Musik-Szene

Oberhausen: Fans feiern das Leben bei Gitarrissimo-Konzert

Der Singer-Songwriter Norman Keil beim Start des internationalen Gitarrenfestivals im Oberhausener Gdanska.  

Der Singer-Songwriter Norman Keil beim Start des internationalen Gitarrenfestivals im Oberhausener Gdanska.  

Foto: Sven Thielmann, Essen

Oberhausen.  Das „Gitarrissimo Oktoberfest“ ist mit einem Konzert von Songwriter Norman Keil gestartet. Fans machen daraus ein Fest der deutschen Einheit.

Eine der schönsten Definitionen von „Festival“ besagt, dass diese ermöglichen sollten, was ansonsten nicht machbar sei. Was bestens zum, Aberglaube bringt Unglück, ausgerechnet 13. Internationalen Guitarfestival Oberhausen passt. Dessen rühriger Macher Jürgen Reinke nach der Absage im Frühling in der Gemeinde aller Gitarrenfans eine neudeutsch Crowdfunding genannte Kollekte veranstaltet hatte, um allen Widrigkeiten zum Trotz nun ein „Gitarrissimo Oktoberfest“ ins Gdanska bringen zu können.

Was dort zum Festivalstart unter der Nummer 775 über die Bühne ging, erwies sich überraschenderweise als anrührende Feierlichkeit zum Tag der Deutschen Einheit. Nicht allein, dass der 1980 in Erfurt geborene, aber im Westen aufgewachsene Singer-Songwriter Norman Keil diverse, erfreulich dezente nostalgische Rückblicke auf die alte Heimat seiner Kindertage bot. Nein, es waren auch zahlreiche, so eigens aus Magdeburg (!) angereiste Ost-Fans im natürlich ausverkauften Gdanska-Saal, um mit beeindruckender Hingabe den populären Gitarristen zu feiern.

Wunde Hände vor lauter Begeisterung

Als der etwa seinen Hit „Astronaut“ anstimmte, stiegen prompt tischeweise die dazu korrespondierenden Ballons auf. Das war „Absolut ok“, ebenso wie der Einsatz sogenannter „Klatschbalken“ bei seiner Liebes-Hymne „Königin“, was ebenjene im Saal auf Nachfrage von Norman Keil locker so begründete, ohne bekäme sie wunde Hände vor lauter Begeisterung.

Da wunderte es einen kaum noch, dass sein Publikum nicht nur textsicher lautstark mitsang, sondern auch der Hitparade selbst bei rhythmisch anspruchsvolleren Songs souverän händische Beats zufügte. Zwischendurch amüsierte man sich erst über die Bitte des Sängers, er wolle eine Weißweinschorle im Weizenbierglas, und dann über die verständliche Fehllieferung des rührigen Kellners. Trockener Kommentar seines Oberkommandos: „Den Wunsch hatten wir noch nie“.

Corona-Krise und Gin-Tonic

Als Norman Keil allerdings später darüber plauderte, dass ihn die Corona-Krise auf den Geschmack von Gin-Tonic gebracht habe, kam solcher prompt unaufgefordert – Ehre des Hauses gerettet. Dass man kurz darauf „Rosa Elefanten“ sah, pardon: hörte, war wohl nur Zufall, passte aber schön zu Keils Bekenntnis „Wir lieben das Leben“, das an diesem Abend ziemlich familiär überschwänglich gefeiert wurde.

Keine Frage, man wandelte gemeinsam auf der „Straße der Einheit“, bejubelte die auf Wunsch spontan vorgetragene „Staubige Platte“, staunte über die Aktualität von „Komm, wir fahr’n nach Marburg an der Lahn, ohne Plan“ und befand schließlich mit einem weiteren Titel des erfrischend unprätentiösen Singer-Songwriters: „Perfekt“ – eine feine Show, die aufgrund der hohen Nachfrage am Sonntag eine Wiederholung findet (18 Uhr) und ebenfalls ausverkauft ist.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben