht gefragt

Auf die Baumfällungen habe man gedrängt, weil sie sonst erst außerhalb der Vogelschutzzeit, im Herbst wieder, hätten durchgeführt werden können. Die Arbeiten hätten bis dahin verschoben werden müssen. Die Schächte würden nicht mehr dem Stand der Technik entsprechen. Sie würden ein Risiko darstellen, war zu hören. „Von der RAG ist Dringlichkeit signalisiert worden“, erläuterte Umweltdezernentin Sabine Lauxen. „Die Schächte drohten einzustürzen. Da wollten wir nicht dran schuld sein“, begründete Renate Glombitza ihre Unterschrift.

25 Birken, Ahorne, Eschen, Weiden, Kirschen und Pappeln waren nach Angaben der Verwaltung betroffen, außerdem Sträucher wie Brombeere und Knöterich. Dafür soll Ersatz gepflanzt werden und immerhin das soll vorher mit der Baumkommission der Bezirksver­tretung abgestimmt werden.

Dieses inoffizielle Gremium bereist gewöhnlich vor solchen Entscheidungen die betroffenen Stellen und gibt der Bezirksvertretung dazu eine Empfehlung. Aber das fand diesmal nicht statt. „Wie war die Dringlichkeit begründet?“, wollte Andreas Blanke (Grüne) daher wissen. „Nach der Sanierungsbedürftigkeit der Schächte waren sie an der Reihe“, erwiderte ihm der Vertreter der RAG. „Wenn alles schon länger so geplant war, warum dann die plötzliche Dringlichkeit?“, hakte Marc Hoff (FDP) nach. Wozu habe man schließlich eine Baumkommission? „Bei unserer Bereisung hätten wir das alles bedacht“, ergänzte Blanke. Eine schlüssige Erklärung dafür gab es nicht. Allerdings folgten die Bezirksvertreter auch nicht dem Rat von Rechtsdezernent Frank Motschull, doch die nachträgliche Genehmigung einfach zu versagen. Folgen hätte das keine gehabt, weil die Fällungen längst stattgefunden haben.

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