Prämierte Kurzfilme

Knastalltag und Taxi-Absurditäten in Oberhausens Lichtburg

Zu Tisch: „A Quiet Place“ von Ronny Dörfler eröffnet das zweite Programm der Kurzfilmtour in der Lichtburg.

Zu Tisch: „A Quiet Place“ von Ronny Dörfler eröffnet das zweite Programm der Kurzfilmtour in der Lichtburg.

Oberhausen.   In der Lichtburg starten heute die drei Programme der Kurzfilmtour 2017. Zu sehen sind Nominierte und Preisträger des hoch dotierten Wettbewerbs.

Nein, Kurzfilme machen sich zwar äußerst rar auf den Leinwänden der üblichen Großkinos – sind aber dennoch nicht das exklusive Privileg der Internationalen Kurzfilmtage. Auch wenn die Perspektive in Oberhausen sicher eine andere sein dürfte. Der „Vorfilm“ wird wohl – anders als in Frankreich – leider nie mehr das Trailer-Bombardement ersetzen. Aber immerhin gibt es noch die charmante Kampagne „21.12. Der kürzeste Tag“ – und die Kurzfilmtour.

Die Kurzfilmtour 2017 (früher betitelt als Kinotournee Deutscher Kurzfilmpreis) macht von heute an Station in der Lichtburg: Bis zum 20. September präsentiert der Filmpalast in drei Programmen an insgesamt neun Terminen ein spannendes und abwechslungsreiches Programm aus den Nominierten und den Preisträgern des Deutschen Kurzfilmpreises 2016.

Die Absurditäten unserer Welt

So zeigt das Programm 1 das (nach Minuten) größte Werk, den halbstündigen Kurzfilm „Und ich so: Äh“ von Steffen Heidenreich, Student an der Filmuniversität Babelsberg „Konrad Wolf“: Der kompromisslos introvertierte Taxifahrer Klaus Grill kämpft täglich mit den Absurditäten unserer Welt, die auf der Rückbank seines Wagens Platz nehmen.

Die ebenso lange animierte Dokumentation „Agnosis“ von Anita Müller, der Hauptfilm im Programm 2, erinnert an den wahren Fall eines Studenten aus der ukrainischen Schwarzmeer-Metropole Odessa, der am orthodoxen Weihnachtstag 2012 in die Katakomben unter der Stadt eindringt, um in dem verzweigten System ehemaliger Bergbauschächte zu meditieren. Seitdem ist er spurlos verschwunden.

„Homework“ von Annika Pinske, mit sieben Minuten der kürzeste unter den Kurzfilmen im Programm 2, erzählt in exakt durchkomponierten Bildern von einem jungen Vater, seiner zwölfjährigen Tochter, einem Nachtclub, zwei Geheimnissen und einer Lüge.

Um den Strafvollzug zu dokumentieren, wählten Hannah Stragholz und Simon Steinhorst für „Ein Aus Weg“, das 20-minütige Hauptwerk im Programm 3, die Form des Animationsfilms, mit dem die Kölner aus mehreren Perspektiven eindrucksvoll erzählen.

Jedes der drei Tournee-Programme in der Lichtburg zeigt vier Kurzfilme. Programm 1 ist von heute an bis Sonntag, 17. September, jeweils um 18.30 Uhr zu sehen. Programm 2 ist eindeutig für Nachteulen: zu sehen am Freitag und Samstag um 22.45 Uhr. Programm 3 läuft in der Lichtburg von Montag, 18., bis Mittwoch, 20. September, jeweils um 18.30 Uhr.

Vergeben von Monika Grütters

Der Deutsche Kurzfilmpreis ist zwei Jahre jünger als Oberhausens Kurzfilmtage: Er wird seit 1956 verliehen und ist mit Preisgeldern von bis zu 275 000 Euro die am höchsten dotierte Auszeichnung für den Kurzfilm in Deutschland. Im November wird er von Kulturstaatsministerin Monika Grütters in fünf Kategorien vergeben. Ein halbes Jahr später geht’s auf Tournee durch deutsche Kinos.

>> DIE LOBBY FÜR DEN KURZEN FILM

Die AG Kurzfilm fungiert seit 2002 als bundesweite Interessenvertretung für den deutschen Kurzfilm. Die Kinotournee Deutscher Kurzfilmpreis gehört seit 2008 zum festen Repertoire der AG Kurzfilm und bringt im Auftrag der Kulturstaatsministerin prämierte Kurzfilme direkt zum Publikum.

Seit 2012 koordiniert die AG Kurzfilm auch die bundesweite Kampagne „21.12. Der kürzeste Tag – der Kurzfilmtag“, die den Kurzfilm in all seiner Kreativität präsentiert – und zwar abseits der klassischen Spielstätten – um so dessen Wahrnehmung in der Öffentlichkeit zu stärken. Online informiert: ag-kurzfilm.de

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