Insolvenzverfahren

Klinikum-Führung wirbt bei Patienten um Treue und Vertrauen

Der Betrieb am Katholischen Klinikum Oberhausen (KKO) geht nach Darstellung der Klinik-Leitungen ganz normal weiter. Hier besprechen sich Chefarzt Dr. Döhrmann (links) und Chefarzt Dr. Butz (2. von links) gerade bei einer Visite.

Der Betrieb am Katholischen Klinikum Oberhausen (KKO) geht nach Darstellung der Klinik-Leitungen ganz normal weiter. Hier besprechen sich Chefarzt Dr. Döhrmann (links) und Chefarzt Dr. Butz (2. von links) gerade bei einer Visite.

Foto: KKO

Oberhausen.  Im Gegensatz zu früher bedeuten Insolvenzverfahren heute eine große Chance. Gleichwohl geht das Katholische Klinikum KKO damit hohe Risiken ein.

Wenn im vorherigen Jahrhundert Unternehmen Insolvenz anmeldeten, dann sagte der Volksmund zurecht: „Die sind pleite, die sind bankrott.“ Mit anderen Worten: Da geht nichts mehr, die können nicht mehr zahlen, da ist das Aus programmiert.

Zwar ist das vorrangige Ziel eines Insolvenzverfahrens trotz diverser Gesetzesneuerungen in Deutschland noch immer, dass die Gläubiger aufgrund des vorhandenen Vermögens angemessen befriedigt werden – notfalls inklusive Zerschlagung/Verkauf des Unternehmens. Doch zugleich hat der Gesetzgeber durch mehrere Reformen festgeschrieben, dass der Betrieb möglichst saniert werden soll, um Arbeitsplätze und Angebot zu erhalten.

Besonders intensiv wird das durch eine Variante angestrebt, die „Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung“ heißt. Sie wird vom Gläubigerausschuss mit Vertretern von Banken, Gewerkschaften und der Bundesarbeitsagentur überwacht und kann vom Insolvenzgericht nur genehmigt werden, wenn überhaupt eine Perspektive besteht. Bei der Eigenverwaltung arbeitet die bisherige Geschäftsführung weiter, weil vor allem externe Gründe zur Krise führten. Auf einen Insolvenzverwalter wird dabei verzichtet, man muss allerdings einen Insolvenz-Fachmann engagieren, der die Arbeit kontrolliert.

Genau diese Variante an Insolvenzverfahren hat das Katholische Klinikum Oberhausen (KKO ) gewählt, um sich quasi am eigenen Schopf aus dem Sumpf zu ziehen. Dabei besteht durch die Kraft des Verfahrens nun die Möglichkeit, zügig teure Strukturen zu verschlanken. Als Anschub hilft dem KKO, dass die Bundesarbeitsagentur drei Monate lang sämtliche Löhne übernimmt – eine zweistellige Millionensumme. Denn die Personalkosten stellen den höchsten Aufwand für Krankenhäuser dar.

Eine gute Chance für nachhaltige Sanierung

Der neu hinzugekommene KKO-Geschäftsführer Christian Eckert versichert deshalb schriftlich nochmals, dass die Insolvenz in Eigenverantwortung eine gute Chance sei, um dringend nötige Strukturbereinigungen vorzunehmen. „Wir werden eine Lösung finden, die tragfähig für die Zukunft ist und das KKO saniert wieder auf die Beine stellen. Im September steht das Konzept.“ Dann muss auch die für viele Bürger wichtige Standortfrage geklärt sein: Bleiben die Krankenhäuser St. Josef in Alt-Oberhausen und St. Marien in Osterfeld?

Denn alle kennen genau die Risiken, die solch ein Insolvenzverfahren eben auch bedeutet: Bleiben die Patienten bei der Stange? Überweisen Praxis-Ärzte weiterhin ihre kranken Sprechstunden-Besucher an die KKO-Kliniken? Und fast noch entscheidender: Bleiben die Mediziner und die so sehr von vielen Krankenhäusern gesuchten Pflegekräfte an Bord?

Je länger solch ein Prozess dauert, desto gefährlicher wird es für das Unternehmen. Deshalb dringen die Entscheider beim Zukunftskonzept auf Eile, deshalb bittet Michael Boos, langjähriger KKO-Chef, in einer Pressemitteilung jetzt nochmal um Vertrauen, Treue und Geduld. „Unsere Patienten werden in gewohnter Qualität versorgt, von der Diagnose über die Behandlung bis hin zur Nachsorge. Einsparungen bei der medizinischen Versorgung, Personal, Hygiene, Geräte und Materialien gibt es nicht“, beteuert Boos. Die Sorgen von Oberhausenern, ob sie in den drei KKO-Hospitälern weiter eine vollständige Behandlung und Versorgung erhalten, seien unbegründet.

Alle Operationen würden weiter durchgeführt. „Unsere OPs sind ausgelastet. Der OP-Betrieb und unsere Dienste gehen normal weiter“, berichtet OP-Pflegefachkraft Susanne Schlingmann. Die Stimmung in ihrem Team beschreibt sie gegenüber der KKO-Pressestelle als zuversichtlich. „Gerade jetzt stehen wir noch enger zusammen.“

Auch in den Notaufnahmen ändert sich nach Angaben der KKO-Spitze nichts. Sie bleiben uneingeschränkt geöffnet. „Mir ist wichtig, dass unsere Patienten wissen, dass sie sich auf eine ganzheitliche Pflege in der Notfallmedizin verlassen können“ sagt Notfall-Fachpfleger Mark Wiehe.

Der neue KKO-Geschäftsführer Christian Eckert weist eindringlich darauf hin, dass das Tagesgeschäft in allen Einrichtungen weitergeht. Und Michael Boos formuliert: „Wir werden für alle Patienten ein zuverlässiger Gesundheitsversorger bleiben.“

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