Kultur

Leuchterweibchen in Oberhausen waren nicht mal allen Experten bekannt

Das prominenteste Stück dieser Gattung, das es überhaupt gibt: der Drachenleuchter. Foto: Hayrettin Özcan

Das prominenteste Stück dieser Gattung, das es überhaupt gibt: der Drachenleuchter. Foto: Hayrettin Özcan

Foto: WAZ FotoPool

Oberhausen.  In der Ludwig Galerie in Oberhausen wird bis zum 17. April die Ausstellung "Artefakt und Naturwunder" gezeigt. Mit dabei: Leuchterweibchen aus mehreren Jahrhunderten. Es handelt sich um eine Kunstform, die nicht mal allen Experten bekannt war.

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Es ist vollbracht: Die Einraumausstellung „Artefakt und Naturwunder“ mit dem prächtigen Leuchterweibchen aus dem 16. Jahrhundert als Galionsfigur lässt eine vergessene Kunstgattung auferstehen. Was haben diese wundersamen Geweihleuchter in der Roy-Lichtenstein-Präsentation zu suchen? „Es ist Anliegen unseres Hauses, besonderen Einzelstücken aus der Sammlung Ludwig eine Bühne zu geben und zu zeigen, dass Irene und Peter Ludwig in allen Zeiten Qualität sammelten“, so die Galerie-Leiterin Dr. Christine Vogt.

Sie waren große Fans der Pop Art, aber eben auch fasziniert von dem Charme der Kombination aus besonderem Gehörn und geschnitzter Skulptur, meistens mit einem Wappen kombiniert.

"Es gibt immer etwas zu entdecken."

„Es gibt immer etwas zu entdecken“, gab Kulturdezernent Apostolos Tsalastras zu, dass diese außergewöhnliche Kunstform auch für ihn Neuland ist. So ging es auch dem Team von Christine Vogt und der Dozentin ihrer Praktikantin, die Kunstgeschichte studiert. „Von Leuchterweibchen hatte sie noch nie etwas gehört.“

Beeindruckt von der Qualität des Exemplars aus der Sammlung Ludwig, seit 1994 als Dauerleihgabe im Aachener Suermondt-Ludwig-Museum, mit dem unsere Ludwig Galerie kooperiert, war auch Kuratorin Dr. Dagmar Prei­sing. Sie entdeckte, dass es sich bei Geweihleuchtern um ein wenig erforschtes Gebiet handelt und begab sich gemeinsam mit ihrem Kollegen Michael Rief auf Entdeckungstour. Preising: „Seit zehn Jahren sammeln wir Material, haben über 100 Beispiele gefunden, zum Teil lagern sie in Museumsdepots“.

Gut lesbarer Katalog zur Ausstellung

Ergebnisse ihrer Arbeit enthält der Katalog zur Ausstellung. Mit vielen Abbildungen wird die Geschichte der Geweihleuchter von ihren Anfängen im 14. Jahrhundert bis hin zu ihrem Verschwinden im 20. Jahrhundert erzählt. Christine Vogt ist sicher, dass der Bildband, der gleichzeitig der Katalog zur Ausstellung ist, „ein Standardwerk“ geworden ist. Gut lesbar übrigens, verständlich und interessant auch für Laien.

Doch wenden wir und wieder den Werken zu, die bis zum 17. April im Schloss zu sehen sind.

Da hängt zum Beispiel „das prominenteste Stück dieser Gattung, das es überhaupt gibt“, so Vogt: der Drachenleuchter aus dem Jahr 1522 von Veit Stoß nach einem Entwurf von Albrecht Dürer, der ebenfalls zu den Exponaten zählt. „Erstmals nach über 20 Jahren sind Entwurf und Ausführung wieder vereint“, heißt es im Katalog.

Ein weiteres Exemplar, das zeigen zu können, Christine Vogt und ihr Team mit Stolz erfüllt, ist das Leuchterweibchen aus Lemgo, das nach bisherigen Erkenntnissen früheste bekannte erhaltene Werk dieser Art aus dem 14. Jahrhundert. Ursprünglich hing es im Südschiff der Markuskirche, später zierte es das Rathaus, heute ist ist es im Besitz des Museums Hexenbürgermeisterhaus.

Leuchterweibchen und Leuchtermännchen

Ein wunderschönes Beispiel für ein Leuchterweibchen sa­kraler Ausprägung die Anna Selbdritt-Büste (um 1520) auf einem enorm monströsen Geweih mit einem wunderbaren Wappen. „Es gab Leuchter mit sakralen Motiven in Bürger- oder Rathäusern und Leuchter mit weltlichen Motiven hingen auch in Kirchen“, erklärte Dagmar Preising eine Besonderheit. Und: Es gibt auch Leuchtermännchen. „Wilder Mann“, ein so genannter Schreckkopf aus dem 16. Jahrhundert, ist ein prächtiger Vertreter dieser Spezies, entliehen aus dem Schlossmuseum Jever. Ausstellungseröffnung ist am Sonntag, 6. Februar, um 11 Uhr.

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