Anwohner-Proteste

Biefanger protestieren vergeblich gegen neue Umgebungsstraße

Andrea Weiß, Initiatorin der Proteste gegen die Umgehungsstraße, sammelte im Mai 2018 an einem Infostand vor dem Technischen Rathaus in Sterkrade Unterschriften.

Andrea Weiß, Initiatorin der Proteste gegen die Umgehungsstraße, sammelte im Mai 2018 an einem Infostand vor dem Technischen Rathaus in Sterkrade Unterschriften.

Foto: Christoph Wojtyczka

OBERHAUSEN.  Eine neue Umgehungsstraße führt künftig durch Biefang zum Edeka-Zentrallager. Anwohner wollten stattdessen eine neue Autobahnanschlusstelle.

Ihr Protest war vergeblich. Andrea Weiß wird sich künftig mit viel Autoverkehr direkt vor ihrer Wohnung abfinden müssen. Sie wohnt im Vereinsheim des TV Biefang im Hinterland der Erlenstraße. Dort führt künftig die neue Umgehungsstraße für den Bau des Edeka-Zentrallagers im Gewerbegebiet Waldteich vorbei. Immerhin hinter einer Lärmschutzwand.

Aber eine Frage hatte Andrea Weiß noch an die Stadt: Warum ist es nicht möglich gewesen, an Stelle dieser Straße eine zusätzliche Autobahnanschlussstelle an die A 3 zu bauen? Die neue Umgehungsstraße, für deren Bau bereits Vorbereitungen getroffen wurden, kostet immerhin weit über zehn Millionen Euro.

Wegen einer Panne bei der Stadt wurde ihre Einwohneranfrage erst im Februar 2019 beantwortet – von Planungsdezernen­tin Sabine Lauxen. Im November 2015 habe Oberbürgermeister Daniel Schranz (CDU) mit dem damaligen NRW-Verkehrsminister Michael Groschek und NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin (beide SPD) über eine An­schlussstelle gesprochen. Ohne Erfolg, so Lauxen. Auch Erich Staake, der Chef der Duisburger Hafen-Gesellschaft Logport, habe vom Bundesverkehrsministerium eine abschlägige Antwort bekommen. Logport betreibt die dortige Gewerbefläche.

Verkehrszahlen und Verkehrsfluss

Der Leiter der Autobahnniederlassung Krefeld, Jochen van Bebber, sagt: „Wenn eine Stadt einen solchen Anschluss beantragt, muss sie eine Reihe von Aspekten abarbeiten.“ Dazu gehören Gutachten über Verkehrszahlen, Prognosen der Lärmbelastung, der Nachweis, dass sich eine Anschlussstelle nicht nachteilig auf den Verkehrsfluss der A 3 auswirke. Die wird täglich von mehr als 100.000 Autos befahren.

Lauxen: „In der verkehrs- und schalltechnischen Untersuchung von 2012 wurde die Möglichkeit einer neuen Anschlussstelle erneut abgelehnt.“ Von Anfang an aber, von 2008 an, habe der Landesbetrieb das Projekt kritisch gesehen. 2011 und 2014 habe es weitere Gespräche gegeben, zuletzt mit dem Bundesverkehrsministerium.

Lauxen nennt finanzielle Gründe

„Autobahnen sollen aus Sicht des Bundes zügig Verkehr zwischen großen Entfernungen abwickeln“, sagt van Bebber. Jede Anschlussstelle sei eine Störstelle. Knapp 3,4 Kilometer liegen zwischen der Anschlussstelle Holten und dem Kreuz Oberhausen. Rund 500 Meter pro Richtung werden für eine Anschlussstelle gebraucht.

Der Bund sieht das heute kritischer als früher, als an der A 40 in kurzen Abständen Anschlüsse gebaut wurden. Sabine Lauxen führte letztlich finanzielle Gründe an. Jochen van Bebber: „Der Bund hätte für die Kosten nicht einstehen müssen. Es wäre Sache der Stadt gewesen.“

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