Mülheimer Straße

Anwohner erkennen kaum Fortschritt bei Lärmbekämpfung

Ulrich Timm (li.) und Joachim Frensch vor dem Verbotsschild für Lkw an der Kreuzung mit der Danziger Straße. „Warum gilt das Lkw-Fahrverbot nicht auch nachts?“, fragen sie.

Ulrich Timm (li.) und Joachim Frensch vor dem Verbotsschild für Lkw an der Kreuzung mit der Danziger Straße. „Warum gilt das Lkw-Fahrverbot nicht auch nachts?“, fragen sie.

Foto: Kerstin Bögeholz

Stadtmitte.  Seit Anfang des Jahres ist die Belastung der Mülheimer Straße Dauerthema. Erst wegen drohender Fahrverbote kam Bewegung in die Sache.

Sie rissen Anfang dieses Jahres nicht ab, die Beschwerden von Anwohnern der Mülheimer Straße über die hohe Verkehrs- und Lärmbelastung dort. Und zwar unabhängig von der später ins Blickfeld geratenen Frage von gerichtlich verhängten Fahrverboten wegen einer zu hohen Stickoxid-Belastung durch Dieselmotoren. Joachim Frensch und Ulrich Timm gehörten damals zu denen, die sich meldeten. Ihr Eindruck ist heute: Erst unter dem Druck drohender Fahrverbote ist Bewegung in die Sache gekommen. Nur möglicherweise viel zu spät. Erst einmal habe die Stadtverwaltung sich auf stur gestellt.

Denn ihre Reaktion auf die ersten Beschwerden lautete Ende Februar, es gebe keinen akuten Handlungsbedarf. Vorschläge von Frensch und Timm, die schnell hätten umgesetzt werden können, wurden als unnötig abgetan. So hatten sie zusätzliche Tempo-50-Schilder gefordert, da bis GHH-Werksgasthaus Tempo 60 gestattet ist, um Autofahrer daran zu erinnern. Reaktion der Stadtverwaltung: Die Straße liege in geschlossener Ortschaft, dort gilt Tempo 50.

Dialog-Displays erinnern an Tempolimit

Sie hatten die freundlichen sogenannten Dialog-Displays auch hier gefordert, die Autofahrer an die Einhaltung dieses Limits erinnern. Reaktion der Verwaltung: Solche Geräte seien entweder nach dem Lärmaktionsplan fest vorgesehen oder nur dort, wo es sehr hohe Geschwindigkeitsüberschreitungen gebe oder an schützenswerten Einrichtungen. Die Mülheimer Straße sei nicht als solche Strecke bekannt. Tatsächlich weist die bereits Anfang 2017 beschlossene zweite Stufe des Lärmaktionsplans der Mülheimer Straße zwar absolute Priorität bei der Lärmbekämpfung zu.

Gleichzeitig beziehen sich jedoch nur zwei von 63 konkreten Einzelmaßnahmen im ganzen Stadtgebiet auf sie: Im südlichen Abschnitt ist langfristig ein lärmmindernder Fahrbahnbelag vorgesehen, ferner der Einsatz von leiseren Straßenbahnen, die aber erst zusammen mit der Nachbarstadt Mülheim angeschafft werden müssten. Die weitere Maßnahme ist ganz unkonkret und nennt sich „Veränderung des Modal Splits“. Damit ist die Änderung des Anteils der verschiedenen Verkehrsträger auf der Mülheimer Straße gemeint.

Im März/April Messungen gemacht

Dabei legte die Stadt im September den politischen Gremien die Ergebnisse von Geschwindigkeitsmessungen vor, nach denen im März/April durchaus bis zu 21 Prozent der Autofahrer zu schnell unterwegs waren. Eine Differenzierung, wie viele davon es in den besonders empfindlichen Nachtstunden sind, fehlte dabei. Aber die von der Polizei als kritisch festgelegte Grenze von 15 Prozent Au­tofah­rern, die mit 70 und mehr km/h unterwegs sind, erreicht die extrem stark befahrene Straße nicht.

Unter dem Druck der jetzt eingereichten Klage der Deutschen Umwelthilfe auf Verhängung von Fahrverboten setzte die Stadt im Juni den Masterplan „Saubere Luft“ in Gang. Über 20 konkrete Maßnahmen wurden erarbeitet. Seitdem wird geprüft, ob und wie sie umgesetzt werden könnten. Auch die Mülheimer Straße würde davon profitieren, wenn die Wegweisung verbessert, der gesamte Verkehr auf wichtigen Straßen elektronisch erfasst und wenn daraufhin flexibel Tempolimits oder Lkw-Fahrverbote verhängt werden könnten.

Stadt prüft Blitzer-Standorte

Die Bandbreite der Projekte zur Änderung des „Modal Split“ reicht dabei von beschleunigten Vorrangschaltungen für Busse an Ampeln über die Nachrüstung von Dieselpartikelfiltern bei Stoag-Bussen und den Ausbau des Radwegenetzes über die Verbesserung der vorhandenen Radwege und die Stärkung des Fahrrad-Verleihsystems bis hin zur Umrüstung der städtischen Fahrzeugflotte und der Linienbusse auf Elektroantrieb. Dabei soll es auch entsprechende Anreize für das Taxi- und Pflegegewerbe geben, soll zudem der Anlieferverkehr der verschiedenen Paketdienste umweltfreundlicher gestaltet werden.

Seit März prüft die Verwaltung die Anbringung von Blitzern für Tempo- und Rotlicht-Überschreitung. Eine kurzfristig gestellte Anfrage an die Stadt nach dem Stand der Dinge blieb bis Redaktionsschluss unbeantwortet.

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