Männergesundheit

„Movember“: Oberhausener Ärzte unterstützen weltweite Aktion

Mit solch formschönen Schnäuzern machen Männer weltweit auf Themen der Männergesundheit aufmerksam. (Symbolbild)

Mit solch formschönen Schnäuzern machen Männer weltweit auf Themen der Männergesundheit aufmerksam. (Symbolbild)

Foto: mr_cotta / Getty Images

Oberhausen.  Rund um den Globus wachsen im November die Schnurrbärte: Mit der Aktion soll auf Themen der Männergesundheit aufmerksam gemacht werden.

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Der November gehört den Bartträgern. Warum? Viele Männer lassen sich in diesem Monat einen Schnurrbart wachsen, um auf Themen der Männergesundheit aufmerksam zu machen, über die kaum jemand spricht: Prostata- und Hodenkrebs, psychische Erkrankungen und Suizid. So wird der November zum „Movember“. Hinter dem Begriff, der sich aus dem englischen Wort für Schnäuzer, nämlich „moustache“ und dem Monatsnamen November zusammensetzt, steckt eine weltweite Kampagne, an der Einzelpersonen, Firmen oder Vereine teilnehmen können, um Spenden für Forschung und Prävention zu sammeln. Zwei Oberhausener Ärzte über eine heitere Aktion mit ernstem Hintergrund.

„Alles, was mit Wasserlassen, rektaler Untersuchung und mit Geschlechtsorganen einhergeht, ist nach wie vor ein Tabuthema“, sagt Sebastian Schmidt, Chefarzt der Urologie am Evangelischen Krankenhaus Oberhausen (EKO) – und Bartträger. Für ihn ist der „Movember“ eine gute Kampagne. „Wir brauchen mehr Öffentlichkeit auf diese Art und Weise.“

70.000 Männer erkranken im Jahr an Prostatakrebs

Und auch Dr. Jörg Signerski-Krieger, Chefarzt des Kompetenzzentrums für seelische Gesundheit am Katholischen Klinikum Oberhausen (KKO), stellt fest: „Psychische Erkrankungen, gerade bei Männern, werden heute immer noch stigmatisiert.“

Die Fakten sprechen für sich: Prostatakrebs ist die in Deutschland am häufigsten diagnostizierte Krebsart bei Männern. Nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts erkranken jedes Jahr rund 70.000 Männer daran. Hodenkrebs trifft vor allem die Jüngeren. Es ist die häufigste Krebsart bei Männern zwischen 20 und 40 Jahren. Und was die psychische Gesundheit anbelangt, so zeigte sich zuletzt im September anhand aktueller Zahlen des Bundes, dass drei Viertel aller Selbstmorde von Männern begangen werden – knapp 7000 (Frauen: über 2000).

Der heute gerade bei jungen Männern nicht mehr allzu häufig auftretende Oberlippenbart soll also dabei helfen, genau dies anzusprechen. Seit 2013 folgten bislang mehr als fünf Millionen Menschen dem Aufruf der australischen „Movember Foundation“. Und auch in diesem Jahr starten zahlreiche Männer wieder glattrasiert in den November und lassen seitdem die Gesichtsbehaarung nur so sprießen. Das veränderte Aussehen soll auffallen und im besten Fall dazu dienen, Menschen in ein Gespräch rund um die sonst vernachlässigten Gesundheitsthemen zu verwickeln. Wenn dann noch die Spendenkasse klingelt, umso besser. Die klingelt vor allem umso lauter bei Events und Wettbewerben, wie etwa dem „Run For Movember“, der in unserer Region am 23. November in Hagen stattfindet.

Wenig Sensibilität im Umgang mit Hodenkrebs

„Männergesundheit ist ein Modethema, worunter relativ viel gefasst wird“, erklärt Urologe Sebastian Schmidt. „Darunter fallen auch so Begriffe wie die ‘Wechseljahre des Mannes’, also altersbedingte hormonelle Veränderungen, und alles, was damit einhergeht, wie zum Beispiel Erektionsstörungen.“ Alles Dinge, über die Mann nicht gern spricht.

Es sei erstaunlich, wie wenig Sensibilität heute bei jungen Männern beispielsweise in Sachen Hodenkrebs vorherrscht. „In der Regel bemerkt die Freundin etwas“, weiß Sebastian Schmidt. Bei Prostataerkrankungen sei es zudem tückisch, dass diese anfangs keine Symptome zeigten und der Patient jahrelang zunächst keine Schmerzen verspüre.

„Das betrifft vor allem die ‘mittelalten Männer’, die mitten im Berufsleben stecken und wenig Gedanken daran verschwenden, zur Vorsorge zum Urologen zu gehen.“ Immer noch gelten Männer als Vorsorge-Muffel. Viele wüssten dem Experten zufolge auch gar nicht, dass die Prostata-Vorsorge zwischen dem 45. und 50. Lebensjahr begonnen werden sollte. So ließe sich Schlimmeres vermeiden.

Psychische Erkrankungen werden als Schwäche ausgelegt

Es sind aber nicht nur die körperlichen Probleme der Männer. Bestimmte archaische Vorstellungen von Männlichkeit prägen den Umgang mit psychischen Leiden und machen es vielen Menschen schwerer, sich Hilfe zu holen. „Erkrankungen wie etwa Depression oder Burnout werden nach wie vor als Schwäche ausgelegt“, sagt Jörg Signerski-Krieger, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie. Es fehle ein grundlegendes gesellschaftliches Verständnis dafür, dass es etwas Positives ist, wenn sich jemand um „seine psychische Gesundheit kümmert, sich professionelle Hilfe sucht und etwas macht“ – das gelte für Männer wie für Frauen.

Kampagnen wie der „Movember“ tragen laut Signerski-Krieger dazu bei, ein Stück weit mitzuhelfen, die Sichtweise auf solche Gesundheitsthemen zu verbessern.

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