Historisches Oberhausen

Neuer Kalender für 2020 mit alten Postkarten aus Oberhausen

Die Sammlerin Marita Arntz zeigt den neuen Jahreskalender „Oberhausen gestern“. Er präsentiert historische Postkarten und erscheint zum 35. Mal.

Die Sammlerin Marita Arntz zeigt den neuen Jahreskalender „Oberhausen gestern“. Er präsentiert historische Postkarten und erscheint zum 35. Mal.

Foto: Kerstin Bögeholz / FUNKE FotoServices

Oberhausen.  Marita Arntz liebt alte Postkarten – ihre ausgesuchten Motive druckt ein Verlag sogar als Kalender. Warum Postkarten mehr als Ansichtssache sind.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Wer im Urlaub ist, verschickt gerne Grüße nach Hause. Schnell funktioniert das per Whatsapp, schön immer noch per Postkarte. Vor 150 Jahren wurde im damaligen Österreich-Ungarn die erste Postkarte ihrer Art verschickt. Bis heute hat sie überlebt Warum?

Anfänglich dient die Postkarte als Nachricht, die man verschickt. Wann kehrt der Schreiber zurück? Wo trifft man sich? Informationen werden ausgetauscht. Erst später wird daraus: „Das Wetter ist gut.“ Heute hat die Postkarte fast Kultstatus erlangt. Sie gilt als besonders, weil der Schreiber „mühevoll“ den Stift ansetzt, anstatt das Smartphone zu bemühen. Menschen wie Marita Arntz aber sammeln sie.

Kalender mit Postkarten aus Oberhausen: „Je älter, desto besser“

Seit Jahrzehnten sind alte Postkarten aus Oberhausen ihre Leidenschaft und deren Motive so selten, dass ein Verlag sogar jedes Jahr ihre Auswahl als Kalender abdruckt. „Ich habe irgendwann in den 70er Jahren angefangen zu sammeln,“ sagt Marita Arntz. 60 Karten schenkt ihr Ehemann Heinz, als er von einer Briefmarken-Messe heimkommt. Die historischen Motive aus Oberhausen verzaubern die Rentnerin. Sie kauft fortan unzählige Postkarten mit Prachtstraßen, Kirchen und Gaststätten. „Je älter, desto besser.“

Rund hundert Jahre vor der Eröffnung des Centro ist ihre älteste Karte aus dem Jahr 1897 im Handel. Jeder, der in ihren Sammelalben blättert, begibt sich unweigerlich auf eine Zeitreise durch die Stadt. Genau das fasziniert Marita Arntz an ihrem Hobby. 2020 stellt sie zum 33. Mal ihre Postkarten als Kalenderblätter zur Verfügung – kein Zufall, denn sie sammelt mehr als nur Postkarten. Marita Arntz sammelt Wissen.

Hinter jeder Aufnahme der pompösen Marktstraße oder der grünen „Allee“ Mülheimer Straße steckt eine Geschichte. Das Jahr, die Läden, die Umstände, die Gebäude: all das wird akribisch recherchiert. Oftmals mit ihrem Ehemann im Archiv der Stadt. „Wir wollen wissen, was dahintersteckt“, bekräftigt der 70-Jährige.

Extra-Besuch vor Ort: Die Postkarte als Realitätsabgleich

Und manchmal nimmt seine Frau extra ein Karte aus den gut verschweißten Alben heraus. Dann fährt sie mit dem Bild aus längst vergangenen Tagen zu den Orten, an denen sie die Aufnahme vermutet. „Ich stelle mich dann an die Ecke, wo der Fotograf gestanden haben muss und vergleiche damals und heute.“

Erstaunlich häufig seien gerade diese Häuser gut erhalten und nur Kleinigkeiten verändert. So wie das Ebertbad, das als Schwimmbad zwar anders wirkt und am Hindenburgplatz liegt, allerdings gut erkennbar ist. Dass die Zeit auch Postkarten beeinflusst, macht man jedoch selbst ohne Hilfe der Augen aus.

Wer ihre Karten aus den Jahren des Ersten Weltkriegs und der Weimarer Republik in der Hand hat, bemerkt Qualitätsunterschiede. „Das Papier war davor und danach besser“, erklärt Marita Arntz. Aus der Nazizeit hat sie wenig Postkarten. Papier ist kriegswichtig. Die Wirtschaftswunderzeit strotzt dafür mit Bildern von Kaufhäusern, die auf ein paar Zentimetern Hochglanzpapier „Hochkonjunktur“ bejubeln.

Genügend Alben für die nächsten 33 Kalender-Jahre

Heute kauft die ehemalige Krankenschwester der St.-Elisabeth-Klinik ihre Postkarten online. „Tauschbörsen in Frankfurt, Köln oder Düsseldorf besuchen wir nur noch selten.“ Mondpreise bezahle sie für ihre Karten aber keine. „Auch wenn manche Händler die Sammelleidenschaft gerne ausnutzen“, betont Heinz Arntz.

Seine Frau habe früh genug angefangen zu sammeln, die Alben sind voll – das sei ihr Glück. Den nächsten Kalender wird sie wieder mühelos im Januar soweit haben. Ein Kalender mit alten Ansichten und einer Stadt im Wandel der Zeit. Oberhausen ist ein wenig wie die Postkarte selbst: einfach nicht totzukriegen.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben