Schlagerszene

Nur Dortmund hat keine Lust auf Mallorca-Style von Mia Julia

Oberhausen bleibt Schlagerhauptstadt: Sängerin Mia Julia Brückner stellte im Centro mit Kollegen Die Atzen, Marry und Lorenz Büffel ihre eigene Tournee „Geile Zeit“ vor.

Foto: Fabian Strauch

Oberhausen bleibt Schlagerhauptstadt: Sängerin Mia Julia Brückner stellte im Centro mit Kollegen Die Atzen, Marry und Lorenz Büffel ihre eigene Tournee „Geile Zeit“ vor. Foto: Fabian Strauch

oberhausen.   Mia Julia Brückner verwandelte sich vom Sex-Model zur Partysängerin. Im Sommer bot sie Neonazis am Ballermann die Stirn. Nun folgt ihre Tournee.

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Eigentlich hätte sie ihrem bulligen Bodyguard gerne die Autoschlüssel abgenommen. „Ich wollte nach Hause fahren“, sagt die zierliche Frau mit blonder Mähne und verkehrt herum aufgesetzter Baseballkappe. Die Frau, die sie im voll besetzten Saal des Cinestar-Kinos am Centro mit einem langgezogenen „Miiiiia Julia . . .“ begrüßen, steht auf der Kinotreppe und schaut auf ihr Porträt in Godzilla-Größe, das gerade auf der Leinwand erscheint: „Ich bin so was von nervös!“

Wer ist denn nun diese Miiiiia Julia, mag man rufen wollen. Doch die Frage dürfte auf Anhänger des Party- und Mallorca-Schlagers so ähnlich wirken, als wenn man einen Fußball-Fan nach diesem ominösen FC Schalke 04 oder Borussia Dortmund fragen würde.

Die 30-jährige Blondine gehört auf der Partyinsel zur Champions League, absolviert in diesem Jahr 350 Gesangsauftritte und wird bei Schlagerfestivals wie der Olé-Reihe vor 40 000 Fans gerne als Stargast angekündigt. 210 000 Menschen finden sie bei Facebook gut.

Eine Sitzreihe füllen die „Mia Julia Ultras“

Ausgerechnet sie ist jetzt nervös, die ihre Kollegen liebevoll als Rampensau beschreiben. In Oberhausen möchte sie ein neues Album und ihre Tournee vorstellen. 300 Fans konnten sich dazu anmelden, die Fünf-Euro-Eintrittskarten waren nach Angaben der Veranstalter nach 17 Sekunden vergriffen.

Eine Sitzreihe trägt T-Shirts mit der Aufschrift „Mia Julia Ultras“ und zeigt bei allen Fragen auf: „Wer war beim Saisonabschluss im Bierkönig dabei?“ – „Wer hat das Konzert in Essen gesehen?“

Vorne sitzen Sangeskollegen, die bei ihrer neuen Tournee mit dabei sind und auch was zu erzählen haben. Lorenz Büffel („Johnny Däpp“), Marry („Wir sind laut“) und Die Atzen („Disco Pogo“). Sie singen nicht, sie reden. In den Kinosesseln wirkt die Szenerie wie die Jahreshauptversammlung vom Ballermann, bei der zu Power-Point-Grafiken munter Bierflaschen herumgereicht werden. Die Talkrunde wird sogar live im Internet übertragen. 25 000 Menschen klicken den Stream an.

Mia Julia hieß früher Mia Magma

Mia Julia kichert und erzählt, wie sie vor fünf Jahren am Ballermann noch ausgelacht wurde. „Wir brauchen hier keine Brüste“, soll ihr die mallorquinische Szene entgegen gerufen haben, was auf ihre lockere Kleiderordnung und berufliche Vergangenheit anspielte. Mia Julia hieß früher Mia Magma.

Sie spielte sich durch die Porno-Produktionen von „Das Sennenlutschi“ bis „Sexy Girlfriends on Tour“. Hinter dem Berg hält sie damit nicht, nennt ihre Vergangenheit forsch „Aufklärungs- und Heimatfilme“. Heute verkauft sie Kleidung mit der Aufschrift „Mallorca-Style“ und bringt Hits wie „Geile Zeit“ und „Scheiß auf Schickimicki“ hoch in die Hitparade. Sie ist längst beim Massengeschmack der Partyszene angekommen.

Als eine Gruppe Neonazis im vergangenen Sommer im Bierkönig auf Mallorca ausländerfeindliche Parolen skandierte, unterbrach sie ihren Auftritt. Ihre Fans buhten die rechten Störer aus. Die couragierte Aktion brachte ihr bundesweite Schlagzeilen ein.

Dortmund hatte keine Lust

Oberhausen ist für die Frau aus München der Nucleus der Schlagerszene. Darum lädt sie hierher ein, auch wenn die Tour nur nebenan in Essen Station macht. Aber es gibt einen weiteren Grund: Ihr Manager und Ehemann Peter Brückner stammt aus Sterkrade.

Nun freut sie sich auf ihre Tournee von Kiel bis Stuttgart. Ausgerechnet in Dortmund erhielt sie allerdings einen Korb. Angefragte Konzerthallen hatten keine Lust auf sie. Mia Julia ist darüber enttäuscht: „Manche Leute verstehen nicht, dass sich der Partyschlager gewandelt hat. Und dass man mit tollen Leuten feiern kann.“

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