Infrastruktur-Studie

Oberhausen ist eine Stadt der kurzen Wege

Ob zum nächsten Supermarkt oder zum Arzt – in Oberhausen sind viele wichtige Anlaufstellen fußläufig zu erreichen.

Foto: Ayla Yıldız

Ob zum nächsten Supermarkt oder zum Arzt – in Oberhausen sind viele wichtige Anlaufstellen fußläufig zu erreichen. Foto: Ayla Yıldız

Oberhausen.   Studie des Regionalverbands Ruhr untersucht fußläufige Erreichbarkeiten. Zu vielen wichtigen Einrichtungen ist es in Oberhausen nicht weit.

Wie weit ist die nächste Grundschule entfernt? Gibt es ausreichend Ärzte in der Nähe? Wie lange läuft man bis zur nächsten Bushaltestelle oder zum nächsten Supermarkt? Fragen der Infrastruktur spielen häufig eine Rolle bei der Wahl des Wohnorts. Vor allem für weniger mobile Gruppen wie Senioren ist die fußläufige Erreichbarkeit wichtiger Einrichtungen des täglichen Bedarfs entscheidend. Der Regionalverband Ruhr hat deshalb eine Studie erstellt, die alle Städte und Kreise der Metropolregion Ruhr in Bezug auf sieben wichtige Infrastrukturdaten „abklopft“.

Betrachtet wurden die durchschnittlichen Entfernungen zu Einrichtungen der Nahversorgung (Supermärkte/Discounter), der medizinischen Versorgung (Haus-, Kinder- und Zahnärzte), Kinderbetreuungs- und Bildungseinrichtungen (Kitas und Grundschulen) sowie ÖPNV-Haltestellen.

Dabei attestiert der Regionalverband der Metropole Ruhr insgesamt „eine sehr hohe Standortqualität bei der fußläufigen Erreichbarkeit von Einrichtungen der Daseinsvorsorge“ und die beste Versorgungsdichte im Vergleich zu anderen Regionen in NRW. Auch Oberhausen glänzt im Vergleich in vielen Punkten als eine „Stadt der kurzen Wege“.

Die Ergebnisse im Einzelnen:

Lebensmittelversorgung

Überdurchschnittlich gut schneidet Oberhausen in Sachen „wohnortnahe Lebensmittelversorgung“ ab: Während die durchschnittliche Entfernung zum nächsten Supermarkt oder Discounter im Ruhrgebiet 787 Meter Luftlinie beträgt, sind’s in Oberhausen gerade einmal 469 Meter, einer der Spitzenwerte in der gesamten Region. Mehr als zwei Kilometer muss so gut wie kein Oberhausener zum nächsten Lebensmittelladen zurücklegen. Vor allem in den kleineren Kommunen am Niederrhein sieht das häufig ganz anders aus. Mehr als 50 Prozent der Alpener müssen mehr als zwei Kilometer zurücklegen, genauso wie 40,2 Prozent der Xantener. Ähnlich gut wie in Oberhausen ist die Erreichbarkeit der Lebensmittelmärkte in Essen, Gelsenkirchen, Gladbeck und Herne.

Kindertagesstätten

Die Entfernung zur nächsten Kindertagesstätte beträgt in Oberhausen durchschnittlich 344 Meter Luftlinie. Für 48 Prozent der Bevölkerung liege die Entfernung im Bereich von maximal 300 Metern. Diese Entfernung betrachtet die Studie als „angemessen“. Mehr als zwei Kilometer und damit „weniger angemessen“ entfernt sei der Weg für kaum einen Oberhausener (0,0 Prozent).

