Auszeichnung

NRW-Minister Jäger verleiht Preis für Zivilcourage an Oberhausener

Jörg Hufmann wird für Zivilcourage geehrt. Foto: Tom Thöne

Jörg Hufmann wird für Zivilcourage geehrt. Foto: Tom Thöne

Foto: WAZ FotoPool

Oberhausen.   Der Oberhausener Jörg Hufmann wird als einer von acht Männern und Frauen mit dem Preis für Zivilcourage ausgezeichnet. Den Preis erhielt der 47-Jährige, weil er im April vergangenen Jahres eine junge Frau vor einer Vergewaltigung rettete.

Eines ist dem Oberhausener Jörg Hufmann sicher: der Preis für Zivilcourage. Der 47-Jährige gehört zu acht Männern und Frauen, die am Donnerstag diese Auszeichnung von Innenminister Ralf Jäger entgegennehmen dürfen.

Hufmann selbst zeigt sich überrascht, dass er zu dem kleinen Kreis der Auserwählten gehört. „Ich dachte, es werden eher Leute ausgezeichnet, die Menschen aus dem Kanal ziehen oder aus brennenden Häusern retten“, sagt er. Seine eigene Geschichte hört sich dann allerdings wie ein Krimi an. „Ich habe eine junge Frau vor einer Vergewaltigung gerettet“, erzählt der Oberhausener.

Es wirkte wie ein Streit

In einer Nacht von Montag auf Dienstag im April war Hufmann noch mit dem Auto unterwegs. Gegen 0.30 Uhr fuhr er von Lirich kommend auf der Westmarkstraße. „Zwischen Rhein-Herne-Kanal und A42 ist neben dem Fußweg viel Wildwuchs“, schildert Hufmann. Genau an dieser Stelle fielen dem Oberhausener ein Mann und eine Frau auf, die sich zu streiten schienen. „Vor mir waren noch zwei Autos, die fuhren vorbei“, sagt er. Auch Hufmann setzte zunächst seine Fahrt fort. Doch irgendetwas an der Szenerie kam ihm merkwürdig vor. „Ich hatte den Eindruck, dass die Frau versuchte, Blickkontakt zu den Autofahrern herzustellen“, erzählt er, was sich innerhalb weniger Sekunden in seinem Kopf abspielte. Hufmann bremste, drehte um, hielt etwa 30 Sekunden später erneut am Ort des Geschehens.

Doch der Mann und die Frau waren verschwunden. „Das konnte aber gar nicht sein“, erzählt der Oberhausener. Jetzt war er sich sicher, „etwas stimmt hier nicht“.

Schwache Hilferufe

Und da hörte er auch bereits schwache Hilferufe einer Frau. Schwach, weil, wie sich später herausstellte, der Täter seinem Opfer den Mund zugehalten hatte, wie Hufmann weiter erzählt. „Der Mann hatte die Frau eine Böschung heruntergezerrt“, so der 47-Jährige. Der Retter behielt in dieser Situation einen klaren Kopf. Rief schon einmal: „Was ist da los“, während er sich aus seinem Auto schnell einen Gegenstand holte, der ihm im Notfall als Waffe dienen sollte.

Angst habe er keine gehabt. Eine Nahkampfausbildung, die er einst bei der Bundeswehr absolvierte, habe ihn grundsätzlich sicherer gemacht. „Ich tauchte am Rand der Böschung auf“, schildert er weiter, „dort lag ein Mann halb auf einer Frau.“ Als er Hufmann sah, ergriff der Unbekannte die Flucht.

Hufmann: „Ich habe dann erst mal geschaut, ist die Frau verletzt, habe sie die Böschung hoch bugsiert, die Polizei gerufen.“ Später sei die Gegend noch per Hubschrauber nach dem Mann abgesucht worden. Der Unbekannte sei aber erst später wegen ganz anderer Vergehen erwischt worden. Hufmann: „Ein Polizeibeamter erinnerte sich an unsere Beschreibung des Mannes.“ Der Täter wurde dann letztlich auch verurteilt. Hufmann sagte als Zeuge bei den Verhandlungen aus.

Unglückliche Zufälle

Die Frau, die Hufmann gerettet hatte, war übrigens nur ausnahmsweise einmal um diese späte Uhrzeit zu Fuß unterwegs. „Sie musste zur Nachtschicht, hatte verschlafen und den Autoschlüssel verlegt“, schildert der Oberhausener die Kette unglücklicher Zufälle.

Hufmann ist froh, dass er gehalten hat. „Ich stelle mir vor, ich hätte sonst in der Zeitung lesen müssen, eine junge Frau ist vergewaltigt worden.“ Oder ihr wäre noch Schlimmeres widerfahren. „Man sollte sich nicht in alles einmischen, könnte es aber manchmal öfter tun“, so sein Fazit.

Jetzt freut sich Hufmann auf die Auszeichnung, darauf, das Ministerium einmal zu sehen. Und er scherzt: „Als Junggeselle freue ich mich auch auf ein warmes Abendessen.“

Arbeit als Vollziehungsbeamter

Der 47-Jährige, der eine Lehre zum Bankkaufmann absolviert und dann Journalistik in Dortmund studiert hat, arbeitet mittlerweile seit zwölf Jahren als Vollziehungsbeamter. Das heißt, er versucht, Außenstände einzutreiben. Wenn Unternehmen etwa ihre Sozialversicherungsbeiträge nicht bezahlt haben. „Seit Jahren befinden sich die Rückstandsfälle auf sehr hohem Niveau“, sagt er. Abgezockte Wiederholungstäter sind genauso „Kunden“ Hufmanns, wie Menschen, die relativ unschuldig Zahlungsnöte geraten.

Privat ist Hufmann Mitglied bei RWO. Er geht regelmäßig ins Kino. Mag Opern, aber besonders die Musik der 50er und 60er Jahre, speziell Doowop. Außerdem gehört er dem Herrenbund Schlaraffia an.

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