Soziale Kultur

Mehr Gemeinsinn im Oberhausener „Oberhaus“ ermöglichen

Die Studentinnen (v.li.) Lotti , Yunkyung, Laura, Tinna und Shin haben aus altem Hanfseil eine Hängematte geflochten. Bewohner Endurance probiert sie aus.

Foto: Gerd Wallhorn

Die Studentinnen (v.li.) Lotti , Yunkyung, Laura, Tinna und Shin haben aus altem Hanfseil eine Hängematte geflochten. Bewohner Endurance probiert sie aus. Foto: Gerd Wallhorn

Oberhausen.   16 Studenten der Akademie der Bildenden Künste in Den Haag befassten sich mit dem Zusammenleben im Hochhaus an der Friedrich-Karl-Straße.

Sie haben es ironisch „Oberhaus“ getauft, das alte Hochhaus zwischen Friedrich-Karl-Straße und Saporishjaplatz. Es wird trotz seiner Größe gern übersehen, denn hier wohnen sozial schwächere Menschen und viele Zuwanderer. Genau deshalb rückt Kitev, der Verein Kultur im Turm, es in den Mittelpunkt seiner Arbeit. Er lud jetzt Studenten der Königlichen Akademie der Bildenden Künste aus Den Haag ein, Ideen für das Haus zu entwickeln. Am Donnerstag präsentierten sie ihre Ergebnisse.

Professor Hans Venhuizen hat in Den Haag den Lehrstuhl für Inte­rior Architecture inne. „Es wäre falsch, das mit Innenarchitektur zu übersetzen. Wir beschäftigen uns damit, wie der Mensch sich zum Raum verhält“, sagt der Niederländer. Eine Art Verschmelzung von Architektur und Sozialwissenschaften.

Tour durchs Ruhrgebiet

Zu Beginn des Projekts hat Venhuizen seinen 16 Studenten das Ruhrgebiet gezeigt. Für den Professor ist die Zusammenballung von Wohnstätten, Industrie- und Verkehrsanlagen weltweit einmalig. Jeder Student bei ihm sollte es gesehen haben. Mittendrin das Oberhaus: 82 Appartements, meist nur 30 Qua­drat­meter groß, auf zwölf Etagen. „Ich war entsetzt von dem vielen Müll im Flur“, berichtet Studentin Janneke aus Den Haag. Überall liegen die zahlreich eingeworfenen Wurfsendungen herum.

Die Gruppe, die sich damit beschäftigt hat, baute eine Holzkiste für das Altpapier, die künftig neben den Briefkästen steht. Und sie rollte die Werbeprospekte mit Hilfe von Gummi aus alten Fahrradschläuchen zu Bündeln zusammen, aus denen Sitzgelegenheiten im Flur entstanden.

Problem: das fehlende Miteinander

Denn als Hauptproblem im Haus erkannten die Studenten das fehlende Miteinander seiner Bewohner. Auf engstem Raum hätten sie nicht mal Gelegenheit, Besuch zu empfangen, obwohl das gerade für die Zuwanderer wichtig wäre. Also kam einer zweiten Arbeitsgruppe die Idee, eines der von Kitev angemieteten Appartements zu ei­ner Art Gästezimmer umzufunktionieren. Aus altem Hanfseil vom Mülheimer Hafen knoteten die Studenten zwei eindrucksvolle Hängematten, auf denen Besucher künftig übernachten können.

„Wenn sie mit dem Master-Studium fertig sind, sollen sie nicht nur Super Lofts in Dubai planen“, sagte Hans Venhuizen. Übrigens haben auch fünf Bewohner des Hauses an dem Projekt mitgewirkt.

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