Futter-Mangel

Futtermangel im Oberhausener Norden: Heu kommt aus Polen

Allmählich wird der Boden unter den Hufen seiner Pferde wieder grün: Doch auch bei Markus Tappe vom gleichnamigen Reiterhof ist Heu knapp.

Allmählich wird der Boden unter den Hufen seiner Pferde wieder grün: Doch auch bei Markus Tappe vom gleichnamigen Reiterhof ist Heu knapp.

Foto: Kerstin Bögeholz

Oberhausen.   In Reitställen des Oberhausener Nordens herrscht Mangel am Pferdefutter Heu. Die Preise haben sich nach der Missernte im Sommer verdoppelt.

In diesen Tagen verheißt der Blick auf die Wetterkarten Regen. Das ist schön, kommt aber zu spät für die Heuernte in diesem Jahr. Und damit auch zu spät für Besitzer von Reitställen, die dieses Grundnahrungsmittel für ihre Tiere dringend brauchen.

Während andernorts bereits einigen Ställen aufgrund der enorm gestiegenen Heupreise der Ruin droht, hat Markus Tappe vom gleichnamigen Reiterhof in Königshardt beizeiten vorgesorgt. „Unser Hauptlieferant, der Bauer Köster aus Schmachtendorf, hat uns schon am Anfang des Sommers darauf hingewiesen, dass er bei anhaltender Trockenheit nicht genug Heu für uns haben wird,“ sagt Tappe. Er habe daraufhin sofort sämtliche Lieferanten angerufen, um die benötigten Mengen zu ordern: „Ich habe mit Händlern von Bayern bis Ostdeutschland gesprochen, habe Bekannte und Freunde ins Boot geholt, damit auch sie sich umhören.“ Fündig geworden ist er schließlich in Polen: „Von dort habe ich sehr gutes Heu bekommen.“ Eigentlich verrückt, sagt Tappe: „Da wollen wir regionale Produkte einsetzen und können es einfach nicht.“

Er spürt die Folgen des trockenen Sommers am Geldbeutel: „Während ich sonst zwischen 150 und 200 Euro pro Tonne Heu bezahlt habe, ist der Preis inzwischen bei rund 350 Euro, Tendenz steigend. Und der Winter hat noch nicht mal begonnen.“

Er habe diese Mehrkosten auf seine Boxenmieter umlegen müssen: „Ich habe ihnen gegenüber alle Zahlen offen gelegt, und sie haben sehr verständnisvoll reagiert.“

Mais-Silage schmeckt auch Pferden

Es sei ein extremes Jahr gewesen, sagt Tappe: „Wir haben noch den Vorteil, dass unsere Weiden relativ feucht sind. Sie liegen am Nassenkamp mit hohem Grundwasserspiegel. Regnet es viel, sind wir zwar die ersten, die unter Wasser stehen. Dieses Jahr aber hat es geholfen, die Weiden ein bisschen länger grün zu halten.“ Doch auch das reichte nicht. „Wir mussten schon im Sommer zufüttern, was wir sonst nie brauchten. Und wir konnten unsere Wiesen dieses Mal nicht mähen, weil die Pferde alles weggefressen haben.“

40 Pferde hat er zu versorgen, an jedem Tag verputzen die gut einen Ballen Heu. Er habe erstmals in diesem Jahr aus der Not eine Tugend gemacht: „Wir haben Mais-Silage zugefüttert. Der Tierarzt gab sein Okay, wir haben es an unseren eigenen Pferden ausprobiert, die es gern fressen und gut vertragen. Dadurch brauchen wir weniger Heu.“

„Die Kosten sind explodiert“

Nur sechs Pferde hat derzeit Bernhard Köster auf seinem Haflinger-Gestüt in Schmachtendorf zu versorgen: „Deshalb ist es bei uns nicht so schlimm.“ Knapp ist das Heu aber auch bei ihm: „Der erste Schnitt war noch gut, einen zweiten gab es schon nicht mehr.“

Aus Polen kommt auch das Heu für die 40 Pferde im Stall des Sterk­rader Reitvereins. Simon de Witt: „Die Kosten sind explodiert. Wir zahlen locker das Doppelte im Vergleich zum Vorjahr – vor allem wegen der hohen Lieferkosten aus Polen.“ Eine Weitergabe dieser Kosten an seine Kunden sei kaum möglich. Im Umkreis von mehreren hundert Kilometern sei die Heuernte um mindestens 50 Prozent eingebrochen – vertrocknet.

De Witt ist vorsichtig optimistisch: „Wenn ich die versprochenen Mengen bekomme, kommen wir über den Winter.“ Er hofft – wie alle anderen Pferdehalter auch – auf ein deutlich besseres Jahr 2019.

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