Alltag mit Hindernissen

Mehr Menschen mit Behinderung finden in Oberhausen Arbeit

Die Weiterbildungsangebote im Jobcenter sind für Menschen mit Behinderung die gleichen wie für Arbeitssuchende ohne Handicap.

Die Weiterbildungsangebote im Jobcenter sind für Menschen mit Behinderung die gleichen wie für Arbeitssuchende ohne Handicap.

Foto: Tom Thöne

Die Agentur für Arbeit hat 2017 zehn Prozent mehr vermittelt als 2016. Trotzdem zögern viele Arbeitgeber, Mitarbeiter mit Handicap einzustellen.

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19 144 Oberhausener waren 2016 arbeitslos, 1247 von ihnen haben eine Behinderung – das sind 6,5 Prozent. Obwohl mehr Arbeitgeber Menschen mit Behinderung einstellen, ist die Jobsuche mit Handicap schwierig. 2016 brauchten Schwerbehinderte im Schnitt ein halbes Jahr länger (181 Tage), um eine neue Stelle zu finden als Arbeitssuchende ohne Behinderung.

Judith Seibert, Teamleiterin für Rehabilitation und schwerbehinderte Menschen bei der Arbeitsagentur Oberhausen, kümmert sich darum, diesen Menschen den passenden Job zu vermitteln und arbeitet eng mit Arbeitgebern zusammen. Im Interview spricht sie über Potenziale, Vorurteile und Ziele.

Die Beschäftigungszahlen von Menschen mit Behinderung sind in den letzten Jahren stetig gestiegen. Warum finden immer mehr Menschen einen Job?

Judith Seibert: Das Erkennen der Potenziale der Menschen mit Behinderung wird mit dem Fachkräftebedarf und der Suche nach geeigneten Mitarbeitern immer größer. Es öffnen sich jetzt mehr Arbeitgeber. Wir haben im Jahr 2017 unsere Integrationen im Vergleich zum Vorjahr um zehn Prozent steigern können. Das war schon eine tolle Entwicklung.

Trotzdem liegt die Arbeitslosenquote bei den Schwerbehinderten höher als bei der Gesamtbevölkerung. Was muss noch getan werden, um mehr Menschen mit Behinderung auf dem Arbeitsmarkt zu integrieren?

Wenn Menschen mit Behinderung arbeitslos werden, dann haben sie im Vergleich zu den nichtbehinderten Menschen leider immer noch Wettbewerbsnachteile. Es herrschen nach wie vor die Vorurteile, dass gesundheitliche Einschränkungen Arbeitsunfähigkeitszeiten nach sich ziehen, dass man nicht so leistungsfähig und vermeintlich nicht so qualifiziert ist. Dem ist aber nicht so. Und diese Vorurteile abzubauen, ist eine ganz, ganz große Herausforderung für uns. Einige Arbeitgeber, wie etwa die Firma Timm Fleisch– und Wurstwaren, unser Inklusionspreisträger, haben die Potenziale erkannt. Wir müssen aber noch mehr überzeugen, das ist unsere Hauptaufgabe.

In welche Branchen können Menschen mit Behinderung vermittelt werden?

In allen Branchen, vorausgesetzt der Ansatz ist gesundheitlich geeignet. Behinderte Menschen, die seit Geburt eingeschränkt sind, haben einen Beruf erlernt, den sie mit ihren gesundheitlichen Einschränkungen ausüben können. Bei anderen tritt die gesundheitliche Einschränkung erst im Laufe ihres Lebens auf, dann ist eine berufliche Neuorientierung, wie eine Umschulung, angezeigt oder es bedarf der Nischenarbeitsplatzsuche.

Wie unterstützen Sie die Arbeitgeber?

Bei der Vermittlung in Arbeit muss beachtet werden, dass der Arbeitsplatz geeignet ist. Unsere Aufgaben sind die Vermittlung geeigneter Mitarbeiter, die Beratung vor Ort, die Förderung von technischen Arbeitshilfen zu 100 Prozent und das Angebot eines finanziellen Ausgleichs, wenn eine weitergehende Einarbeitung erforderlich wird.

Welche Weiterbildungsangebote gibt es für Menschen mit Behinderung?

Die Weiterbildungsangebote richten sich nach dem Qualifizierungsbedarf und unterscheiden sich nicht von den Angeboten für nichtbehinderte Menschen.

Inwiefern stehen sie nach einer erfolgreichen Vermittlung mit dem Arbeitgeber und dem Arbeitnehmer in Kontakt?

Wir bieten eine Nachbetreuung an. Im Rahmen der Nachbetreuung kann auch weitergehende Begleitung oder Stabilisierung initiiert werden. Die Nachbetreuung nehmen wir dann auch zeitgleich wieder zum Anlass, mit dem Arbeitgeber weitere Möglichkeiten der Einstellung behinderter Menschen auszuloten.

Was sind ihre Ziele und Wünsche für die Zukunft?

Ich habe drei Wünsche. Erstens möchten wir, dass Inklusion auch in die Arbeitswelt dringt. Ab 2018 tritt das Bundesteilhabegesetz in Kraft. Die Umsetzung gut zu meistern, das ist mein zweiter Wunsch. Und der dritte Wunsch ist, dass wir für unsere Menschen noch erfolgreicher werden als wir es dieses Jahr schon waren. Dass noch mehr Menschen eine Beschäftigung aufnehmen. Das ist unser Hauptjob und das, was uns Freude macht.

>>>Diesen Personenkreis betreut Judith Seibert

Judith Seibert und ihr Team von der Agentur für Arbeit betreuen Oberhausener Arbeitslose, die einen Grad der Behinderung (GdB) von 50 oder mehr in ihrem Schwerbehindertenausweis eingetragen haben.

Außerdem sind sie für die Vermittlung von Menschen mit einem GdB zwischen 30 und 50 zuständig, die den Schwerbehinderten gleichgestellt sind.

Die dritte Gruppe, die im Bereich Rehabilitation und Schwerbehinderte Menschen betreut werden, sind solche Arbeitslose, die keine Behinderung haben, beim Wiedereinstieg in den Job aber besondere Unterstützung benötigen.

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