Kürzungsprogramm

MAN-Stellenabbau: Oberhausen verliert Hunderte Arbeitsplätze

Der Rotor eines Axialkompressors, der in Oberhausen hergestellt wird. Die Hightech-Maschinen verdichten große Mengen Luft oder anderer Gase.

Der Rotor eines Axialkompressors, der in Oberhausen hergestellt wird. Die Hightech-Maschinen verdichten große Mengen Luft oder anderer Gase.

Foto: MAN Energy Solutions

Oberhausen.  Schock für alle Mitarbeiter des Maschinenbauers MAN Energy Solutions (MAN Turbo): Im Werk Oberhausen werden viele Arbeitsplätze eingespart.

In einem einzigartigen Sparprogramm verordnet der in Augsburg sitzende Maschinenbauer MAN Energy Solutions SE (früher MAN Diesel & Turbo) seinen Werken und Zentralen weltweit den Abbau von knapp 4000 Arbeitsplätzen, davon sollen bis zu 3000 allein in Deutschland wegfallen, bis zu 560 in Oberhausen. Den Produzenten von Großdieselmotoren und Turbomaschinen trifft die durch die Corona-Pandemie verstärkte weltweite Auftragsflaute hart.

„Wir müssen uns auf ein längerfristig schwieriges Marktumfeld einstellen“, sagte Vorstandschef Uwe Lauber am Mittwoch. „Wichtige Geschäftsfelder des Unternehmens wie das Kreuzfahrtgeschäft sind unmittelbar von den wirtschaftlichen Folgen der Covid-19-Pandemie betroffen, und wir rechnen erst 2023 mit einer Erholung auf das Vorkrisen-Niveau.“

Am Mittag wurden an allen Standorten (in Deutschland: Berlin, Hamburg, Oberhausen, Augsburg) Belegschaftsversammlungen durchgeführt, um möglichst alle der weltweit rund 14.000 Mitarbeiter über die Stellenabbau-Pläne zu informieren. Durch die Hygiene-Bestimmungen in der Corona-Pandemie ging das nur in mehreren kleineren Belegschaftsversammlungen, viele Informationen flossen über Videokonferenzen.

MAN beschäftigt 1800 Menschen in Oberhausen

Nach den Informationen der Redaktion sollen allein im zweitgrößten und ältesten deutschen Werk von MAN ES, im Sterkrader Werk an der Steinbrinkstraße in Oberhausen, zwischen 460 und 560 Arbeitsplätze wegfallen – das entspräche etwa einen Verlust an wertvollen Industrie-Arbeitsplätzen von knapp einem Drittel. Aus Konzernkreisen wurde diese Zahl bestätigt. Derzeit arbeiten in Oberhausen für MAN 1800 Beschäftigte.

Die Werke in Berlin und Hamburg sollen ganz aufgegeben werden, wie aus Konzernkreisen zu vernehmen war. Am Konzernsitz in Augsburg sollen 1800 der rund 4000 Stellen abgebaut werden. Der Maschinenbauer macht sich schlank, um einen Käufer zu finden. Denn der Mutterkonzern VW hat seine Tochter MAN Energy Solutions im vergangenen Jahr zum Verkauf gestellt.

Sparprogramm über 450 Millionen Euro jährlich

Das Unternehmen will durch diesen „Zukunftsprogramm“ genannten Sparkurs seine Kosten um jährlich 450 Millionen Euro senken. Zahlen zu einzelnen Standorten nannte das Unternehmen nicht, teilte aber mit, der Vorstand gehe davon aus, dass sein Programm „den Abbau von rund 3000 Arbeitsplätzen in Deutschland und 950 im Ausland zur Folge“ haben werde. Dies solle „weitestgehend sozialverträglich erfolgen, betriebsbedingte Kündigungen können jedoch nicht gänzlich ausgeschlossen werden“.

Gesamtbetriebsratschef Werner Wiedemann betonte dagegen, beim Stellenabbau müssten betriebsbedingte Kündigungen „definitiv ausgeschlossen werden – so wie es im gesamten VW-Konzern üblich ist.“ Die Arbeitnehmervertretung fordert zudem den Erhalt aller Standorte in Deutschland. Jörg Schlüter, Geschäftsführer der IG-Metall-Region Mülheim-Essen-Oberhausen, sagte, besonders in Oberhausen als Wiege der Ruhrindustrie müsse es „gelingen, qualitativ hochwertige Arbeitsplätze zu erhalten. Zumal davon nur noch so wenige im Ruhrgebiet vorhanden sind“.

Oberhausen soll wichtiger Standort bleiben

In Oberhausen werden Dampf- und Gasturbinen sowie Kompressoren und Expander gefertigt. Unternehmenschef Uwe Lauber hatte erst im Februar im Interview mit unserer Zeitung betont, der Ruhrgebiets-Standort sei „ein wichtiger Bestandteil unserer Zukunftsstrategie“. Denn für den Bau von Energiespeichern, wie sie künftig für die Energiewende verstärkt benötigt werden, seien „Turbomaschinen erforderlich, wie wir sie in Oberhausen bauen“. Aus dem Konzern ist zu hören, dass sich daran nichts geändert habe.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben