INKLUSION

Musikschul-Pädagogin Claudia Schubert verabschiedet

Schwungvoller Abschied: Claudia Schubert (2. von rechts) sagte an der Musikschule Oberhausen ade.

Schwungvoller Abschied: Claudia Schubert (2. von rechts) sagte an der Musikschule Oberhausen ade.

Foto: Naskrent

OBERHAUSEN.   Die Regenbogengruppe an der Musikschule Oberhausen ist ein Kreis von Menschen mit und ohne Behinderung. Nun sagte Gründerin Claudia Schubert ade.

39 Jahre lang war Claudia Schubert Lehrerin an der Städtischen Musikschule. Sie führte dort die Arbeit mit behinderten Kindern ein. Ihr „Kind“ dort ist der Inklusionskreis Regenbogengruppe, ein Musik-Ensemble von Behinderten und Nichtbehinderten. Mit einem gemeinsamen Konzert mit der Jazz-Rock-Pop-Band des Landespolizeiorchesters NRW wurde Claudia Schubert am Samstagnachmittag im Saal der Musikschule Im Lipperfeld in den Ruhestand verabschiedet.

Vor Konzertbeginn probte das 20-köpfige Ensemble noch einmal fleißig. „Can you feel the Love tonight“ aus dem Film „Der König der Löwen“ ertönte da zum Beispiel. Und als später Hans Steinmeier, der Chef der Polizei-Kombo, die Probe übernahm und „Du bist das Beste, was mir je passiert ist“ dirigierte, da umarmten sich Claudia Schubert und ihr Mann Hans-Jürgen. Denn ohne ihn hätte sie in den letzten 27 Jahren nicht einen großen Teil ihrer Freizeit in diese Ar­beit investieren können.

Zahlreiche Ausflüge und Konzerte

Da wurde nicht nur jeden Freitag außerhalb der Schulferien geprobt. Zahlreiche Ausflüge und Konzert-Vorbereitungen standen an. An Auszeichnungen für diese Vorreiterrolle in Sachen Inklusion fehlt es nicht. Sie reichen vom Fernsehpreis der Sendung „Unsere Welt, das Spiel“ zum Zehnjährigen im Jahre 2000 bis zum Lions-Förderpreis für die Entwicklung von neuen inklusiven Konzepten 2015.

Dabei musste Claudia Schubert zunächst dafür kämpfen, überhaupt die Musik zum Beruf machen zu dürfen. „Mein Vater war Buchhalter und hätte mich lieber bei einer Bank gesehen“, erzählte sie. Aber die Mutter förderte ihr Talent, sorgte dafür, dass sie als Kind Klavier und Blockflöte lernte und das schließlich auch studieren durfte. Im Jahr 1978 stellte sich mit einer Festanstellung bei der städtischen Musikschule damit auch der berufliche Erfolg ein. Der Vater war versöhnt.

Kontakt mit Behinderten bekam Claudia Schubert als 16-Jährige. Damals begleitete sie Jugendfreizeiten des Katholischen Bildungswerks. „Ich erkannte, dass man mit Musik wirklich jeden erreicht.“

In ihrer Freizeit bildete sie sich entsprechend fort und als die Mutter von Anna, einem geistig behinderten Mädchen, nach einem entsprechenden Angebot bei der Musikschule fragte, war das 1990 die Geburtsstunde des Inte­grations­kreises. Anna ist mittlerweile 44 und noch immer dabei.

Für ein Musical das Laufen gelernt

Sommer- und Wochenend-Work­shops wurden abgehalten. Ohne weitere Nichtbehinderte ging es nicht. Die aber mussten anfangs lernen, sich zurückzunehmen. „Be­hinderte gehen mit mehr Gefühl an Musik heran“, erklärte Schubert. Nichtbehinderte dage­gen seien bestrebt, ihr Können zu zeigen. Es gelang ihr, beides in Einklang zu bringen.

Viele der jungen Leute haben soziale Berufe ergriffen. „Wir haben heute drei Logopäden und zwei Ergotherapeuten in unseren Reihen“, sagte die 61-Jährige. Und dann galt es, am Schicksal der Familien Anteil zu nehmen. Florian zum Beispiel, der geistig behindert ist, wurde vor Jahren zwölf Stunden lang am Gehirn operiert. Ein sehr belastendes Ereignis. Und es ereigneten sich regelrechte Wunder. „Robin, der halbseitig gelähmt ist, hat für ein Musical das Laufen gelernt“, berichtete Schubert. Seien es anfangs nur vier Schritte auf der Bühne gewesen, so könne er heute selbstständig laufen.

Mehr Zeit fürs Private

Niko (23), seit 17 Jahren dabei, erinnerte sich noch genau, wie er als kleiner Junge für den Initiativkreis „entdeckt“ wurde. „Ich war in Holten als Cowboy verkleidet“. Heute spielt er dort Schlagzeug und Cajon, die Holztrommel. Daniela (34), eine Sprachtherapeutin, steuert ihr Querflöten-Spiel bei und Christina (23), noch in der Berufsausbildung, ist die Lead-Sängerin. Für sie alle ist der Initiativkreis eine feste Größe in ihrer Freizeit - nur dass sie in Zukunft ohne Claudia Schubert auskommen müssen. Denn die möchte sich zwar im Ruhestand weiterhin engagieren, aber auch mehr Zeit fürs Private haben. Wie es am Samstag hieß, führen Volker Buchloh, der Leiter der Musikschule, und Gitarrenlehrer Markus Kaiser die Gruppe weiter.

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