Wettbewerb

NRW-Vorlese-Sieger Sam aus Oberhausen: In Berlin ausgebremst

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Sam Hasnik beim Üben in seinem Kinderzimmer.

Sam Hasnik beim Üben in seinem Kinderzimmer.

Foto: STEFAN AREND / FUNKE Foto Services

Oberhausen.  Die letzte Runde des Vorlesewettbewerbs hat der Realschüler nicht gewonnen. Seine stolzen Eltern erfüllen ihm trotzdem einen großen Wunsch.

Sam Hasnik aus Schmachtendorf ist ein super Vorleser, so viel steht fest. Der Beste in seiner Schule, der Beste in Oberhausen und sogar in ganz NRW. Dass der Sechstklässler den Wettbewerb mit allen Siegern der einzelnen Bundesländer nicht gewonnen hat – was soll’s?

„Er hat das großartig gemacht“, lobt Marius Hasnik, Sams Vater, seinen elfjährigen Spross. Zusammen mit seiner Frau Bozena Hasnik hat er den Sechstklässler zum großen Finale nach Berlin begleitet und war dabei, als Sam und die 15 anderen Mädchen und Jungen im Studio des RBB gegeneinander angetreten sind. „Wir Eltern waren aufgeregter als er selbst“, sagt Marius Hasnik lachend. Und sie sind stolz auf ihr Kind, dass es so weit gekommen ist.

Ein Junge mit vielen Talenten

Als Sam das erste Mal nach Hause kam und erzählte, er hätte an einem Vorlesewettbewerb teilgenommen, hätten die Eltern dem noch keine große Beachtung geschenkt. „Wir kannten das nicht“, meint Marius Hasnik, der ebenso wie seine Frau aus Polen stammt. „Ich habe nur gesagt: ,Ja super, toll’“, erinnert er sich – „bis wir verstanden haben, dass er der Beste in seiner Schule geworden ist.“

Da seien sie hellhörig geworden und hätten gemerkt, dass Talente in ihrem Kind schlummern, von denen sie noch gar nichts ahnten. „Dann sind wir auch mit ihm in die Bücherei gegangen und haben zusammen etwas ausgesucht, was er beim nächsten Wettbewerb vorlesen könnte.“

Sam, der die Friedrich-Ebert-Realschule besucht, hängte sich voll rein. Und seine Lehrerinnen und Lehrer unterstützten ihn nach vollen Kräften bei den einzelnen Runden des Vorlesewettbewerbs, der vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels seit 1959 ausgerichtet wird. Sam wurde von den Hausaufgaben befreit und durfte zu Übungszwecken vor verschiedenen Schulklassen vorlesen. Besonders seine Lehrerin Heike Minneken sei ganz toll gewesen, sagt Papa Marius Hasnik. „Ohne die Schule wäre Sam gar nicht so weit gekommen.“

Der Wettbewerb in der Hauptstadt: Eine große Show

In Berlin sei dann alles irgendwie ernster und förmlicher abgelaufen. Der Besuch in einem richtigen Studio sei etwas ganz Besonderes gewesen, sagt Marius Hasnik. Aber das ganze Drumherum habe Sam nicht sehr glücklich gemacht: Der Elfjährige hat erst wenige Tage vorher erfahren, aus welchem Buch er vorlesen wird, musste die Nacht zuvor in einer Jugendherberge ohne die Eltern verbringen.

Vielleicht war auch der Druck einfach diesmal größer. „Beim Landeswettbewerb sind wir noch locker-flockig hingefahren“, sagt Marius Hasnik. Diesmal sei doch alles eine ziemliche Show gewesen – „und Sam hatte irgendwie keine gute Laune“. Was aber auch zur Geschichte dieses ereignisreichen Wochenendes in der Hauptstadt gehört: „Die anderen Kinder waren auch super.“

Unterm Strich bleibt Sam ein toller Junge, von dem jetzt alle wissen, dass er nicht nur ein Zeugnis voller Einsen hat, sondern auch sehr gut vorlesen kann. Und deshalb hätten seine Eltern auch vor dem großen Finale in Berlin entschieden: Egal, ob Sam der beste deutsche Sechstklässler im Vorlesen wird oder nicht – er bekommt eine Gitarre wie die des verstorbenen Nirvana-Sängers Kurt Cobain. Sein großer Wunsch wird ihm erfüllt. Die Sommerferien können kommen.

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