Innovation Gasturbine

Neues Turbo-Wunderwerk für die Energiewende aus Oberhausen

NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) (Mitte) am Donnerstag im Turbowerk mit Spezialbrille, mit der man dreidimensional ins Innere von Gasturbinen schauen kann. Johann Cohut (links) erläutert die Technik, Harald Stricker und Werksleiter Christopher Antes (rechts) beobachten die Szenerie aufmerksam.

Foto: Kerstin Bögeholz

NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) (Mitte) am Donnerstag im Turbowerk mit Spezialbrille, mit der man dreidimensional ins Innere von Gasturbinen schauen kann. Johann Cohut (links) erläutert die Technik, Harald Stricker und Werksleiter Christopher Antes (rechts) beobachten die Szenerie aufmerksam. Foto: Kerstin Bögeholz

Oberhausen.   Wer Strom und Wärme dezentral und schadstoffarm erzeugen will, kann am Sterkrader MAN-Turbo-Werk anklopfen. Der Minister ist bereits beeindruckt.

Kraftwerksbauer Siemens streicht gut 3000 Arbeitsplätze in Deutschland, Thyssen-Krupp gliedert den Stahl aus – bei all diesen trüben industriepolitischen Nachrichten fürs Ruhrgebiet dringt frohe Kunde aus dem mit 1700 festangestellten Beschäftigten besetzten Sterkrader MAN-Turbo-Werk.

Der seit fast drei Jahren amtierende Werksleiter Christopher Antes präsentierte dem neuen NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) bei seinem Antrittsbesuch am Donnerstag stolz das neueste ingenieurtechnische Wunderwerk aus der Schmiede des Maschinenbauers an der Steinbrinkstraße 1. Das ist eine über zehn Jahre entwickelte kleine Gasturbine, die in Zeiten der Energiewende passgenau für Mittelständler, Wohnviertel und Stadtwerke konzipiert ist.

90 Prozent herausgeholt

Ob Erdgas, Biogas, Bioethanol – die Turbine holt aus diesen Rohstoffen 90 Prozent an Strom und Wärme heraus. MAN Turbo will damit nun in Oberhausen in eine kleine Serienproduktion gehen – ein Novum für die Turbo-Fachleute vor Ort, die ihre millionenteuren Produkte sonst nur maßgefertigt nach individuellen Aufträgen herstellen.

Antes will im nächsten Jahr deshalb einen neuen Prüfstand für Gasturbinen errichten – eine Investition in zweistelliger Millionenhöhe. China, größter Absatzmarkt für die Sterkrader, ist ganz wild auf die Gasturbine, weil sie mit diesem modernen Energieerzeuger das Treibstoffgas Kohlendioxid sowie Stickoxid und Ruß stark mindern kann.

„Wir sind damit gut unterwegs. Abseits von Großkraftwerken bilden die hier gefertigten Produkte die grundlegenden Bausteine einer zunehmend dezentralen Energieversorgung“, sagt Antes. „Wir bewegen uns allerdings immer noch in einem schwierigen Marktumfeld, doch zum Glück betreffen uns die Siemens-Probleme mit Großturbinen nicht.“

MAN Turbo ist vor allem im Markt mit kleineren und mittleren Turbinen unterwegs; die Nachfrage nach Kompressoren (Verdichtern für Raffinerien etwa) zieht an.

Pinkwart verspricht schnellere Genehmigungen

Minister Pinkwart jedenfalls befürchtet trotz Siemens, trotz Thyssen-Krupp keine weitere Deindustrialisierung im Ruhrgebiet. „Wir müssen alles dafür tun, damit Unternehmen durch Innovationen wie hier zu sehen neue Geschäftsfelder erschließen. Dabei kann es durch den Anpassungsdruck zu Friktionen kommen, aber letztlich ist unsere einzige Chance, den ständigen Wandel durch Forschung zu organisieren. So bedeutet Klimaschutz zwar eine große Herausforderung für Firmen, aber auch eine große Chance auf neue Märkte.“ Pinkwart verspricht den Unternehmen, für schnellere Genehmigungen und eine bessere Verzahnung von Unis und Betriebsalltag zu sorgen.

Beeindruckt zeigte sich Pinkwart auch von der neuen virtuellen Computertechnik bei MAN Turbo: Mit Spezialbrille kann man die Gasturbine dreidimensional bis in alle innersten Bestandteile begutachten und auseinandernehmen – gut für Verkaufspräsentationen bei Kunden oder für Reparatur-Arbeiten unter Anleitung von Fachleuten.

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