Unser Norden

Führungswechsel am „Freiherr“

Gisela Hofrath unterrichtete seit 1999 als stellvertretende Schulleiterin am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium in Sterkrade. 2001 wurde Klaus Nieswand dort Schulleiter. Nun gehen sie gemeinsam in den Ruhestand

Gisela Hofrath unterrichtete seit 1999 als stellvertretende Schulleiterin am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium in Sterkrade. 2001 wurde Klaus Nieswand dort Schulleiter. Nun gehen sie gemeinsam in den Ruhestand

Foto: Ulla Emig wazfotopool

Oberhausen.  Schulleiter Klaus Nieswand verabschiedet sich in den Ruhestand.Mit ihm auch seine Stellvertreterin Gisela Hofrath – ihre Nachfolgerin ist bekannt

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Am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium steht ein besonderer Führungswechsel an: Mit Klaus Nieswand (63) und Gisela Hofrath (63) werden am heutigen Mittwoch sowohl der Schulleiter wie auch die stellvertretende Schulleiterin in den Ruhestand verabschiedet.

Das ist äußerst ungewöhnlich. In der Regel sind Leitungswechsel so organisiert, dass ein Mitglied des Führungsduos an der Schule verbleibt, um den künftigen Neuling einzuarbeiten und damit sicherzustellen, dass der Schulablauf nicht behindert wird und Bewährtes erhalten bleibt. Dies sei an seiner Schule dennoch gewährleistet, sagt Nieswand: „Wir pflegen seit Jahren einen starken Gemeinschaftsstil im Kollegium. Die Verantwortung ruht auf mehreren Schultern.“

Zudem ist schon jetzt klar: Zumindest der Stellvertreter-Posten wird hausintern besetzt. Sabine Schmidt-Rosner (48) wird ab dem kommenden Schuljahr das Gymnasium kommissarisch führen, bis wohl im November die neue Schulleitung gefunden ist.

Gemeinsame Jahre

Über ein Jahrzehnt haben Nieswand und Hofrath an der Schule zusammengearbeitet. Beinahe wären sie sich bereits in Jugendtagen über den Weg gelaufen: Beide besuchten die Karl-Broermann-Mittelschule, heute Anne-Frank-Realschule, beide wechselten anschließend zum damaligen Novalis-Gymnasium. Auch unterrichteten beide zuerst an einem Mädchen-Gymnasium in Oberhausen. Während Nieswand blieb, zog es Hofrath ins Ausland: „Ich wollte mich weiterentwickeln.“ 1984 kam sie aus Peru zurück – ans Freiherr-vom-Stein-Gymnasium.

Ausgewogenes Verhältnis von Schülern

„Mein erster Gedanke? Nicht diese Kadettenanstalt.“ Der Ruf, besonders streng gegen seine Schüler zu sein, er eilt dem Freiherr-vom-Stein-Gymnasium noch immer voraus. „Das stimmt aber nicht. Wir haben ein sehr ausgewogenes Verhältnis von Schülern“, sagt Klaus Nieswand. Er berichtet beispielhaft von einem Jugendlichen mit Asperger-Syndrom, einer Form von Autismus, der zum kommenden Abi-Jahrgang gehöre.

Er habe schon immer gerne mit Menschen gearbeitet, sagt Klaus Nieswand. „Deshalb bin ich Lehrer geworden. Zwischenzeitlich kam ich mir allerdings eher wie ein Baustellenleiter vor.“ Nicht nur die Aula und eine neue Mensa zählten zu diesen Baustellen. Nachdem die Landesregierung die gymnasiale Schulzeit auf acht Jahre verkürzte (G8), standen ganz andere Probleme an: Es fehlten Bücher, Richtlinien und Lehrer, die Unterrichtsdichte nahm enorm zu. Am „Freiherr“ verlängerten die Pädagogen deshalb die Stunden von 45 auf 67,5 Minuten. Hofrath: „Wir wollten den Tag entschleunigen.“

Mint-Klasse als weiterer Schwerpunkt

Schule, sagt Nieswand weiter, müsse sich heute breit aufstellen, um Bestand zu haben. Als an dem Gymnasium 2008 erstmals seit Jahren die Anmeldezahlen unter 100 Kinder sanken, rief man deshalb die sogenannten Mint-Klassen ins Leben, in denen naturwissenschaftliches Wissen gefördert wird. Die Idee hatte ein Geschichtslehrer an der Schule.

Gisela Hofrath: „Ich wünsche mir, dass die neue Schulleitung weiter offen ist für die Impulse aus dem Kollegium. Gerade für die der jüngeren Lehrer.“ Fünf neue Pädagogen unterrichten seit kurzem am „Freiherr“, drei langjährige Lehrer werden mit der Schulleitung in den Ruhestand gehen.

Als ihr Erbe lassen Nieswand und Hofrath die sogenannte „Musical“-Klasse zurück, eine Förderklasse, in der neben dem regulären Unterricht Tanz, Musik und Gesang auf dem Stundenplan stehen. „Im musischen Bereich“, sagt Nieswand, „fehlte uns ein Knaller.“ Die „Musical“-Klasse wird im kommenden Schuljahr erstmals am „Freiherr“ angeboten. 22 Kinder haben sich angemeldet.

Zur Vita: Klaus Nieswand

Als Kind zog Klaus Nieswand mit seinen Eltern aus Schleswig-Holstein ins Ruhrgebiet. Nach dem Abitur studierte er Deutsch und Philosophie an der Bochumer Universität.

Bis 1996 arbeitete er am Sophie-Scholl-Gymnasium, wechselte dann nach Essen, bevor er 2001 die Leitung des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums übernahm.

Zur Vita: Gisela Hofrath

An der Universität Bonn hat Gisela Hofrath, gebürtige Oberhausenerin, Mathe und Sport studiert. Nach ersten Lehrerfahrungen am Bertha-von-Suttner-Gymnasium unterrichtete sie u.a. an einer deutschen Schule in Peru und auf Gran Canaria.

1999 kam sie zurück ans Freiherr-vom-Stein-Gymnasium, an dem sie bereits in den 80er Jahren unterrichtet hatte.

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