Krankenhaus-Pleiten

Klinikmanager sehen einige Hospitäler im Revier vor dem Aus

Wird von der neuen Geschäftsführung des Katholischen Klinikums KKO ebenfalls überprüft: Das Marienhospital in Osterfeld.

Wird von der neuen Geschäftsführung des Katholischen Klinikums KKO ebenfalls überprüft: Das Marienhospital in Osterfeld.

Foto: Gerd Wallhorn / FUNKE Foto Services

Oberhausen.  In Ballungsräumen wie dem Ruhrgebiet stehen nach Ansicht von Oberhausener Krankenhaus-Managern etliche Kliniken auf der Kippe.

Eine deutliche Marktbereinigung der Krankenhauslandschaft in Ballungsräumen wie dem Ruhrgebiet erwarten wichtige Oberhausener Klinikmanager bereits in den nächsten drei bis fünf Jahren.

Die kürzlich veröffentlichte Bertelsmann-Studie, wonach jedes zweite von heute 1650 bundesweiten Krankenhäusern aus wirtschaftlichen und qualitativen Erwägungen geschlossen werden müsste, halten die hiesigen Wirtschaftsexperten allerdings für zu radikal.

Die Bertelsmann-Studie bestätigt im Grunde nur Gutachten der Vergangenheit mit ähnlicher Stoßrichtung. „52 Prozent der Krankenhäuser in Deutschland haben weniger als 200 Betten. Nach dem Stand der Literatur lassen sich Krankenhäuser mit weniger als 200 Betten aber im Regelfall nicht kosteneffizient betreiben“, schrieben Wissenschaftler dem Bundesfinanzministerium bereits im April 2018 ins Stammbuch. Die Kernthese: Die heutigen finanziellen Probleme der Krankenhäuser entstünden, weil es zu viele Kliniken gibt. In Deutschland kommen derzeit 6,1 Klinikbetten auf 1000 Einwohner (weltweit: 3,7). In Dänemark existieren nur ein Drittel der Krankenhausbetten für 1000 Einwohner als hierzulande. Die wenigen Hospitäler dort sind dafür viel besser ausgestattet.

Katholisches Klinikum prüft alle denkbaren Szenarien

Oberhausen blickt vor allem deshalb aufmerksam auf solche Studien, weil mit dem Insolvenzverfahren des Katholischen Klinikums KKO die Hälfte der sechs Krankenhäuser vor Ort auf dem Prüfstand steht. „Wir schauen uns alle möglichen Szenarien an - von der Ein-Standort-Lösung bis zur Drei-Standort-Lösung. Wir prüfen, was wir für Strukturen, Geräte und Personal benötigen, um langfristig zukunftsfähig zu sein“, sagt der neue KKO-Geschäftsführer Christian Eckert. „Gemeinsam mit Gläubigerausschuss und Aufsichtsrat überlegen wir dann auch, ob die Hereinnahme eines Investors sinnvoll ist.“ Bereits im September soll das Konzept für die KKO-Gruppe mit drei Kliniken, Altenheimem. Hospizen und Pflegediensten stehen.

Eckert kritisiert an der Bertelsmann-Studie, mit „welcher Leichtfertigkeit hier Experten die Krankenhaus-Versorgungsstrukturen von 150 Jahren einfach wegwischen, ohne umsetzbare Alternativen zu bieten“. Im ländlichen Raum sei solch eine Brachialtherapie nicht durchführbar, weil die Nähe der Klinik ein wichtiger Gesundheitsfaktor ist. „In Teilen trifft die Bertelsmann-Studie aber den richtigen Kern – vor allem für Ballungsgebiete.“

Weniger Krankenhäuser in Ballungsgebieten notwendig

Nils Krog, Chef der Mülheimer Ategris GmbH, ist überzeugt davon, dass Strukturreformen, also weniger Krankenhäuser, in NRW notwendig sind, weil wir hier eine Überversorgung an stationären Einrichtungen haben. Ategris betreibt in Oberhausen das Evangelische Krankenhaus EKO. „Es ist aber nicht machbar, einfach die kleinen Krankenhäuser zu schließen. Dass Kliniken in angemessener Zeit auch im ländlichen Raum erreichbar sein müssen, ist auch künftig wichtig für eine gute Gesundheitsversorgung.“ Schon heute müsse man in Ostwestfalen zur Entbindungsstation 40 Minuten fahren, am Niederrhein 25 Kilometer zur Notfallambulanz einer Klinik.

Würde aber die notwendige Klinik-Strukturveränderung angepackt, dann müssten Bund und Länder erst einmal viel Geld in die Hand nehmen. „Wir benötigen mehrere Milliarden Euro, um Standorte zu schließen, umzubauen und neu zu bauen.“ Als Beispiel führt Krog die Zentralisierung zu einer einzigen Geburtenstation in einer Stadt an: Wenn dann ein Krankenhaus plötzlich doppelt so viele Geburten abwickeln muss, sind Investitionen in eine größere Geburtenstation notwendig. „Am Ende würden wir dann aber volkswirtschaftlich Geld sparen, weil wir Doppelstrukturen minimieren.“

Verbünde oder Fusionen von Krankenhäusern?

In der Zwischenzeit denken aber alle Krankenhäuser in der kirchlichen, kommunalen und privaten Trägerlandschaft darüber nach, wie man sich in dem immer härteren Wettbewerbsmarkt aufstellt. Ein Schlüssel: Verbünde und Fusionen. So führt Ategris für das EKO und dem Evangelischen Krankenhaus Mülheim ähnlich wie das KKO seit Jahren Gespräche mit anderen Klinikbetreibern, um Verbünde zur Senkung allgemeiner Grundkosten zu schaffen. Doch bisher scheitern die Kontakte oft daran, dass die ethischen und wirtschaftlichen Vorstellungen eines Krankenhausbetriebs zu weit auseinanderliegen. Der wirtschaftliche Druck war offenbar bisher nicht groß genug – aber das ändert sich gerade.

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