Mediale Früherziehung

Kita-Kinder in Oberhausen lernen den Umgang mit iPads

Gruppenbild mit Elke Genat, Thomas Goeken, Matthias Brambosch, Florian Brambosch, Jutta Grampe, Kornelia Schiller, Johannes Leyendecker (hinten von links) und Lenny, Mia, Finn und Mariella (vorne von links).

Gruppenbild mit Elke Genat, Thomas Goeken, Matthias Brambosch, Florian Brambosch, Jutta Grampe, Kornelia Schiller, Johannes Leyendecker (hinten von links) und Lenny, Mia, Finn und Mariella (vorne von links).

Foto: Fabian Strauch

Oberhausen.   Das Familienzentrum der Lutherkirchengemeinde nimmt an einem Projekt teil, um die Kinder fit für den Umgang mit Tablet-PCs zu machen.

Um allen Skeptikern gleich den Wind aus den Segeln zu nehmen: Nein, die Kita-Kinder im Familienzentrum der Luther-Kirchengemeinde dürfen nicht nach Lust und Laune an ihren iPads daddeln und sie dürfen auch nicht im Internet herumsurfen – obwohl so einige von ihnen längst von Mamas und Papas Handy wissen, wie das geht.

Die kleinen Teilnehmer eines Projektes für mediale Frühförderung erfahren vielmehr, wie man durch elektronische Medien klüger werden kann. Zeitlich begrenzt und mit pädagogisch wertvollen Angeboten wollen die Leiterinnen der beiden Standorte, Kita Bermensfeld am Hausmannsfeld und Oberlin-Kita an der Bismarckstraße, ihre Vorschulkinder auf eine Zukunft vorbereiten, in der kein Weg an Computern vorbeiführt. Oder wie Kornelia Schiller von der Oberlin-Kita sagt: „Wir können hier ja nicht nur mit Holzbausteinchen spielen.“

Bedenken aus dem Weg räumen

So selbstverständlich inzwischen der Umgang mit den iPads in den Kitas ist, so galt es am Anfang doch, einige Bedenken aus dem Weg zu räumen. Einige Erzieherinnen in ihrem Team, besonders die älteren Semester, seien verunsichert gewesen, erzählt Elke Genat von der Kita Bermensfeld. Sie selbst musste nicht überzeugt werden: „Ich interessiere mich auch privat dafür“, sagt die 54-Jährige. „Und ich bin froh bei einem so fortschrittlichen Träger zu arbeiten. Wir hatten schon Computer, als andere noch alles per Hand schreiben mussten.“

An der Oberlin-Kita musste Kornelia Schiller in den vergangenen viereinhalb Jahren, in denen das Familienzentrum an dem Projekt schon teilnimmt, mehrere Elterngespräche führen: „So mancher war in Sorge. Denen mussten wir ganz viel erklären.“

Die Kinder freilich waren von Anfang an elektrisiert. Jeder „Wackelzahn“, das sind alle, die im kommenden Jahr eingeschult werden, hat sein oder ihr „eigenes“ Gerät, personalisiert mit einem Foto, ausgestattet mit witzigen Sicherheits-Schutzhüllen samt kindgerechten Griffen. Etwa einmal pro Woche dürfen sie für eine halbe Stunde auf dem Bildschirm Wimmelbücher anschauen, das Zählen üben, Denk- und Knobel-Aufgaben lösen oder ihre Mehrsprachigkeit trainieren.

Irres Interesse an Insekten

Für besondere Projekte haben sie damit auch schon im Stadtteil fotografiert. Die benötigten Apps werden von der IT-Firma Brambosch je nach Wunsch auf die Geräte geladen. Das Beratungsunternehmen mit Sitz im Lipperfeld ist einer der beiden Finanzgeber des Medien-Projektes und sammelt wöchentlich alle iPads ein, um sie zu laden, um Aktualisierungen durchzuführen und Software auszutauschen.

Im Verbund mit der Essener Joseph-Senker-Stiftung fördert Brambosch vier Kitas in Mülheim, Essen und Oberhausen mit diesem Service. Auch für die Anschaffung der insgesamt 75 Geräte waren die Oberhausener zuständig.

Workshops für die Eltern

„Viele kennen Tablets von zu Hause“, sagt Kornelia Schiller, „aber wir möchten den Kindern einen anderen Umgang damit beibringen.“ Elke Genat erinnert sich an ein Kind, das „wie irre interessiert an Insekten war“. Als den Erzieherinnen die Antworten ausgingen, konnten sie einfach googlen, eine große Hilfe. Inzwischen sei der Umgang mit den i-Pads auch fest in die Konzeption ihrer Kita verankert, zu finden unter dem Punkt „Medienerziehung“, wo bisher nur von Kassetten und CDs die Rede war.

Dass sie nun für ein weiteres Jahr an dem Förder-Projekt teilnehmen dürfen, freut die Kita-Leiterinnen sehr. Nun wollen sie auch noch einen Schritt weitergehen und den kindgerechten Umgang mit dem Medium an die Eltern weitergeben. Die Firma Brambosch wird ihnen auch dabei helfen: mit Workshops, zu denen sich Interessierte Anfang nächsten Jahres anmelden können. Zunächst geplant für die Projektteilnehmer, seien jedoch auch andere Eltern willkommen, sagt Geschäftsführer Matthias Brambosch. Ebenso könnten sich konfessionelle und städtische Kitas um eine Teilnahme bewerben.

>>> So sieht es an anderen Kitas in Oberhausen aus

Obwohl die schwarz-gelbe Landesregierung den Einsatz digitaler Medien in Kindertagesstätten fördern will, sind in den Oberhausener Kitas bislang noch keine Tablets im Einsatz. „Dafür fehlen im Moment die Finanzen“, erklärt Erika Minor vom evangelischen Kirchenkreis.

Auch die 20 städtischen Kitas sind laut Ertunç Deniz, Jugendbereichsleiter der Stadt Oberhausen, aktuell nicht in der Lage, den finanziellen Aufwand ohne Zuschüsse zu stemmen. „In Oberhausen gibt es vereinzelte Kitas mit Lerncomputern – Tablets aber noch nicht“, sagt Birgit Hölker-Schüttler vom Zweckverband katholischer Kindertageseinrichtungen.

„Wir haben Tablets bislang nur im Rahmen von Fortbildungen eingesetzt“, sagt Karin Teppenkamp von der Kita Löwenzahn. Die stellvertretende Leiterin der Einrichtung koordiniert das Pilotprojekt „Sprachschatz“. Dabei gehe es unter anderem um das Thema Mediennutzung. „Es gibt viele spannende Apps, mit denen man bei Kindern Sprachanlässe schaffen kann“, erklärt Teppenkamp. Die Kita sei auf der Suche nach Sponsoren. Schließlich würden schon Dreijährige in Kontakt mit Tablets und Smartphones ihrer Eltern kommen. „Wir wollen mit Offenheit neue Medien ausprobieren, Verteufelung nutzt uns nichts.“

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