Religionen

Liberale Juden in Oberhausen feiern das Ende des Schabbats

Zum Ritual beim Ausklang des Schabbats gehört bei den Juden die Entzündung der Hwdala-Kerze. Rechts im Bild Natascha Verzbovska, die Rabbinerin.

Zum Ritual beim Ausklang des Schabbats gehört bei den Juden die Entzündung der Hwdala-Kerze. Rechts im Bild Natascha Verzbovska, die Rabbinerin.

Foto: Kerstin Bögeholz

Oberhausen.   Und dazu waren auch Vertreter des öffentlichen Lebens in der Stadt in das Gemeindezentrum am Friedensplatz eingeladen

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Seit zwölf Jahren gibt es in Oberhausen wieder eine Jüdische Gemeinde. Die Liberale jüdische Gemeinde „Perusch“ ist am Friedensplatz, direkt gegenüber vom Polizeipräsidium, ansässig. Gemeinsam mit Vertretern des öffentlichen Lebens feierte sie dort am Samstagabend das Ende des Schabbats, des siebten und damit des Ruhetags der Woche.

Und dazu hatten eifrige Frauen der Gemeinde Speisen aus dem jüdischen Kulturkreis zubereitet, Kichererbsenbällchen oder knusprige Teigtaschen zum Beispiel und ein Fischgericht. Das ließen sich Ingolf Möhring, der neue Polizeipräsident, aber auch Bürgermeister Klaus-Dieter Broß schmecken.

„Bei uns stehen zehn Polizeiautos vor der Tür“

Mit hintergründigem Humor führte Lev Schwarzmann, der Vorsitzende der über 120 Mitglieder zählenden Gemeinde, durch den Abend. „Vor anderen jüdischen Gemeindehäusern steht nur ein Polizeiauto. Bei uns sind es zehn“, meinte er in Anspielung darauf, dass es für Juden immer noch nicht ungefährlich ist, sich zu treffen.

Hauptsächlich Auswanderer jüdischer Abstammung aus ehemaligen Teilrepubliken der Sowjetunion gehören der Gemeinde an. Sie vollziehen gemeinsam die religiösen Rituale, bilden sich in der Kenntnis der Thora, des Alten Testaments, fort, schätzen aber auch die Geselligkeit. Das kam in den beschwingten musikalischen Darbietungen zwischendurch zum Ausdruck. „Perusch“ bedeutet „Auslegung/Deutung“.

Und dafür ist am Friedensplatz hauptsächlich Natascha Verzbovska, die Rabbinerin, zuständig. Dass eine Frau die religiöse Führungsrolle inne hat, verdankt die Gemeinde ih­rer liberalen Ausrichtung. „Deutschland ist die Heimat des liberalen Judentums“, rief sie in Erinnerung. 1817 entstand in Hamburg die erste liberale jüdische Synagoge. Liberale Juden beschränken die Rolle der Frau nicht auf Kinder und Familie. Und sie räumen der religiösen Bildung des Nachwuchses hohen Stellenwert ein.

Mit dem Entzünden der Hwdala-Kerze im Innenhof der Gemeinde leitete die Rabbinerin am Ende in die neue Woche über. Die Christen haben davon den Sonntag übernommen.

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