Lebensgefahr

Oberhausen startet Kampagne gegen Handy-Sünder im Auto

Sie starten gegen den Handy-Wahnsinn am Steuer eine Kampagne, v. li.: Stoag-Chef Werner Overkamp, Jürgen Fix und  Polizeipräsident Ingolf Möhring. Foto:Strauch

Sie starten gegen den Handy-Wahnsinn am Steuer eine Kampagne, v. li.: Stoag-Chef Werner Overkamp, Jürgen Fix und Polizeipräsident Ingolf Möhring. Foto:Strauch

Oberhausen.   Trotz scharfer Kontrollen ist der Handy-Wahnsinn am Steuer kaum zu stoppen. Jetzt sollen provokativ-witzige Cartoons für mehr Einsicht sorgen.

Die Polizei ist beunruhigt. Immer mehr Fahrer nutzen ihr Handy oder ihr Tablet im Auto: Im Vergleich zu 2014 erwischten die Ordnungshüter im vergangenen Jahr allein in Oberhausen über 40 Prozent mehr Verkehrsteilnehmer, die verbotenerweise im Internet surften, Kurznachrichten versandten oder telefonierten.

2014 hielt die Polizei 951 Telefonierer im Auto und 36 auf dem Fahrrad an. 2015 waren es schon 997 Handynutzer (48 waren mit dem Rad unterwegs) – und im vergangenen Jahr sogar 1356 (55).

„Wer aber bei Tempo 50 nur zwei Sekunden lang seine Whats-App-Nachrichten checkt, sieht 30 Meter lang nicht, was vor ihm passiert“, verdeutlicht Jürgen Fix, der Leiter der Direktion Verkehr im Polizeipräsidium, die Gefahren dieses Umgangs mit elektronischen Geräten. Provozierend stellt er die Frage: „Ist es den Leuten das wirklich wert, womöglich ein Kind zu überfahren, nur weil sie ihre Nachrichten abrufen mussten?“

Auf dem Beifahrersitz sitzt der Sensenmann

Um möglichst viele Menschen auf dieses große Risiko der Handy-Nutzung im Auto hinzuweisen, geht die Polizei jetzt einen neuen Weg – und startet dem Nahverkehrsunternehmen Stoag eine Werbekampagne. Die sieht zum Beispiel so aus: Auf dem Beifahrersitz sitzt der Sensenmann. Das gruselige, gesichtslose Geschöpf beobachtet den Autofahrer neben sich, der gerade nur Augen für sein Handy hat. „Facebook bei 120 km/h. Gefällt mir“, sagt der Tod.

Dieser und weitere Cartoons gehören zu einer landesweiten Kampagne der Polizei „Lenk dich nicht app – kein Handy am Steuer“, an der sich Oberhausen beteiligt. Die Polizei hat dabei Unterstützung von der Stoag erhalten. Zwei Busse des Unternehmens wurden jetzt mit den Cartoons beklebt. Die Polizei verteilt die Cartoons auf Postkarten bei Crashkursen und Veranstaltungen der Polizei.

Gerät beschlagnahmen, Daten auslesen

Zudem bleiben die Kontrollen der Polizei, um Handy-Vergehen einzudämmen, auf hohem Niveau. „Wir kontrollieren seit drei Jahren verstärkt“, sagt Fix. „Die Leute kapieren einfach nicht, dass sie sich und andere umbringen können.“ Dabei wüssten die meisten, dass die Nutzung des Telefons im Auto verboten und gefährlich sei.

Sie ist außerdem teuer. Für Autofahrer werden 60 Euro und ein Punkt in Flensburg fällig, für Radfahrer 25 Euro. Bei Unfällen, bei denen die Ursache nicht klar ist und bei denen ein Handy im Spiel gewesen sein könnte, darf die Polizei das Gerät sogar beschlagnahmen und Daten auslesen lassen. Selbst legale Freisprechanlagen sind nach Ansicht von Flix manchmal gefährlich – etwa bei Streitgesprächen während der Fahrt.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben