Theater

Leider nur matte Pointen im Oberhausener Stadttheater

Große Worte, bunt bestücktes Bühnenbild – aber wieder mal null Relevanz: Ayana Goldstein und Clemens Dönicke in „Die Freiheit in Abrede“.

Foto: Isabel Machado Rios

Große Worte, bunt bestücktes Bühnenbild – aber wieder mal null Relevanz: Ayana Goldstein und Clemens Dönicke in „Die Freiheit in Abrede“. Foto: Isabel Machado Rios

Oberhausen.   Die erste „Radiophonie“ von Hausautor Laucke ist ein freundliches Nichts. „Die Freiheit in Abrede“ behauptet Relevanz und bietet matte Pointen.

Zu den Kommentaren, er habe einen „mutigen Spielplan“ vorgelegt, sagte Intendant Florian Fiedler im Sommer, es gehe ihm vor allem darum, „dass es relevante Stoffe sind“. Daran muss das Theater aber noch heftig arbeiten. Denn auch der Relevanz geradezu beschwörende Titel „Die Freiheit in Abrede“ entpuppte sich als freundliche, kleine Produktion, die Relevanz schmerzlich vermissen ließ.

Aber Hausautor Dirk Laucke hat ja auch kein Schauspiel geschrieben, sondern „Teil 1 der radiophonen Stückentwicklung“. Übersetzt heißt das wohl: Er probiert ein bisschen ‘rum – und hat während der ersten Spielzeit drei Versuche. „Radiophon“ heißt: Vom Laptop spielt Laucke (als Toni, der Tonmeister) immer mal wieder kleinste oder etwas ausführlichere Fundsachen aus Radio und TV. Dazu gibt’s ein Bühnenbild im Ambiente eines betont wohnlich bestückten Tonstudios. Ein paar schräge Utensilien dimmen den allzu biederen Eindruck.

Ein sprunghaftes Hin und Her

Das (Hör-)Spiel beginnt mit O-Tönen von der Demonstration für Deniz Yücel, den seit 300 Tagen in der Türkei inhaftierten deutschen Journalisten. Am Bartresen im Saal 2 liegen dazu Postkarten aus, adressierte an die Gefängnis-Anschrift des bis zum Wochenende in Einzelhaft Gefangenen.

Aus diesem Auftakt entwickelt sich – nichts. Oder vielmehr ein sprunghaftes Hin und Her, das alles und jedes kurz mal anpiekst, aber niemandem ernstlich wehtut. „Sie erleben hier keine Kunst, sondern erstklassiges Infotainment.“ Große Worte, Herr Laucke, aber Sie liefern ja nicht.

Das Quartett auf der Bühne – neben dem Tonmeister noch Ayana Goldstein, Clemens Dönicke und Christian Bayer – widmet sich kurz dem Reformationsjubiläum. Die Kritik an Luthers judenfeindlichen Pamphleten wird an sächselnde Alberei verraten. Logisch, modernes Theater bringt ja auch Schiller nur noch schwäbelnd? Die katholische Seite wird kritisch mit den Aussagen ihres Militärbischofs gekitzelt. Alles schön paritätisch – oder wie Dönicke echauffiert ausruft: „Das ist Kunst-Kacke!“ Wer wollte widersprechen?

Das Hörspiel-Quartett steigert sich in einen Hauch von krisenhafter Dramatik, als Ayana Goldstein in ihrem Weltkarten-Pullover schnaubt: „Das wird hier zu einer AfD-Ecke.“ Beleidigtes Schweigen, Abgang und Flüche aus den Kulissen. Hätte ein knackiger Schluss sein können – nach einer guten halben Stunde.

Die Essenz ist Verwirrung

Aber die Vier tappen noch ein bisschen weiter durch ihr Thema, spielen ihrem Publikum noch ein paar akustische Fundsachen vom Laptop vor. Dirk Laucke kehrt zurück und trägt nun ein T-Shirt: „Polite as Fuck“. Die Essenz dieser Übung in Radiophonie hat er Christian Bayer ins Skript geschrieben: „Weil der ganze Abend so eklektisch geht, sich von Thema zu Thema hangelt – Du willst hier die große Verwirrung stiften.“

>> Postkarten mit Hashtag: #FreeDeniz

Im Theater-Saal 2 gibt’s „Die Freiheit in Abrede“ erst wieder im neuen Jahr: am Freitag, 19. Januar 2018, um 19.30 Uhr. Karten kosten 14 Euro, ermäßigt 5 Euro.


Zwei weitere „radiophone Shows“ sind während der Spielzeit angekündigt: Am 25. März folgt „Unter uns Indianern“ und als Teil 3 am 3. Juni „Nur die Harten (kommen in den Garten“.


Wer an Deniz Yücel schreiben möchte, hier die Gefängnis-Anschrift: Ilker Deniz Yücel / Silivri kapali ceza infaz kurumu / infaz B6/54 kogusu / Silivri / Türkiye. Oder man nutzt eine der im Theater ausliegenden Postkarten.

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