Im Durchschnitt der Metropolregion Ruhrgebiet beträgt die Entfernung zur nächsten Kita 462 Meter. Nicht so gut schneidet die Stadt allerdings bei der Relation der Einwohner zu den Kindertageseinrichtungen ab: 2079 Einwohner kommen in der Ruhrregion durchschnittlich auf einen Kindergarten, in Oberhausen sind es 2604. Die Zahl der Kinder unter sechs Jahren pro Kita beträgt im Ruhrgebiets-Mittel 99. In Oberhausen kommen 131 Kinder unter sechs Jahren auf eine Einrichtung: eine schlechtere Relation gibt’s nur noch in Duisburg, wo rechnerisch 133 Kinder unter sechs Jahren auf eine Einrichtung kommen. In Mülheim sind’s 95, in Essen 112.

Grundschulen

Der durchschnittliche Schulweg eines Grundschülers in der Metropole Ruhr beträgt 814 Meter. In Oberhausen haben kurze Beine kürzere Wege: 521 Meter müssen sie im Schnitt zurücklegen. In Essen sind’s 505, in Duisburg 507 und in Mülheim 596 Meter. Als „angemessen“ betrachtet die Studie dabei bis zu 1000 Meter. Dieser Wert wird in 94, 7 Prozent aller Fälle erreicht. Im Ruhrgebietsschnitt teilen sich übrigens je 255 Kinder eine Grundschule, in Oberhausen sind’s durchschnittlich 244 (in Mülheim 302, Essen 275, Duisburg 261).

Haus- und Kinderärzte

Was die Versorgung mit Haus- und Kinderärzten angeht, steht Oberhausen vergleichsweise gut da: 461 Meter beträgt der durchschnittliche Fußweg zum Arzt in Oberhausen, 839 Meter in der Metropole Ruhr. Auch die Relation zwischen Einwohnerzahl und Ärzten ist deutlich besser als im Schnitt. 2327 Einwohner kommen in der Metropole Ruhr auf einen Arzt, in Oberhausen müssen sich nur 1562 Menschen einen Arzt teilen. Vergleichbar ist die Versorgung in Duisburg (1616), Essen (1486) und Mülheim (1525). Vor allem in ländlichen Regionen und kleinen Städten sieht’s da sehr viel schlechter aus: Fast 15 000 Menschen kommen etwa in Ennepetal auf einen Arzt.

Zahnärzte

Wer Zahnschmerzen hat, muss in Oberhausen durchschnittlich 577 Meter zur nächsten Facharztpraxis laufen, im Ruhrgebietsschnitt sind es 755 Meter. Die Relation Einwohner/Zahnärzte ist allerdings schlechter als im Schnitt: 2124 Menschen kommen in der Metropole Ruhr auf jeden Zahnarzt, in Oberhausen sind es 3637.

Bus und Bahn

Auch den „schienengebundenen Personennahverkehr“ und den „öffentlichen Straßenpersonenverkehr“, sprich Straßenbahnen und Busse, hat die Studie beleuchtet: 1479 Meter beträgt die durchschnittliche Entfernung zur nächsten Straßenbahnhaltestelle in Oberhausen, im RVR-Schnitt sind es 2658 Meter. Knapp ein Drittel aller Oberhausener (29,7 Prozent) wohne damit in „angemessener Entfernung“, mindestens 2000 Meter und damit unangemessen lang sei der Weg für 23 Prozent der Bevölkerung.

Zur nächstgelegenen Bushaltestelle muss der Oberhausener im Schnitt 163 Meter weit laufen, in der Metropole Ruhr insgesamt sind es 437 Meter. Als angemessene Höchstentfernung betrachtet der Regionalverband Ruhr eine Entfernung von höchstens 400 Metern. Das ist für 98, 7 Prozent der Oberhausener der Fall.

Studie will Handlungsbedarf aufzeigen

Mit der Studie zur Infrastruktur will der RVR eine einheitliche Informationsbasis für alle Planungsebenen schaffen. Die in diesem Monitoring erstmals erhobenen Daten und Ergebnisse sollen alle drei Jahre fortgeschrieben werden, um Handlungsbedarf frühzeitig aufzuzeigen. Die komplette Studie ist im Internet auf der Seite www.metropoleruhr.de unter dem Stichwort Daseinsvorsorge zu finden.

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