Kultur für Jugendliche

Kulturscouts sollen Schüler mit der Lust auf Kunst anstecken

Kid Tight Eyez mit seinem Tanz-Workshop beim Startschuss für die „Kulturscouts“ im Oberhausener Kaisergarten.

Kid Tight Eyez mit seinem Tanz-Workshop beim Startschuss für die „Kulturscouts“ im Oberhausener Kaisergarten.

Foto: Christoph Wojtyczka / FUNKE Foto Services

Oberhausen.  Wie Pfadfinder: Oberhausens erste „Kulturscouts“ sollen die Kunst für andere junge Menschen aufspüren. Ein Jahr auf der Suche nach Kultur.

Sie bekommen eine Karte, sie bekommen ein Heft mit etlichen Workshops zur Auswahl – und sie bekommen ein Jahr Zeit. Reicht das, um Oberhausens Jugend zu Schauspielern, Malern oder Tänzern zu formen? Vielleicht ja, vielleicht nein – aber vermutlich werden die ersten „Kulturscouts“ der Stadt so viel Kunst und Kreativität aufspüren, dass sie ihrem Titel mühelos gerecht werden. Von einem Plan für mehr Kultur und 48 Achtklässlern aus fünf Oberhausener Schulen, die für die Ausführung enorm wichtig sind.

Die Panorama-Galerie ist voll von Bildern – und an diesem Tag voller von Menschen. Das Schloss Oberhausen und seine Ludwiggalerie als Startort auszuloben, war keine schlechte Idee. Der barocke Bau und die Bilder, Gemälde und Fotos darin triefen schließlich aus jeder Pore nach Kunst. Ein paar Schüler gießen sich durstig ein Wasser ein, denn der helle Raum ist für Jugendliche, Kunstschaffende und Politiker der Stadt recht stickig. Die Luft hat sich aufgeheizt, als der erste Redner verspricht, sich kurz zu fassen.

Kulturscouts: Alle machen mit

„Wir haben so viele Kunsteinrichtungen in Oberhausen – doch das Besondere ist, dass alle einen eigenen Schwerpunkt für Kinder und Jugendkultur haben“, erklärt Kulturdezernent Apostolos Tsalastras. Applaus. Bei „School at Culture“, dem Motto des Kulturscout-Projekts, wird deutlich: Es geht um die nächste Generation und dafür machen alle mit. Lichtburg, Theater, Volkshoch- und Musikschule, Stadtarchiv, LVR, Bürgerfunk, Ludwigalerie und sogar die Kurzfilmtage bieten bis zum nächsten Sommer allen Teilnehmern in fünf Modulen Workshops an.

20.000 Euro NRW-Fördermittel fließen pro Jahr in das Pilotprojekt. Brücken sollen dadurch entstehen, gebaut durch die Kulturscouts: Schulen sollen sich austauschen, Mitschüler für Kunst begeistert werden und die Kultur Oberhausens nach Plan dadurch gestärkt. Weil das jedoch Zeit benötigt und ein Jahr schneller vorbei sein kann als gedacht, beginnen die ersten Workshops für die Kulturscouts gleich an Ort und Stelle.

#upcyling: Junge Kunst für junge Leute

„Wann sollen wir wieder hier sein“, fragt Mara Henni Klimek. „In einer Stunde, bitte.“ Die Künstlerin hält ihr weißes Papier mit der Aufschrift Hashtag #objektkunst hoch über ihren Kopf und eine kleine Gruppe Jugendlicher folgt ihr brav aus der Panorama-Galerie hinaus. Mara Henni Klimeks Spezialität ist Upcycling, also aus alten Dingen, neuwertige Produkte schaffen. Bühnen- und Kostümbildnerin ist sie ebenfalls.

Damit passt sie perfekt ins Profil des Projekts: Sie ist jung und sie benötigt kaum etwas, um kreativ zu sein und den Schülern zu zeigen, woraus Kunst formbar ist. Mit der Körperkunst von Kollege Kwame Osei, der Smartphonekunst von Merlin Morzeck und der formulierten Kunst von Marco Jonas Jahn sieht das ähnlich aus. Kleiner Aufwand, große Kunst. Doch auch die, mit Verlaub, ältere Generation Künstler hat den Kulturscouts einiges zu zeigen.

Die erfahrene Generation ist jetzt schon begeistert

Volker Buchloh zum Beispiel kennt jeder in der Stadt. Musik und er: Das ist in Oberhausen unzertrennlich miteinander verwoben. Sein Plan für den Workshop in der Musikschule steht, obwohl er noch zwei Monate Zeit hat. Instrumente ausprobieren, eigene Songs aufnehmen, spontan Orchester spielen: So will der Leiter der Musikschule den Jugendlichen die Freude an Ton und Klang vermitteln, die er selbst mit jeder Faser seines Körpers empfindet.

„Warum hat eine Trompete drei Knöpfe oder was machen Musiker eigentlich am Vormittag – auch die technischen Fragen und Geheimnisse wollen wir erklären“, sagt Volker Buchloh. Wenn die Kulturscouts ihr Heft mit den geplanten Workshops durchblättern, ist die Spannung und die Vorfreude des „alten Hasen“ zwar nicht so zu sehen wie unter vier Augen, aber die richtige Fährte haben die Kulturscouts damit schon mal aufgenommen.

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