Ausstellung

Künstler wagen neue Blicke auf Picassos Tauben und Stiere

Die „Underground“-Galeristen: Nicole Tenge und Frank Gebauer teilen sich das Atelier im Souterrain der Niebuhrg – für die Ausstellung „Picasso, Paloma y Toro“ sogar mit weiteren 13 Kreativen.

Die „Underground“-Galeristen: Nicole Tenge und Frank Gebauer teilen sich das Atelier im Souterrain der Niebuhrg – für die Ausstellung „Picasso, Paloma y Toro“ sogar mit weiteren 13 Kreativen.

Foto: Kerstin Bögeholz / Funke FotoServices

Oberhausen.  In ihrer Galerie unter der Niebuhrg zeigen Nicole Tenge und Frank Gebauer mit 13 weiteren Kreativen die Hommage „Picasso, Paloma y Toro“.

„Galerie Underground“ nennen Nicole Tenge und Frank Gebauer selbstbewusst ihr kleines gemeinsames Kelleratelier unterm Theater an der Niebuhrg – und präsentieren dort an zwei Wochenenden eine neue Sicht auf den sicher produktivsten und berühmtesten Künstler des 20. Jahrhunderts: Pablo Picasso. Wie das zusammengeht? Ganz hervorragend. Die Ausstellung „Picasso, Paloma y Toro“ mit Werken von 15 Kreativen aus Oberhausen und den Nachbarstädten spielt eigenwillig bis witzig mit den ikonischen Motiven des großen Spaniers.

Picasso selbst soll ja in den späteren Jahren seines 91-jährigen Lebens auch genervt gewesen sein von seiner Rolle als „Gebrauchsgrafiker“ für Friedenstauben. Für die Werkauswahl vor unverputzten Kellerwänden boten die Antagonisten Stier und Taube allerdings erstklassige Inspirationsquellen. „Wir waren angenehm überrascht von der Vielfalt und Qualität der Arbeiten“, sagt Nicole Tenge, die selbst Variationen streng reduzierter Stier-Häupter auf kleinen Leinwänden beisteuert. Ihr Mit-Galerist Frank Gebauer nahm sich „Paloma“ vor – meint damit aber Pablo Picassos fast ebenso berühmte Tochter: „Meine Paloma heißt Yvonne“, sagt der Pop-Artist, der mit seinem Model dem kühlen Picasso-Look ganz nahe kommt.

Das verführerische Flair surrealistischer Marionetten

Gebauer gelang sogar amüsantes Mimikry klassischer Aufnahmen von Pablo Picasso – mit Georg Overkamp als überzeugendem Lookalike. Natürlich ist der Bildhauer und Kunstpädagoge auch mit eigenen Werken im Geiste Picassos in diesem inspirierenden Untergrund präsent: In seinen Holzfiguren verbaut Overkamp – ganz wie der Meister aus Malaga – charaktervolle Fundsachen. Sie haben das verführerische Flair surrealistischer Marionetten.

Eine ikonische Fotografie, nämlich jene Aufnahme Robert Capas, die Picasso 1948 als Sonnenschirmträger für seine Geliebte Francoise Gilot zeigt, zitiert das Großformat von Thomas Weiss: Hier blickt der Betrachter in Nahaufnahme durchs löchrige Parasol. Ebenso eindrücklich das zweitgrößte Format dieser Schau gleich nebenan im schmalen Gang: Ingrid Handzliks Holzschnitt bannt in Goldfarbe auf rotbraunem Grund den Blick eines Stiers. Weitere Holzschnitte in milderen Farben variieren die Flügelschläge der Tauben.

Airbrush-Artistik auf dem Flachbildschirm

In den drei kleinen Formaten vis à vis scheinen die Farben zu explodieren. Maren Thiel tritt mit ihrer gekonnten Hommage an Picassos kubistische Phase erstmals in einer Ausstellung an die Öffentlichkeit – Chapeau! Kontrastreich variiert Monika Pöschke-Schröder das Tauben-Thema: Zum einen mit einer Silhouette ganz wie in Picassos Druck für den Weltfriedenskongress 1949, gezeichnet mit Lackstift auf Scan-Art. Zum anderen mit einer großen Collage, die auch „Taubenvatters“ Lieblingen im Revier ihre Reverenz erweist.

Agnieszka Smudas virtuose Zeichnung eines vieläugigen Stiers vibriert mit der bedrohlichen Aura der Bestie in der großen „Guernica“-Anklage. Und Andreas Bohm würdigt Picasso in einem Metier, das dem Genie fast aller bildnerischen Techniken noch gänzlich fremd war: mit Airbrush auf dem Glas eines Flachbildschirms. Seine detailreiche „Videokunst“ verlangt mehr als einen flüchtigen Blick, um darin eine der späten Atelierskizzen Picassos wiederzuerkennen – getreu seinem Motto: „Ich suche nicht, ich finde.“

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